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HIV-Therapie

Positive Daten für die Monatsspritze

29.08.2018
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Von Annette Mende / Für Patienten mit HIV-Infektion, die der täglichen Tabletteneinnahme überdrüssig sind, könnte es künftig möglicherweise Alternativen geben. Eine Phase-III-Studie mit ­einer Monatsspritze brachte erste positive Ergebnisse. Weitere lang wirksame Ansätze sind in der Pipeline.

Die von Viiv Healthcare und Janssen gemeinsam entwickelte Monatsspritze hatte bereits im vergangenen Jahr bei der Konferenz der internationalen Aids-Gesellschaft für Furore gesorgt. Stellt sie doch eine Möglichkeit dar, um der bei vielen HIV-Patienten früher oder später nachlassenden Compliance zu begegnen. Die sogenannte Pillenmüdigkeit ist ein bekanntes Phänomen; etwa 30 Prozent der Patienten haben im Verlauf der antiretroviralen Therapie (ART) irgendwann Schwierigkeiten, sich zu der notwendigen täg­lichen Tabletteneinnahme zu motivieren. Das gefährdet die ansonsten großen Erfolge der ART (siehe Kasten).

Intramuskuläre Injektion

 

Bei der getesteten Injektionslösung handelt es sich um eine Nanosuspen­sion zur intramuskulären Injektion mit dem neu entwickelten Integrase-Hemmer (INI) Cabotegravir und dem nicht nukleosidischen Reverse-Transkrip­tase-Hemmer (NNRTI) Rilpivirin. Letzterer ist in Tablettenform unter dem Handelsnamen Edurant® seit 2012 auf dem Markt, als lang wirksame Formulierung jedoch noch nicht verfügbar.

 

Wie einer Pressemitteilung von Viiv und Janssen zu entnehmen ist, konnte in der offenen Phase-III-Studie ATLAS die Nicht-Unterlegenheit der Monatsspritze gegenüber einem täglichen oralen Dreikomponenten-Regime gezeigt werden. Teilgenommen hatten 618 HIV-Patienten in 13 Ländern, darunter Deutschland, die zuvor seit mindestens sechs Monaten stabil auf eine orale antiretrovirale Therapie eingestellt waren. Diese bestand aus zwei nukleosidischen Reverse-Transkriptase-Hemmern (NRTI) plus entweder einem INI, einem NNRTI oder einem Protease-Inhibitor. Die Hälfte der Teilnehmer setzte diese Therapie während des Studienzeitraums fort, die andere wurde auf die Monatsspritze umgestellt.

 

Nach 48 Wochen war die neue Formulierung den etablierten Regimen hinsichtlich der Viruskontrolle nicht unterlegen. Genaue Zahlen nennen die Hersteller nicht, sie sollen demnächst bei einer Fachkonferenz präsentiert werden. Noch in diesem Jahr sollen zudem erste Ergebnisse der FLAIR-Studie veröffentlicht werden, in der die neue Spritze bei therapie­naiven Patienten getestet wurde. Auch ATLAS soll einen Nachfolger ­haben: Im Rahmen der ATLAS-2-Studie wollen die Hersteller die Wirksamkeit der Injektionslösung als Zweimonatsspritze, also in einem achtwöchigen Dosisintervall untersuchen.

 

Weitere Ansätze

 

Die Cabotegravir-Rilpivirin-Kombi ist der am weitesten fortgeschrittene ­Ansatz zur lang wirksamen HIV-Therapie, aber nicht der einzige. Gilead hat mit GS-CA1 auch einen Kandidaten im Rennen. Der Wirkstoff hemmt die Bildung und den Abbau des Kapsids von HIV und dadurch mehrere Phasen des viralen Lebenszyklus. MSD ent­wickelt MK-8591, einen nukleo­sidischen Reverse-Transkriptase-Translokations-Hemmer (NRTTI). Der auch oral verfügbare Wirkstoff hemmt die Reverse Transkriptase für bis zu zehn Tage. Mit PRO 140 von ­CytoDyn ist zudem ein monoklonaler Antikörper in der ­Pipeline, der gegen das Rezeptor­protein CCR5 gerichtet ist und als ­Entry-Inhibitor fungiert. /

Wachsender Erfolg

Der Anteil der HIV-Patienten, bei denen die Viruslast dank der ART unter Kontrolle ist (≤ 400 Kopien pro ml), hat sich in den USA in den vergangenen 20 Jahren von 32 auf 86 Prozent fast verdreifacht. Einer repräsenta­tiven Langzeitstudie zufolge haben aber jüngere und dunkelhäutige ­Patienten weniger gute Chancen auf eine gute Viruskontrolle. Das berichtet ein Team um Robin M. Nance von der University of Washington in ­Seattle im Fachjournal »Annals of ­Internal Medicine« (DOI: 10.7326/M17-2242). Berücksichtigt wurden 32 000 Teilnehmer der CNICS-­Kohorte (Centers for AIDS Research Network of Integrated Clinical Systems) aus den Jahren 1997 bis 2015. Eine Viruslast unter der Nachweisgrenze wurde mit steigendem ­Lebensalter wahrscheinlicher (um 24 Prozent pro Dekade über 40 Jahre), war bei dunkelhäutigen Patienten dagegen um 68 Prozent seltener gegeben als bei hellhäutigen.

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