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MERS-Coronavirus

Fledermaus ist vermutlich das Reservoir

27.08.2013
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Von Christina Hohmann-Jeddi / Ein internationales Forscherteam hat das neuartige Coronavirus in einer Fledermaus in Saudi-Arabien nachgewiesen. Die Wissenschaftler nehmen an, damit das Reservoir des Virus gefunden zu haben, das in den vergangenen Monaten zu 96 Erkrankungen am Middle East Respiratory Syndrom (MERS) und 47 Todesfällen geführt hat. Das berichtet das Team unter Leitung von Professor Dr. Ian Lipkin von der Columbia Universität in New York im Fachjournal »Emerging Infectious Diseases« (doi: 10.3201/eid1 911.131172).

Drei Wochen im Oktober 2012 und weitere drei Wochen im April dieses Jahres hatten die Wissenschaftler Blutproben und Abstriche von Fledermäusen genommen und Exkremente (Guano) von deren Schlafstätten gesammelt, die sich in der Nähe von Erkrankungsfällen befanden. Während die Oktober-Proben durch Öffnen des US-amerikanischen Zolls unbrauchbar gemacht wurden, konnten die Wissenschaftler die April-Proben in New York untersuchen.

Wie sich herausstellte, tragen Fledermäuse in Saudi-Arabien eine ganze Reihe von Coronaviren in sich – mehr als jede vierte Kotprobe enthielt ein Coronavirus. Aber nur eine Probe enthielt ein Virus, das genetisch zu 100 Prozent identisch mit dem MERS-Coronavirus ist. Es wurde im Kot der ägyptischen Grabfledermaus, Taphozous perforatus, eines Insektenfressers gefunden. Die Probe wurde in Bisha in der Nähe des Arbeitsplatzes des ersten an MERS erkrankten Patienten gefunden.

 

Fledermäuse können eine ganze Reihe an Viren übertragen, darunter das Tollwut-, Marburg-, Nipah-, Hendra-, SARS- und eventuell das Ebola-Virus. Die Forscher gehen davon aus, dass Fledermäuse eine Rolle im aktuellen MERS-Infektionsgeschehen spielen. Es kommen auch weitere Tierarten als Überträger auf den Menschen infrage. Erst kürzlich wurden Antikörper gegen das Virus im Blut von Dromedaren entdeckt. /

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