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Gesundheitswirtschaft

Jobmotor und Wachstumsfaktor

26.08.2008
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Arzneimittelausgaben

Gesundheitswirtschaft: Jobmotor und Wachstumsfaktor

Von Sven Siebenand, Wiesbaden

 

In der alternden Bevölkerung steigt die Nachfrage nach Ärzten, Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. Anlässlich des Wiesbadener Gesundheitsforums diskutierten in der vorigen Woche Experten über die Perspektiven der Gesundheitsbranche.

 

Diskussionen um den Gesundheitsfonds, die Beitragssatzstabilität und die vermeintliche Kostenexplosion: Die Gesundheitsbranche ist weit mehr als das, so die hessische Sozialministerin Silke Lautenschläger. Die CDU-Politikerin plädierte beim Wiesbadener Gesundheitsforum dafür, die Gesundheitswirtschaft als Standortfaktor zu begreifen.

 

Die Branche sei Jobmotor und Wachstumsfaktor zugleich. So gebe es bundesweit mehr als vier Millionen Beschäftigte im Gesundheitswesen, Industriezweige wie Pharma und Medizintechnik noch gar nicht miteingerechnet. Hinzu kommen noch die geschaffenen Arbeitsplätze in nachgelagerten Industrien. Mit dem Gesundheitsökonom Professor Dr. Eberhard Wille war sich die Ministerin einig, dass es sich um einen enorm dynamischen Wirtschaftszweig handelt. Wille, der Vorsitzender des Sachverständigenrats zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen ist, warnte die Politiker des Bundesministeriums für Gesundheit davor, die Gesundheitswirtschaft hierzulande abzuwürgen. Denn aufgrund des demografischen Wandels wachse dieser Bereich. Das aber nicht nur im Inland, sondern auch international. Wille rechnet damit, dass sich der Wettbewerb, vor allem innerhalb der Europäischen Union, verschärfen wird.

 

Weniger, älter, bunter

 

Was die Bevölkerungsentwicklung angeht, sei es schwierig eine Prognose zu erstellen. Denn weder Geburten- und Einwanderungsrate noch Lebenserwartung könne man genau vorhersagen. Wille vermutet aber, dass sich der Altersquotient »65« (das ist die Anzahl 65-Jährigen und Älteren im Verhältnis zu den Menschen im Alter zwischen 20 und 64 Jahren) mehr als verdoppeln wird. Während der Wert heute bei etwa 30 liegt, könnte er im Jahr 2050 schon bei 70 liegen. Der Altersquotient »85« mache noch einen größeren Sprung.

 

Für 2050 nannte Eberhard Wille einen Wert von 20. Eine der Konsequenzen dieser demografischen Entwicklung sind höhere Ausgaben in der gesetzlichen Krankenversicherung. Noch deutlicher werden Wille zufolge die Auswirkungen auf die Pflegeversicherung ausfallen. Angesichts des demografischen Wandels ist es eine Katastrophe, dass immer mehr Ärzte aufgrund des wachsenden Ökonomisierungszwanges in Bereiche außerhalb Patientenversorgung abwandern, so die Präsidentin der Landesärztekammer Hessen, Dr. Ursula Stüwe. Ihren Worten zufolge erhalten Ärzte für rund ein Drittel der getanen Arbeit keinerlei Vergütung.

 

»Einen derartigen Budgetierungs-Wahnsinn gibt es in südeuropäischen Ländern wie Italien, Spanien und Frankreich nicht«, fügte Dr. Heinz-Werner Meier hinzu. Meier ist Vorsitzender der Geschäftsführung von Sanofi-Aventis Deutschland und stellvertretender Vorsitzender des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller (VFA). Er sprach sich dafür aus, dass der Gesundheitssektor als Hochtechnologie verstanden und die Forschung vonseiten der Politik generell besser unterstützt wird. Obwohl schon erste Ansätze gelungen seien, müsse eine noch stärkere Vernetzung von Forschern an den Universitäten mit den pharmazeutischen Großunternehmen realisiert werden.

 

Für ein in Deutschland entwickeltes Mittel fällt auch der Großteil des Gewinns im Inland an, sagte Meier. Dieser Gewinn müsse wiederum im Land versteuert werden, was dann die Staatskassen klingeln lässt.

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