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Imagekampagne

27.08.2007
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Imagekampagne

Natürlich geht es im Gesundheitswesen um Geld. Bei einem System, das mit begrenzten Mitteln eine definierte Leistung, nämlich die angemessene Versorgung aller Versicherten, erbringen soll, ist das unvermeidlich. Geld spielt immer eine wichtige Rolle. Es darf aber nie nur ums Geld gehen.

 

Bei Arzneimitteln ist das leider häufig so. Die permanenten Diskussionen über Arzneimittelkosten haben den Blick auf den Wert vieler Medikamente verstellt. Dass die vermeintlichen Kostentreiber in der Regel den angenehmen Effekt haben, Menschen gesund zu machen, wird gerne vergessen, wenn die Arzneiausgaben, warum auch immer, wieder einmal gestiegen sind. Der Frankfurter Pharmazieprofessor Dr. Theo Dingermann bezeichnet diese Entwicklung zu Recht als fatal. Arzneimittel seien zuerst eine der wirksamsten Therapieoptionen, sagte er beim Sommerempfang des Apothekerverbands Nordrhein. Doch die permanente Kostendiskussion bagatellisiere in der öffentlichen Wahrnehmung den Nutzen der Medikamente. Beim Stichwort Arzneimittelinnovationen fallen auch Politikern und Kassenfunktionären oft zuerst die hohen Preise ein. Die Chance, eine Krankheit mit neuen Medikamenten besser therapieren zu können, wird nicht gesehen.

 

Das Beispiel zeigt, auf welchem schmalen Grat sich Kosten-Nutzen-Bewertungen und andere pharmakoökonomische Instrumente bewegen. Sie alle laufen Gefahr, die kontinuierliche Entwertung von Arzneimitteln voranzutreiben, ihr Image zu schädigen und dadurch letztlich auch deren Wirksamkeit zu gefährden. Institutionen und ihre Wissenschaftler dürfen keine Feindbilder aufbauen. Ärzte, Apotheker und Pharmaindustrie dürfen nicht unter Generalverdacht stehen, sich am Arzneimittel unsittlich bereichern zu wollen. Einigen Institutionen, zum Beispiel dem vor einem Jahr gegründeten WINEG (siehe hier) scheint dies ganz gut zu gelingen. Andere tun sich leider schwerer.

 

Eine Imagekampagne für wirksame Arzneimittel wäre dringend notwendig. Es gibt wenige Produkte, die so zweifelsfrei nützlich sind und dennoch einen katastrophalen Ruf haben. Apotheker und Ärzte haben täglich Millionen Kontakte zu ihren Patienten, vertrauenswürdiger als die meisten Meinungsbildner sind sie auch. Es dürfte nicht schwer werden, den Arzneimitteln, die es verdienen, ihren Wert zurückzugeben.

 

 

Daniel Rücker

Stellvertretender Chefredakteur

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