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Keime gegen Karies

29.08.2006
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Keime gegen Karies

Von Conny Becker

 

Nachdem sich Joghurts mit probiotischen Bakterien auf dem Markt etabliert haben, sollen nun auch Kaugummis, Mundhygieneprodukte und Deodorants mit Mikroben frisiert werden.

 

Dafür identifizierte das Berliner Unternehmen Organo-Balance geeignete Milchsäurebakterien wie Lactobacillus anti-caries, pes-odoris oder ala-odoris. Sein großer Kooperationspartner BASF will diese in entsprechenden Applikationsformen in Kürze auf den Markt bringen.

 

Am weitesten fortgeschritten sind nach BASF-Angaben die Mundpflegeartikel, die sich gegen das Bakterium Streptococcus mutans wenden. Normalerweise setzt sich der ungeliebte Karieserreger an der Zahnoberfläche fest und produziert dort die den Zahnschmelz zerstörenden Säuren. Ist jedoch Lactobacillus anti-caries zugegen, kann der Prozess gestoppt werden. Denn das Milchsäurebakterium bindet an die Karieskeime, verklumpt sie zu größeren Aggregaten und verhindert ihr Anheften an die Zahnoberfläche. Die Streptokokken werden so leicht aus der Mundhöhle ausgespült oder mit dem Speichel geschluckt. Bisherigen Test zufolge scheint ein mikrobenhaltiger Kaugummi erfolgreich: Nach dem Kauen sank die Menge der Karieserreger auf ein Fünfzigstel verglichen mit der üblichen Streptokokken-Konzentration im Mund. Der Hersteller rechnet damit, dass bereits im kommenden Jahr erste Mundhygieneprodukte, die probiotische Laktobazillen enthalten, auf den Markt kommen könnten.

 

Des Weiteren untersucht das Unternehmen auch, ob Milchsäurebakterien die Bildung von Körpergeruch vermeiden können. Dabei sollen Lactobacillus pes-odoris und ala-odoris gegen die für die Geruchsentstehung verantwortlichen Bakterien an Fuß und Achselhöhle vorgehen. Somit befinden sich Deodorants und Fußsprays mit Milchsäurebakterien in der Entwicklung, aber auch Pflegecremes und -lotionen, die der Regeneration der schützenden Hautflora dienen sollen.

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