Pharmazeutische Zeitung online
Fritz Becker zur Expopharm

Keinen Trend verpassen

17.08.2017  16:14 Uhr

Von Jennifer Evans und Anna Pannen / Bald ist es wieder so weit: Europas größte pharmazeutische Fachmesse öffnet ihre Tore. Besucher können Branchen-Trends erkunden, Vorträgen lauschen und über die Zukunft des Berufsstands diskutieren. Wie Fritz Becker, der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbands, die Messetage verbringt und was Apotheker auf keinen Fall verpassen sollten, erzählt er im Interview mit der PZ.

PZ: Zunächst eine Gesinnungsfrage: Alt oder Kölsch, Herr Becker?

 

Becker: Schöne Fangfrage für einen Süddeutschen! Da wir jedes zweite und deshalb auch dieses Jahr wieder in der stolzen Landeshauptstadt Düsseldorf zu Gast sind, kann die politisch korrekte Antwort nur Altbier lauten. Sonst lädt man uns womöglich nicht wieder ein! Aber Spaß beiseite: Als Pforzheimer bin ich bekennender Liebhaber des badischen Weins, genieße aber in Düsseldorf am Abend nach getaner Arbeit gerne ein schönes Altbier. Tagsüber muss es Tee sein, damit ich die vielen und langen Sitzungen durchstehe.

 

PZ: Was sind Ihre persönlichen Highlights auf der diesjährigen Expopharm?

Becker: Bei der Eröffnung der Messe nehme ich gerne die Gelegenheit wahr, die politische Lage zu analysieren und Themen zu setzen, die den Apothekern wichtig sind. Auf dem Messerundgang ergibt sich die Chance, mit Ausstellern ins Gespräch zu kommen und ein erstes Gespür für neue Trends zu erhalten. Auch die Pharma-World ist mir als zentrales Fachforum der Messe wichtig. Deshalb habe ich zugesagt, an einer Podiums­diskussion zur evidenzbasierten Selbstmedikation teilzunehmen. Ein bisschen Werbung sei auch für den Stand der ABDA-Geschäftsstelle erlaubt: In diesem Jahr kommt er in einem neuen Gewand und mit neuem Programm daher.

 

PZ: Auf welche Veranstaltung freuen Sie sich besonders?

 

Becker: Als DAV-Vorsitzender und ­ABDA-Vorstandsmitglied ist mein Platz natürlich zunächst einmal auf dem Podi­um der Hauptversammlung des Deutschen Apothekertags, wo wenige Tage vor der Bundestagswahl spannende Diskussionen und Abstimmungen stattfinden werden – ob nun zu berufsspezifischen Themen oder zu gesundheitspolitischen Forderungen.

 

PZ: Welche Pharma-World-Vorträge lassen Sie persönlich sich nicht entgehen?

 

Becker: Da mag ich mich noch gar nicht festlegen, es sind viele spannende Themen dabei. Sie betreffen aktuelle Fragen der Apotheker, etwa zu den Themen Cannabis, Rezepturen und Selbstmedikation.

 

PZ: Ein Schwerpunkt der Expopharm wird in diesem Jahr Medizinisches Cannabis sein. Welchen Herausforderungen müssen sich die Apotheker hier stellen?

 

Becker: Die Apotheker haben die von Politik und Gesellschaft eingeforderte Verantwortung übernommen, ärztlich verordnetes Cannabis in pharmazeutisch einwandfreier Rezepturqualität an die Patien­ten abzugeben. Allerdings sind noch längst nicht alle Fragen beantwortet. Die Qualitätssicherung der Zubereitungen in den Apotheken ist eine alltägliche Herausforderung. Zuletzt sind Lieferengpässe der bislang nur importierbaren Sorten aufgetreten. Und zu Abrechnungsfragen verhandeln wir mit den Krankenkassen über die Hilfstaxe. Letztlich darf man den Patienten nicht vergessen: Der Therapieerfolg steht und fällt wie immer damit, dass der Patient dieses besondere Arzneimittel anweisungsgemäß nutzt.

 

PZ: Was gibt es Neues in Sachen vernetzte Apotheke?

 

Becker: Mit dem Perspektivpapier »Apotheke 2030« haben wir die strategische Grundlage formuliert, um moderne Technologien mit der Menschlichkeit des freien Heilberufs zum Wohle der Patienten zu verbinden. Vor zwei Jahren hat dann der Deutsche Apothekertag für den Aufbau eines eigenen sicheren Netzes der Apotheken votiert. Nun ist es soweit und wir haben die Netzgesellschaft der deutschen Apotheken (NGDA) gegründet.

 

Dafür wurde zunächst analysiert, wie ein stabil funktionierendes und hochsicheres Netz der Apotheken aussehen kann, das den Arbeitsalltag in der Offizin wirklich erleichtert. Die entwickelten Anwendungen sollen die tägliche Routinearbeit der Apotheker vor Ort erleichtern und die Kommunikation zwischen Apotheker und Patient einfacher machen. Dies soll die Kundenbindung stärken, die Kommunikation mit dem Kunden aber auch flexibler machen.

 

PZ: Welche Auswirkungen hat das EuGH-Urteil vom 19. Oktober 2016 zur Arzneimittelpreisverordnung auf die Expopharm und den Deutschen Apothekertag?

 

Becker: Politisch gesehen ist die Forderung nach einem Versandverbot für rezept­pflichtige Arzneimittel natürlich das zentrale Anliegen der vergangenen Monate. Die Brisanz liegt in der Tatsache, dass die Bundestagswahl kurz nach dem DAT am 24. September stattfindet. Wir werden in Düsseldorf alle ganz genau hinhören, was die Politiker uns dazu sagen. In diesem Punkt sind die Apotheker geschlossen wie bei kaum einer anderen Frage. Auf der Expopharm wird zugleich noch intensiver diskutiert werden, welche neue Technik oder welches Marketing den Apotheken vor Ort hilft, ihre Zukunft zu sichern. Einfache Antworten wird es darauf aber wohl kaum geben – eher nach dem Motto »Denke global, handle lokal.«

 

PZ: Wie viele Stunden Nachtschlaf bleiben Ihnen eigentlich während der Messetage?

 

Becker: Die Tage sind natürlich lang. Aber die Expopharm hat ja feste Öffnungszeiten, und auch die Standpartys sind von der Messeleitung zeitlich begrenzt. Das rettet den Nachtschlaf. Aber natürlich wird morgens schon beim Frühstück im Hotel und nächtens noch spät diskutiert. /

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