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Gehirnalterung bei Übergewicht beschleunigt

23.08.2016  15:47 Uhr

Von Christina Hohmann-Jeddi / Der im Alter einsetzende Rückgang der weißen Hirnsubstanz läuft bei übergewichtigen Menschen anscheinend schneller ab als bei normalgewichtigen.

 

Das zeigt eine Untersuchung von Forschern um Dr. Lisa Ronan von der Cambridge University, die nun im Fachjournal »Neurobiology of Ageing« erschien (DOI: 10.1016/j.neurobiolaging.2016.07.010). Demnach entspricht das Volumen der weißen Substanz bei Übergewichtigen im Alter von 50 Jahren in etwa dem von 60-jährigen Schlanken. Einen Einfluss auf die kognitiven Fähigkeiten konnte das Team allerdings nicht nachweisen.

 

Ronan und ihre Kollegen untersuchten die Gehirne von 473 Personen im Alter zwischen 20 und 87 Jahren und ermittelten mithilfe von bildgebenden Verfahren die Größe der weißen Hirnsubstanz, die aus Nervenfasern besteht. Sie stellten dabei fest, dass bei jungen Erwachsenen zwischen Übergewichtigen (BMI über 25) und Normalgewichtigen keine Unterschiede bestanden, ab einem Alter von 40 Jahren dagegen schon.

 

Wie diese beschleunigte Alterung zustande kommt, ist unklar. »Wir können nur darüber spekulieren, ob Übergewicht auf irgendeine Weise die Veränderungen verursacht oder ob es eine Folge der Hirnveränderungen ist«, sagt Ronan in einer Mitteilung der Universität. Auch wie sich die Atrophie auf die kognitiven Fähigkeiten auswirkt, ist ungewiss. Trotz der deutlichen Volumenunterschiede der weißen Substanz konnten die Forscher in IQ-Tests keine Unterschiede zwischen Normal- und Übergewichtigen erkennen. Angesichts der demografischen Entwicklung und der Zahl an Übergewichtigen weltweit sollte der Einfluss von Übergewicht und Ernährung auf Gehirn und Gedächtnisleistung verstärkt untersucht werden, fordern die Forscher. /

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