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Abbauendes Enzym könnte Nicotinsucht bekämpfen

18.08.2015  14:22 Uhr

Von Katja Egermeier / US-amerikanische Forscher haben ein Enzym entdeckt, das den Nicotinabbau im Blut drastisch beschleunigen und damit das Verlangen nach der nächsten Zigarette senken soll.

 

Das berichten Dr. Kim Janda und Kollegen vom Scripps Research Institute, Kalifornien, im »Journal of the American Chemical Society« (DOI: 10.1021/jacs.5b06605).

Fündig wurden die Wissen­schaftler im Boden von Tabakfeldern. Das dort vorkommende Bakterium Pseudomonas putida ist in der Lage, Nicotin in der Erde abzubauen. »Das Bakterium ist wie ein kleiner Pac-Man, der Nicotin frisst«, erklärt Janda. Im Mausmodell habe das hierfür verantwortliche Enzym des Bakteriums, NicA2, dafür gesorgt, dass die Substanz bereits nach 9 bis 15 Minuten abgebaut wird. Normalerweise braucht der Körper zwei bis drei Stunden, um das Nicotin einer Zigarette abzubauen.

 

Die Idee dahinter sei, dass das Enzym jegliches Nicotin abfängt, bevor es zum Gehirn gelangen kann. Der Raucher werde damit der Belohnung beraubt, die Nicotin dort normalerweise auslöst, so der Biologe. Mit der Zeit soll dies das Rauchen weniger attraktiv machen und den Raucher schließlich dazu bewegen, aufzuhören. Das Enzym, das sich noch in einem frühen Stadium der Entwicklung befindet, hat laut Janda »die richtigen Eigenschaften, um ein zuverlässiges Therapeutikum zu werden«: Es kann im Labor relativ einfach hergestellt werden, arbeitet bei normaler Körpertemperatur und erzeugt keine schädlichen Abbauprodukte. /

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