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Stressmanagement

Mit klarem Kopf durch alle Turbulenzen

19.08.2008  17:21 Uhr

Stressmanagement

Mit klarem Kopf durch alle Turbulenzen

Von Antje Siehl

 

Wie soll man in der Apotheke gelassen auf einen schwierigen Kunden eingehen, wenn man sich eigentlich um das kranke Kind daheim sorgt? Um den Spagat zu schaffen zwischen Top-Leistung im Beruf und guten Nerven zu Hause bedarf es einiger Übung. Hilfestellungen gibt der fünfte Teil der PZ-Serie zur Work-Life-Balance.

 

Für viele Eltern wäre es schön, wenn es einen Schalter gäbe: Morgens, wenn der Nachwuchs nach einem turbulenten Frühstück in Schule und Kindergarten untergebracht ist, legt man ihn auf »konzentriertes Arbeiten« und fährt mit freiem Kopf zur Apotheke. Sobald man die lieben Kleinen nachmittags oder abends wieder bei sich hat, stellt man den Schalter auf »Geduld, Improvisations- und Organisationstalent«. Am besten gäbe es dann auch noch die Möglichkeit, den Stecker dieses Schalters ganz zu ziehen, um sich allein oder mit dem Partner ein ruhiges Stündchen zu gönnen und den Akku aufzuladen.

 

Leider gibt es diesen Schalter nicht, und nicht jeder heißt von der Leyen und jongliert Kinder und Berufstätigkeit mit Leichtigkeit. Vielmehr kommt es im Extremfall gar zur dauerhaften Überlastung. Mit der richtigen Einstellung und ein paar Kniffen lässt sich der Stress aber in Schach halten. Erst dann ist es möglich, einen klaren Kopf sowohl zu Hause als auch in der Apotheke zu bewahren.

 

Die Perfektionsfalle

 

Eine besonders häufige Falle, sich noch mehr Stress zu machen als nötig, ist der eigene Perfektionsgedanke, den vor allem Frauen oft hegen. Dahinter verbirgt sich das alte Rollenmuster, sich um jeden kümmern und es allen recht machen zu müssen. Frauen sind oft nicht so geübt im Delegieren von Aufgaben in der Apotheke, spielen gern die »Sorgentante« und reiben sich in Nebensächlichkeiten auf.

 

Hier gibt es aber Präventionsmethoden, die Betroffene strikt einhalten sollten: Erstens die eigenen Grenzen schneller erkennen und gegebenenfalls »Nein« sagen. Schaffen Sie es nicht, noch schnell vor Dienstende die Direktlieferung auszupacken oder einen Botengang zu übernehmen, lehnen Sie höflich ab mit dem Hinweis, dass der Kindergarten um 17 Uhr schließt. Zweitens sollte sich jede berufstätige Mutter regelmäßige Regenerierungsphasen verschaffen. Überlegen Sie, welche Freizeitaktivität Ihnen Spaß machen, wo und wie Sie richtig abschalten können. Und drittens fällt es Frauen besonders schwer, Aufgaben weiterzuleiten. Denn das bedeutet: loslassen. Dabei können andere durchaus Aufgaben in der Apotheke oder zu Hause übernehmen, auch wenn sie es anders und vielleicht nicht so schnell machen.

 

Weiterhin gilt: Wenn wir unsere beruflichen und privaten Aktivitäten gut planen und Prioritäten setzen, behalten wir eine klare Sicht. Folgende Tipps für ein besseres Zeitmanagement im Alltag helfen.

 

Eisenhower-Prinzip: Ordnen Sie Ihre Aufgaben nach Dringlichkeiten. A bedeutet sehr wichtig, sofort erledigen (Kunde zu Ende bedienen, dann sofort bestellen), B bedeutet wichtig, aber nicht so dringend (Kollegin anrufen wegen Schicht-Tausch), C bedeutet dringend, kann aber delegiert werden (Regal nachfüllen) und D bedeutet weder wichtig noch dringend (Lager aufräumen).

 

Es trägt gewiss zu Ihrer Zufriedenheit bei, wenn Sie A-Aufgaben bis zum Abend erledigt, B-Aufgaben auf einen genauen Zeitpunkt terminiert, C-Aufgaben abgegeben und D-Aufgaben auf ruhigere Zeiten verschoben haben.

 

Rituale: Rituale helfen Berufstätigen und auch ihren Familien, strukturiert durch den Alltag zu kommen. Nicht nur Kleinkinder lieben es, abends in einem festen Ritual ins Bett gebracht zu werden, es hilft auch Erwachsenen bei der Arbeit oder beim Einkaufen, nicht ständig überdenken zu müssen: Was mache ich als nächstes?

 

Listen: Nutzen Sie Listen für alle Situationen und Lebenslagen, denn sie halten den Kopf frei für das, was Sie gerade machen. Erstellen Sie Listen zur Standardisierung von Arbeitsabläufen in der Apotheke, Einkaufslisten und To-do-Listen für den nächsten Tag, und schon sind der Überblick und auch der Erfolg da.

 

Zeitdiebe: Auf der Liste der Zeitdiebe ganz oben stehen der Fernseher, E-Mails privat und beruflich sowie ein ausgedehnter Plausch mit Nachbarn oder der netten Rentnerin, die in der Apotheke nur »Guten Tag« sagen wollte. Die Lösung: Zeitdiebe entlarven und ihnen keine Chance mehr geben.

 

Hilfe annehmen, gelassen bleiben

 

Hilfe annehmen: Wer morgens ein fieberndes Kind vorfindet und weiß, dass heute in der Apotheke keine Vertretung zu organisieren ist, sollte das Angebot der Oma, Nachbarin oder Freundin »für Notfälle« annehmen, sich um das Kind zu kümmern. Ein kleiner Blumenstrauß am Abend erfreut wiederum die helfende Person.

 

Wer auf diese Weise sein Kind in guten Händen weiß, dem gelingt es bestimmt, den Schalter umzulegen und den Tag in der Apotheke konzentriert zu verbringen. Alle diese Maßnahmen tragen dazu bei, Stress abzubauen und gelassener zu werden. Und wer gelassen ist, hat auch an turbulenten Tagen den Durchblick, sowohl zu Hause als auch in der Apotheke.

 

Literaturtipp

 

Ramona Jakob: Management Mama – Wie Sie Familie und Beruf erfolgreich unter einen Hut bekommen, Hannover: Humboldt, 2008.

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