Pharmazeutische Zeitung online

Wasserpfeife als Einstieg fürs Rauchen

16.08.2007
Datenschutz bei der PZ

Wasserpfeife als Einstieg fürs Rauchen

PZ / Wasserpfeifen werden auch in Deutschland immer beliebter. Dabei sind sich die meisten Raucher der Gesundheitsgefahren nicht bewusst. Oft dienen die als harmlos geltenden Shishas als Einstieg zum Zigarettenrauchen.

 

Auf den Bänken liegen gemütliche Kissen, an die Wand ist eine große Wüstenlandschaft gemalt, und in regelmäßigen Abständen ist ein sanftes Blubbern zu hören: Inzwischen werden Wasserpfeifen bundesweit in zahlreichen Kneipen und Lokalen angeboten. Vor allem Jugendliche ziehen gerne an den oft aufwendig verzierten Shishas. Das Problem: Die meisten Raucher unterschätzen die Gefahr. Immerhin ist nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Köln der Nikotingehalt im Rauch einer Wasserpfeife höher als der in einer Zigarette. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt vor der hohen Suchtgefahr und den gesundheitlichen Risiken wie Lungenkrebs. »Wasserpfeifen sind wie Alkopops. Sie sind gerade für Kinder und Jugendliche zur Einstiegsdroge für das Zigarettenrauchen geworden«, sagt der Arzt und Gesundheitsexperte des Berliner Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg, Johannes Spatz. Besonders problematisch sei, dass der eingeatmete Rauch nicht streng nach Tabak schmecke, sondern intensiv nach dem jeweils beigefügten Fruchtaroma.

 

»Wasserpfeife-Rauchen ist ein neues Phänomen unter den Jugendlichen«, stellt die BZgA-Sprecherin Marita Völker-Albert fest. Bundesweit rauchen einer ersten repräsentativen Studie der BZgA zufolge 14 Prozent der Jugendlichen mindestens ein Mal im Monat Wasserpfeife. »Allerdings unterschätzen sie die Risiken dabei.« Denn was auf den ersten Blick nach einem entspannten Freizeitvergnügen in orientalischer Atmosphäre aussieht, ist in Wirklichkeit alles andere als sicher: »Wasserpfeifen stellen keine harmlose Alternative zur Zigarette dar, man muss im Gegenteil davon ausgehen, dass die vom Wasserpfeifenrauch ausgehende Gesundheits- und Suchtgefahr ähnlich hoch ist«, erklärt das Bundesinstitut für Risikobewertung.

 

Obwohl der Rauch das Wasser passiert enthält er die gleichen gesundheitsschädlichen und Sucht auslösenden Substanzen Nikotin, Teer und Kohlenmonoxid wie der von Zigaretten. Außerdem wird laut WHO während einer Shisha-Sitzung so viel Rauch wie durch mindestens 100 Zigaretten inhaliert. Die Folge: Die Nikotinkonzentration im Blut ist durch das Rauchen von Shishas höher als nach dem Konsum von Zigaretten. Hinzu kommt, dass durch den gemeinsamen Gebrauch eines Mundstückes durch mehrere Freunde Infektionskrankheiten wie Tuberkulose leichter übertragen werden können. Außerdem ergaben die Messungen des Berliner Bezirksamtes in den Shisha-Lokalen so hohe Feinstaubwerte, wie sie sonst nur in stark mit Zigarettenrauch belasteten Diskotheken gefunden wurden. Eine weitere Gefahr ist nach Angaben der Geschäftsstelle der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, dass der aus dem Ausland importierte Tabak häufig verunreinigt ist oder die zulässigen Höchstwerte wie für Teer darin überschritten werden. Wegen dieser Gefahren sollen die Wasserpfeifen-Lokale vom kommenden Jahr an in mehreren Bundesländern auch unter die neuen Nichtraucherschutz-Gesetze fallen. Dann müssten viele Bars eventuell schließen. Ob die Jugendlichen dann weniger Wasserpfeife rauchen werden als zuvor, ist ungewiss. Immerhin gibt es die Pfeifen und den Tabak in zahlreichen Läden zu kaufen &#8211  und sie können zu Hause oder am lauen Sommerabend im Park geraucht werden.

Mehr von Avoxa