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Tätowierungen

Körperschmuck mit Risiken

12.08.2015
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Von Annette Mende / Tattoos in allen Farben und Formen erfreuen sich in Deutschland steigender Beliebtheit. Wer mit dem Gedanken spielt, sich eines zuzulegen, sollte sich vorher über mögliche Risiken informieren und das Tattoostudio mit Bedacht auswählen. Hohe Hygienestandards und die Zusammensetzung der Farben sind wichtige Kriterien.

Ein Anker als Symbol ewiger Liebe ließ sich in früheren Zeiten höchst selten und meist nur auf Seemanns-Oberarmen bewundern. Mittlerweile sind Tattoos in der Mitte der Gesellschaft angekommen: Rund jeder elfte Deutsche ab 16 Jahren trägt eines (9 Prozent), bei den 25- bis 34-Jährigen sind es sogar 22 Prozent, also mehr als jeder Fünfte. Das ergab im vergangenen Jahr eine repräsentative Befragung von 2000 Personen, die die Gesellschaft für Konsumforschung im Auftrag der Ruhr-Universität Bochum und verschiedener Tattoo- und Piercing-Verbände vorgenommen hatte.

 

Sozialstatus ohne Einfluss

 

Sozialstatus und Ausbildungsstand beeinflussen laut der Studie die Vorliebe für den gemalten Körperschmuck nicht. Ebenso wenig spielt das Bildungsniveau eine Rolle, wenn es darum geht, wie häufig Menschen die Entscheidung für ein Tattoo später wieder bereuen. Das ist der Studie zufolge bei 7 bis 17 Prozent aller Tätowierten der Fall.

 

Beim Tätowieren – abgeleitet vom tahitianischen Wort »tattau« für markieren – werden Farbpigmente mittels einer Nadel durch die Epidermis in die darunterliegende Dermis (Lederhaut) eingebracht. Dabei entstehen viele kleine Wunden, die Eintrittspforten für Erreger sein können. Um Infektionen zu vermeiden, gehören daher eine vorherige gründliche Desinfektion des betreffenden Hautareals sowie Einmalhandschuhe und Mundschutz für den Tätowierer zu den essenziellen Hygienemaßnahmen. Des Weiteren sollten sowohl das Arbeitsgerät als auch die verwendete Tätowierfarbe steril sein.

Da die Lederhaut von Kapillaren durchzogen ist, können beim Tätowieren übertragene Erreger auch ins Blut gelangen. Systemische Infektionen, etwa mit HIV, Hepatitis B oder C oder auch dem Syphillis-Erreger, sind möglich, so das Bundesinstitut für Risiko­bewertung (BfR). Die Infektionsgefahr ist bei immungeschwächten Personen oder bei Schwangeren besonders groß, weshalb sie eine Tätowierung nur nach ärztlicher Beratung in Erwägung ziehen sollten.

 

Wie es um die Hygiene in einem Tätowierstudio bestellt ist, kann der potenzielle Kunde meist nur schwer beurteilen. Es gibt kein unabhängiges Gütesiegel und nur wenige gesetzliche Auflagen. Für die Kontrolle der Hygiene sind laut Infektionsschutzgesetz die Bundesländer zuständig; sie überprüfen allerdings nur offiziell registrierte Studios. Das BfR empfiehlt daher, vor dem Stechen eines Tattoos mehrere Studios aufzusuchen und dabei besonders auf hygienische Bedingungen und Arbeitsweisen zu achten. Sogenannte Tattoo Conventions in Hallen oder unter freiem Himmel seien ebenso zu meiden wie Angebote von Tätowierungen zu niedrigen Preisen etwa auf Urlaubsreisen.

 

Strenge Hygieneregeln

 

Anforderungen an die Hygiene in Tattoostudios hat der Arbeitskreis Krankenhaus- und Praxishygiene der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften in einer Leitlinie formuliert (www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/029-024.html). Professionelle Tätowierer, die sich zu diesen Standards bekennen, sind in Dachverbänden wie Deutsche Organisierte Tätowierer oder United European Tattoo Artists organisiert. Mitglieder dieser Verbände sind auf den jeweiligen Internetseiten www.dot-ev.de und www.ueta.eu gelistet.

 

Neben dem gesundheitlichen Argument spricht auch ein finanzielles für eine sorgsame Auswahl des Tattoo­studios: Eventuelle Folgekosten muss der Tätowierte komplett selbst tragen. Die Krankenkassen sind nicht dazu verpflichtet, die Kosten für die Behandlung von Komplikationen oder die Entfernung eines Tattoos zu übernehmen.

Als häufigste nicht infektiöse Reaktionen nennt das BfR Allergien gegen eines der Farbpigmente oder gegen in der Farbe enthaltene Schwermetalle wie Chrom oder Nickel. Neben den Pigmenten bestehen Tätowiermittel aus einer Trägerflüssigkeit, die unter anderem Konservierungsmittel enthält. Deren lösliche Bestandteile werden vermutlich systemisch verfügbar, verstoffwechselt und ausgeschieden. Und auch die unlöslichen Pigmente verbleiben zu einem nennenswerten Anteil nicht an Ort und Stelle: Etwa ein Drittel der Substanz wandert aus dem Tattoo aus, beispielsweise ins Blut oder in Lymphknoten. Diese sogenannte Migration erfolgt sofort nach dem Tätowieren, aber auch noch längere Zeit danach.

 

Tätowierfarben müssen daher sowohl mikrobiologisch als auch toxikologisch unbedenklich sein. Es dürfen beispielsweise durch UV- oder Laserlicht (bei der Entfernung) keine toxischen Spaltprodukte entstehen. Aus diesem Grund sind in der seit 2009 geltenden Tätowiermittelverordnung bestimmte Inhaltsstoffe verboten. Dazu gehören etwa Azofarbstoffe, die bei Spaltung krebserregende aromatische Amine freisetzen. Dem BfR geht das nicht weit genug; es fordert zusätzlich eine Positivliste, in der nur diejenigen Farbmittel aufgeführt werden, die gesundheitlich unbedenklich sind. Diesen Nachweis müssten dann die Hersteller erbringen.

 

Nicht immer für die Ewigkeit

 

Was ist zu tun, wenn der Träger eines Tattoos dessen überdrüssig geworden ist und es wieder loswerden will? In diesem Fall bieten Hautarzt- oder auch spezialisierte Laserpraxen das Weglasern an. Dabei werden die Farbpigmente durch den Laserstrahl in kleine Partikel versprengt, die dann von der Lymphe abtransportiert werden. Wie gut sich ein Tattoo entfernen lässt, hängt dabei sowohl von der Größe als auch von Art und Menge der verwendeten Farbe ab. Als Faustregel gilt: Einfarbig schwarze Tattoos gehen am besten wieder weg, bunte, insbesondere rote oder grüne, machen mehr Probleme.

 

Möglich sind allergische Reaktionen, Farbumschläge, Hypo- oder Hyper­pigmentierungen und Texturveränderungen der Haut. Bei unbefriedigendem Ergebnis kann sogar eine Hauttransplantation notwendig werden – mit allen möglichen Komplikationen eines solchen Eingriffs. Dringend abgeraten wird von der Verwendung flüssiger Tattoo-Entferner, beispielsweise mit hoch konzentrierter Milchsäure.

 

Wie viel eine Tattoo-Entfernung kostet, ist vom Einzelfall abhängig; es können einige Hundert bis mehrere Tausend Euro sein. Unter anderem zur Vermeidung dieser Kosten sollte in jedem Fall das englische Sprichwort gelten: »Think before you ink.« /

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