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Grünes Rezept ist vielen Patienten nicht so wichtig

12.08.2015
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Von Stephanie Schersch / Auf Antrag übernehmen viele Krankenkassen die Kosten für OTC-Präparate, die Ärzte auf einem Grünen Rezept verordnen. Doch viele Patienten versuchen offenbar erst gar nicht, sich Geld von ihrer Kasse zurückzuholen. Das geht aus einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Yougov unter rund 1000 Personen hervor.

 

Sieben von zehn Deutschen sind demnach der Ansicht, dass ihre Krankenkasse die Kosten bei Vorlage eines Grünen Rezepts sowieso nicht übernimmt. Mehr als ein Drittel (37 Prozent) scheut zudem den Aufwand, die Verordnung einzureichen.

Das Grüne Rezept sehen viele Verbraucher (63 Prozent) vor allem als eine Art Merkhilfe für den Patienten. Drei Viertel betrachten es zudem als Unterstützung für den Apotheker, der aufgrund der Verordnung genau weiß, welches Arzneimittel der Arzt dem Patienten empfiehlt.

 

Den meisten ist das Grüne Rezept allerdings nicht besonders wichtig. 70 Prozent der Befragten gaben an, sich bei kleinen Beschwerden meist vom Apotheker beraten zu lassen und auf einen Besuch beim Arzt zu verzichten. Dass Patienten das Grüne Rezept nicht als besonders bedeutend einstufen, bestätigt Yougov zufolge eine weitere Umfrage unter rund 3100 Bürgern. Dabei sagten lediglich 6 Prozent, das Grüne Rezept sei für sie »von extrem wichtiger Bedeutung« beim Kauf eines OTC-Präparats. Damit rangiert die Verordnung auf dem vorletzten Platz der kaufentscheidenden Faktoren, gefolgt nur von der Aufmachung der Verpackung.

 

Seit Kurzem weist ein Schriftzug auf dem Grünen Rezept Patienten auf die mögliche Übernahme der Kosten für OTC-Präparate hin. Die große Merheit der Verbraucher (93 Prozent) hat von dieser Neuerung bislang allerdings nichts mitbekommen. Krankenkassen können seit 2012 rezeptfreie Arzneimittel freiwillig in ihren Leistungskatalog aufnehmen und erstatten. Nach Angaben des Deutschen Apothekerverbands machen derzeit etwa 70 von 123 Kassen von dieser Möglichkeit Gebrauch. Besonders häufig übernehmen sie die Kosten für pflanz­liche, homöopathische und anthroposophische Arzneimittel. /

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