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Beratung

Arnold fordert Honorar

13.08.2013  18:00 Uhr

Von Ev Tebroke / ABDA-Vizepräsident Mathias Arnold will weg von der rein packungsabhängigen Vergütung der Apotheker. Zukünftig sollen auch manche Beratungsleistungen wie etwa das Medikationsmanagement honoriert werden, um Apotheken in strukturschwachen Regionen zu stärken. Politik und Medien reagierten pikiert auf die Forderungen.

Um auch in Zukunft eine leistungsgerechte Vergütung der Apotheker garantieren zu können, muss nach Ansicht von ABDA-Vize Mathias Arnold das Berufsbild des Apothekers weiterentwickelt werden. In der Tageszeitung »Die Welt« beschrieb der stellvertretende Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände vergangene Woche einen notwendigen »Paradigmenwechsel für die Apotheker« und schlug eine »Neuausrichtung der Vergütung« vor.

Verstärkte Beraterfunktion

 

»Die Zukunft liegt für Apotheker vor allem in einer verstärkten Beraterfunktion und im Medikationsmanagement«, sagte Arnold der Zeitung. Um einem weiteren Apothekensterben insbesondere in strukturschwachen Regionen entgegenzuwirken, sei es notwendig, über neue Vergütungsmodelle nachzudenken. »Wir sollten in Zukunft auch Leistungen honorieren, die nicht direkt an die Packung geknüpft sind«, sagte der stellvertretende Verbandschef. Beispielsweise wäre es seiner Meinung nach möglich, einmal im Jahr ein ausführliches Medikationsgespräch mit dem Apotheker verpflichtend zu machen. Dies wäre bei Patienten denkbar, die über einen längeren Zeitraum mehrere Medikamente gleichzeitig einnehmen, die nicht alle vom Arzt verordnet sind. Dabei müsse es dann um Aufklärung über Wechselwirkungen und um individuelle Konzepte zur Flankierung der Therapie gehen, so Arnold. »Ein weiteres wesentliches Element wäre dabei eine neu strukturierte Form der Kooperation und Kommunikation mit den Ärzten«, so der ABDA-Vize.

 

Die Reaktionen auf den Vorstoß der Standesvertretung der Apotheker sind bislang weitgehend negativ. In einer Vorab-Meldung titelte die Nachrichtenagentur AFP »Apotheker wollen nun auch noch für Beratung Geld«. Und in einem Radio-Kommentar des Mitteldeutschen Rundfunks verurteilte der Sprecher den Vorschlag, einige Beratungen zukünftig kostenpflichtig zu machen, als »unverschämt«. Überhaupt, so der Kommentar, »das Gejammer der Apotheken-Lobby ist unerträglich«.

 

Neben den Medien machen auch die Ärzte Stimmung und kritisieren das geplante kostenpflichtige Medika­tionsmanagement. Die Tageszeitung »Lübecker Nachrichten« dokumentiert in ihrer Montagsausgabe unter dem Titel: »Apotheker wollen für ärztliche Beratung kassieren« die Entrüstung der Hausärzte und Kassen. »Die Beratung der Patienten ist originäre Aufgabe der Ärzte, insbesondere der Hausärzte«, sagte der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes Ulrich Weigeldt der Zeitung. Die Forderung Arnolds sei »durchsichtig«, der »finanzielle Aspekt läge im Vordergrund.

 

Kassen üben Kritik

 

Auch aus Sicht der Kassen ist der Vorstoß unangebracht. »Die Beratung von Patienten in Arzneimittelfragen ist verpflichtender Bestandteil der apothekerlichen Tätigkeit und gehört zum gesetzlichen Sicherstellungsauftrag«, sagte Armin Tank, Leiter des Verbandes der Ersatzkassen, Landesvertretung Schleswig-Holstein. Der Vorstoß diene lediglich dazu, eine neue Einnahmequelle zu generieren, dabei habe erst der Aufschlag für verschreibungspflichtige Arzneimittel um 25 Cent je Packung zu Jahresbeginn den Apotheken bundesweit etwa 300 Millionen Euro pro Jahr gebracht, heißt es in der Zeitung.

 

Genau deshalb hält auch Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) wenig von den Vorschlägen. »Das Packungshonorar, welches gerade erhöht wurde, dient schließlich der Anerkennung und Vergütung der Beratungsleistung«, heißt es aus dem BMG. Nach Angaben eines Sprechers sind andere packungs­unabhängige Honorarelemente wie beispielsweise die Vergütung von Betäubungsmitteln oder Sonderrezepturen derzeit kein Thema. Um ein immer komplexeres Vergütungssystem zu verhindern, sei aus Sicht des BMG eine regelmäßige Anpassung der Honorare sinnvoller. Ein neuer Honorarkatalog zur Vergütung von Gemeinwohlleistungen würde lediglich einer erneuten Diskussion über die Aufweichung des Fremd- und Mehrbesitzverbots Vorschub leisten, so der Sprecher. Denn das Verbot begründe sich ja gerade aus den Gemeinwohlpflichten.

 

Generell scheint für die Apotheker jedoch eine Neuausrichtung ihres Berufsbildes unabdingbar, um die Konsequenzen des demografischen Wandels und der strukturellen Veränderungen auf dem Land abzufedern. Einem Bericht von Deutsche Bank Research zufolge wird der zu erwartende Bevölkerungsrückgang »dämpfende Effekte» auf die Nachfrage nach Medikamenten haben. Auch dürfte sich die Situation der Landapotheken weiter verschlechtern, da zunehmend Menschen vom Land in die Ballungszentren ziehen. Aus Sicht der ABDA müssen die Apotheker rechtzeitig gegensteuern, bevor das Szenario zu düster wird. »Das ist ein Projekt über mehrere Jahre«, sagte Arnold der »Welt«. Auf dem Deutschen Apothekertag im September in Düsseldorf soll das Großprojekt auf den Weg gebracht werden. Dann werden die Delegierten über den geplanten Paradigmenwechsel abstimmen. /

Kommentar


Extra Beratung, extra Honorar

Die Beratung der Patienten zählt zu den Kernaufgaben der Apotheker. Bezahlt werden sie bislang nur über die Anzahl der abgegeben Packungen für Rx-Medikamente. Doch im Zuge des demografischen Wandels können sich insbesondere auf dem Land die Apotheken darüber kaum noch finanzieren. Es ist deshalb ganz klar, dass sich die Apotheker neue Wege erschließen müssen, um längerfristig auch in strukturschwachen Gebieten ihren Beruf attraktiv zu halten und weitere Apothekenschließungen zu verhindern. Der Vorschlag, zukünftig extra Beratungen, etwa zum Medikationsmanagement, kostenpflichtig machen zu wollen, stößt in der Politik und in der Öffentlichkeit aktuell auf kein Verständnis. Gerade im Vorfeld der Bundestagswahl ist bei Politikern auch nicht damit zu rechnen, dass sie eine erneute Honorar-Debatte mit den Apothekern führen wollen. Damit hat Arnold wahrscheinlich auch gar nicht gerechnet. Es ist ein Projekt über mehrere Jahre, sagt er. Um für den Paradigmenwechsel in der Politik Unterstützer zu finden, braucht es einen langen Atem und Fingerspitzengefühl. Letztlich zählen die Argumente: Wer extra Dienstleistungen bringt, muss dafür auch extra bezahlt werden.

 

Ev Tebroke
Redakteurin Politik & Wirtschaft

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