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Erfolgreiche Apothekenführung

Der Rahmen muss stimmen

22.04.2015  10:11 Uhr

Betriebswirtschaftliches Geschick ist zwar überlebenswichtig für jede Apotheke. Doch ebenso entscheidend sind die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Diese wurden beim PZ-Management-Kongress von mehreren Seiten beleuchtet.

Trotz der Honoraranpassung 2013 bleibt die finanzielle Lage der meisten Apotheken unbefriedigend. Diese Situation zu verbessern, ist ein zentrales Anliegen der Apotheker in diesem Jahr. Ein wesentlicher Punkt sei dabei ein höheres Honorar für die Abgabe von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln, sagte Eckart Bauer, ABDA-Abteilungsleiter Wirtschaft und Soziales. Die Arzneimittelpreisverordnung sei das zentrale Element der Honorierung. Dafür müsse allerdings zuerst der Berechnungsmodus der Anpassung geändert werden. Dieser biete derzeit keinerlei Anreiz für die Apotheker, mehr Leistungen zu erbringen.

 

Honorar auf den Prüfstand

 

Die ABDA will deshalb laut Bauer die Bundesregierung dazu motivieren, die jährliche Überprüfung des Rx-Honorars in § 78 des Arzneimittelgesetzes festzuschreiben. Bei den anderen Berufsgruppen im Gesundheitswesen gebe es zwar auch einen Abschlag bei einer Ausweitung der Leistungen, dieser liege aber abhängig vom Volumen zwischen 25 und 75 Prozent und nicht wie bei den Apothekern bei 100 Prozent.

 

Bauer sieht realistische Chancen, dass die Bundesregierung in einem für die Jahreswende geplanten Gesetz die von den Apothekern geforderte Honorarsteigerung umsetzt. Dies sei dringend notwendig, weil die Vergütung der Apotheker heute nicht mehr ausreicht, um deren Gemeinwohlpflichten zu finanzieren. Neben der Anpassung des Fixhonorars fordert die ABDA daher auch, die Vergütung von Rezepturen auf 8,35 Euro anzuheben, den Dokumentationsaufwand bei Betäubungsmitteln angemessen zu vergüten und den Apothekern ein Honorar für ihre Inkassoleistungen zu bezahlen.

 

Es liege aber auch bei jedem Apothekenleiter selbst, das eigene Einkommen zu verbessern, so Bauer. Dazu gehörten marktgerechte Preise für OTC-Arzneimittel. Wer diese zu Dumpingpreisen in der Apotheke verramsche, dürfe sich nicht über unzureichende Erlöse beklagen. Weitere Möglichkeiten, die Wirtschaftlichkeit der eigenen Apotheke zu verbessern, böten sich im Ergänzungssortiment und bei individuellen Dienstleistungen.

 

Zwar bestätigte der Europäische Gerichtshof im sogenannten Doc-Morris-Urteil 2009, dass es jedem EU-Mitgliedsstaat selbst vorbehalten sei, die ordnungsgemäße Gesundheitsversorgung seiner Bürger zu regeln. Das rechtfertige auch ein Fremd- und Mehrbesitzverbot bei den Apotheken. Auch die derzeitige Bundesregierung steht grundsätzlich hinter der inhabergeführten Apotheke. Doch derzeit gebe es starken Druck auf europäischer Ebene hin zu einer Liberalisierung, warnte Lutz Tisch, ABDA-Geschäftsführer für den Bereich Recht.

 

Liberalisierungsdruck

»Die Länder Frankreich, Spanien, Italien und Griechenland, die uns sonst immer beim Thema Fremd- und Mehrbesitzverbot zur Seite standen, stehen unter einem massiven Liberalisierungsdruck«, so Tisch. Und auch die deutschen Politiker könnten es sich vielleicht noch anders überlegen, wenn sie die Vorteile des Fremd- und Mehrbesitzverbots bei Apotheken gegenüber möglichen Vorteilen der europäisch-amerikanischen Freihandelsräume TTIP und Ceta abwägen müssen.

 

Laut Tisch gibt es gute Argumente dafür, die Arzneimittelversorgung so zu belassen wie sie ist: Die wohnortnahe Versorgung sei ziemlich resistent gegen Krisen. Weltweit operierende Unternehmen seien hier viel anfälliger, wie die Wirtschaftskrise seit 2009 gezeigt habe. Wichtig sei vor allem ein geschlossenes Auftreten der Apotheker. Diese sollten nicht nur an ihren eigenen Vorteil gegenüber lokalen Konkurrenten denken und dürften internationale Großkonzerne als eigentliche, vermeintlich noch weit entfernte Bedrohung nicht unterschätzen. »Versuchen Sie weiter zu denken als der Stein fliegt, der gerade geworfen wird«, sagte Tisch im Hinblick auf vermeintlich attraktive Preis- oder Vertriebsmodelle, die jedoch die bestehende Apothekenstruktur gefährdeten.

 

Nachwuchssorgen

 

Im Rahmen einer Diskussionsrunde beschäftigten sich die Teilnehmer des Kongresses auch mit dem Thema Nachwuchsgewinnung. Nicht nur die Bevölkerung habe ein Demografieproblem, sondern auch der Berufsstand, sagte Peter Froese, Vorsitzender des Apothekerverbands Schleswig-Holstein. Ein großer Teil der Apothekenleiter werde in absehbarer Zeit einen Nachfolger für seinen Betrieb benötigen. »Es ist von strategisch wichtiger Bedeutung für uns, Pharmaziestudenten nicht nur für die öffentliche Apotheke, sondern auch für die Selbstständigkeit zu begeistern«, so Froese.

 

Dies sei Aufgabe des gesamten Berufsstands, betonte auch ABDA-Vize Mathias Arnold. In der Diskussion stellte sich heraus, dass das Problem weniger darin liege, junge Menschen für ein Pharmaziestudium zu begeistern. Problematisch sei hingegen, dass die Arbeit in der öffentlichen Apotheke für Studenten häufig nicht attraktiv genug erscheint und sie eine Anstellung etwa in der Industrie vorziehen. »Wir müssen vermitteln, dass die Arbeit in der öffentlichen Apotheke spannend ist«, sagte Arnold.

 

Ähnlich äußerte sich ABDA-Geschäftsführer Tisch: Über Jahre habe der Berufsstand wegen der wirtschaftlichen und politischen Situation auch Ängste ausgestrahlt, die von den Studenten wahrgenommen wurden. Diese gelte es nun zu neutralisieren: »Demonstrieren Sie Freude an Ihrem Beruf«, sagte Tisch.

 

Die Kongressteilnehmer diskutierten auch darüber, wie weit sich Apotheken spezialisieren und differenzieren können. Während einige Apotheker für eine stärkere Differenzierung plädierten, etwa eine Spezialisierung auf Rezepturen, stand für die Vertreter der ABDA und die Mehrheit der Apotheker außer Frage, dass jede Apotheke Vollversorger im Sinne der Patienten sein müsse. Es sei nicht akzeptabel, wenn Apotheker wirtschaftlich weniger attraktive Dienstleistungen nicht mehr anböten, sondern diese Kollegen überlassen. Bei Rezepturen komme dies immer wieder vor, kritisierten Kongressteilnehmer. Tisch warnte davor, die Gemeinwohlpflichten zu vernachlässigen. Diese seien ein wesentlicher Grund für den regulatorischen Rahmen der Arzneimittelversorgung.

 

Weitgehend einig waren sich die Diskutanten, dass die Verletzung von Gemeinwohlpflichten, mangelhafte Qualität in der Arbeit und unzureichende Fortbildung in Zukunft sanktioniert werden sollten. Wer seinen Aufgaben als Apotheker nicht gewachsen sei, müsse dazu gebracht werden, seine Defizite abzustellen. Mit Fehlern schade er nicht nur sich selbst, sondern dem Ruf der gesamten Branche. /

»Apotheke 2030« – Eine Perspektive Wird Realität

Vergangenes Jahr haben die Apotheker das Perspektivpapier »Apotheke 2030« verabschiedet, nun folge der harte Weg, die darin formulierten Ziele umzusetzen, sagte Mathias Arnold, Vizepräsident der ABDA. Kernsatz des Leitbilds sei, dass der Apotheker der Fachmann für Arzneimittel ist, der nahe am Patienten arbeitet. Besonders die Nähe zum Patienten sei ein wichtiger Faktor in der immer stärker technisierten Gesellschaft, betonte Arnold.

 

Bei der Umsetzung der Ziele geht es vor allem um die Etablierung neuer und besserer Leistungen. Neben dem Medikationsmanagement nannte Arnold unter anderem die Verbesserung der Rezepturqualität und den Ausbau von Präventionsleistungen. Auch das heilberufliche Netzwerk müsse ausgebaut werden, sowohl in technischer Hinsicht, in Form der IT-Infrastruktur, als auch in menschlicher Hinsicht, in Form einer Akzeptanz der interprofessionellen Zusammenarbeit.

 

Um dem aktualisierten Berufsbild des Apothekers gerecht zu werden, sei es nötig, die Inhalte der Weiterbildung zu überprüfen und vor allem auch, die Ausbildungsordnung zu novellieren. Insgesamt sieht Arnold den Berufsstand für die Zukunft gut aufgestellt: »Wenn wir nahe am Patienten sind, sind wir nicht zu übersehen.«

Mehr über den Management­kongress auf Mallorca lesen Sie in der nächsten Ausgabe der PZ.

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