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Anwendungsbeobachtung

Phytosedativum bei Kindern effektiv

15.08.2006  10:44 Uhr

Anwendungsbeobachtung

Phytosedativum bei Kindern effektiv

Von Kerstin A. Gräfe, Turin

 

Pflanzliche Sedativa werden wegen ihres positiven Nutzen-Risiko-Profils häufig auch bei Kindern eingesetzt. Valide Daten dazu sind jedoch rar. Eine Anwendungsbeobachtung zur Dreierkombination aus Baldrianwurzel, Hopfenzapfen und Passionsblumenkraut kann nun mit Ergebnissen bei Kindern zwischen 3 und 12 Jahren aufwarten.

 

Ziel der Anwendungsbeobachtung war es, die Verträglichkeit, Wirksamkeit und altersgerechte Dosierung von Kytta-Sedativum® Dragees bei Unruhezuständen und nervös bedingten Einschlafstörungen zu ermitteln und zu bewerten. Pro Dragee sind 150 mg Trockenextrakt aus Baldrianwurzeln (Valeriana officinalis), 30 mg Trockenextrakt aus Hopfenzapfen (Humulus lupulus) und 80 mg Trockenextrakt aus Passionsblumenkraut (Passiflora incarnata) enthalten. Bei Unruhezuständen sollten Kinder ab drei Jahren ein- bis zweimal täglich ein Dragee bekommen. Bei nervös bedingten Einschlafstörungen lautet die Empfehlung ein Dragee vor dem Zubettgehen, bei Bedarf ein weiteres im Verlauf des Abends.

 

An der Untersuchung nahmen 172 Mädchen und 152 Jungen teil. Das durchschnittliche Alter betrug etwa sieben Jahre. Für 70 Kinder wurden »Unruhezustände«, für 152 weitere »nervös bedingte Einschlafstörungen« und beide Indikationen für 100 Kinder angegeben. Weitere Behandlungsgründe waren Angst, Stress oder Konzentrationsstörungen (33 Kinder).

 

Zur Beurteilung der Wirksamkeit wurde sowohl die Einschätzung der Ärzte als auch der Kinder beziehungsweise deren Eltern herangezogen. Sie dokumentierten zu Therapiebeginn und -ende die Intensität einiger typischer Symptome wie allgemeine Unruhe, Anspannungsgefühl, Nervosität, Reizbarkeit, Konzentrationsstörungen, Angstzustände, Niedergeschlagenheit, schnelle Überforderung bei Stress, Einschlafstörungen, Durchschlafstörungen, unruhiger Schlaf, Unausgeglichenheit, Tagesmüdigkeit und beeinträchtigter Allgemeinzustand. Die Verträglichkeit wurde anhand auftretender unerwünschter Wirkungen festgemacht. Zudem wurde bei der Abschlussvisite eine Bewertung der Akzeptanz und der Praktikabilität der Einnahme vorgenommen.

 

Schlafstörungen in Schach halten

 

Durchschnittlich wurden die Kinder drei Wochen lang behandelt (22,2 Tage). Alle von den Kindern/Eltern bewerteten Symptome verbesserten sich um 57 Prozent. Besonders deutlich wirkten sich die positiven Effekte auf die Schlafstörungen aus: Einschlafstörungen besserten sich bei 90,7 Prozent der Kinder, unruhiger Schlaf bei 88,1 Prozent und Durchschlafstörungen bei 84,9 Prozent. Dabei nahm die Intensität dieser Beschwerden im Durchschnitt um etwa zwei Drittel ab: Unruhiger Schlaf um 65 Prozent, Durchschlafstörungen um 63 Prozent und Einschlafstörungen um 60 Prozent.

 

Auch bei allen von den Ärzten bewerteten Symptomen wie Unruhe, Konzentrationsstörungen, Niedergeschlagenheit, auffällige Müdigkeit und beeinträchtigter Allgemeinzustand konnte eine deutliche Besserung festgestellt werden. Am stärksten ausgeprägt war hier der positive Effekt bei den Symptomen »auffällige Müdigkeit« (63 Prozent) und »beeinträchtigter Allgemeinzustand« (60 Prozent). In der abschließenden allgemeinen Bewertung der Wirksamkeit urteilten die Ärzte bei 271 der Kinder (83,7 Prozent) mit »sehr gut« oder »gut«, was mit dem Urteil der Kinder/Eltern übereinstimmte (79,3 Prozent).

 

Eine spürbare Wirkung trat bei 83 Kindern (25,6 Prozent) innerhalb von 1 bis 3 Tagen ein, bei 116 (35,8 Prozent) innerhalb von 4 bis 7 Tagen und bei 95 (29,3 Prozent) innerhalb von 8 bis 14 Tagen. Eine Dauer von mehr als 14 Tagen wurde für 14 Kinder (4,3 Prozent) angegeben, bei 16 Kindern (4,9 Prozent) trat keine Wirkung ein. Prinzipiell ist die Anwendungsdauer nicht begrenzt. Sollten die Beschwerden jedoch länger als zwei Wochen anhalten oder sich verschlimmern, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

 

Knapp die Hälfte der Eltern (48,1 Prozent) bewerteten die Akzeptanz/Praktikabilität der Therapie als »sehr gut«, weitere 45,7 Prozent als »gut«. Bei keinem Kind traten im Verlauf der Anwendungsbeobachtung unerwünschte Wirkungen auf. Ärzte und Kinder/Eltern bewerteten die Verträglichkeit vergleichbar. In 63,9 Prozent vergaben die Ärzte das Urteil »sehr gut«, in 33 Prozent »gut«. Kinder und Eltern befanden die Verträglichkeit in 65,1 Prozent als »sehr gut« und in 29,9 Prozent als »gut«. In keinem Fall wurde die Verträglichkeit als »schlecht« bewertet.

Passiflora

Bereits 1630 wurde die Passiflora nach Europa gebracht. Die Spanier nannten sie »Flor de Pasión de nuestro Señor«, »Blume der Leiden unseres Herrn Jesus Christus« oder kurz »Flor de Pasión« (Passionsblume), denn man glaubte in der Blüte die Insignien der Passion Christi zu erkennen: Die drei Griffel werden mit den drei Nägeln verknüpft, mit denen Jesus gekreuzigt worden ist, die fünf Staubbeutel sollen die fünf Wundmale darstellen, der Fruchtknoten gilt als Sinnbild für den Kelch des letzten Abendmahls und der Strahlenkranz als Dornenkrone. Zehn Blütenblätter für die Apostel, die bei der Kreuzigung anwesend waren und auf der Rückseite die drei Deckblätter, die für die Dreifaltigkeit stehen.

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