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Koordinatensystem der Hautzellen

14.08.2006  13:10 Uhr

Koordinatensystem der Hautzellen

Von Christina Hohmann

 

Woher wissen Hautzellen, an welcher Körperstelle sie sich befinden und welche Aufgaben sie zu erfüllen haben? Sie haben anscheinend ein Koordinatensystem in den Genen, wie US-amerikanische Forscher nun herausfanden.

 

Zellen der Kopfhaut bilden lange Haare, andere Wimpern oder Schweißdrüsen und wieder andere die Hautrillen des Fingerabdrucks. Bisher war es ein Rätsel, woher ausdifferenzierte Hautzellen ihre Position im Körper und die damit verbundenen Funktionen kennen. Bislang gab es zwei Erklärungsansätze: Nachbarzellen könnten die neu hinzugekommenen Zellen über deren Position informieren. Oder die Hautzellen könnten ein internes Koordinationssystem besitzen.

 

Diese zweite These stützen die Ergebnisse von Forschern um John Rinn von der Stanford School of Medicine in Kalifornien. Die Wissenschaftler analysierten die Expressionsmuster von adulten Fibroblasten aus mehr als 40 Regionen des Körpers. Dabei fanden sie etwa 400 Gene, deren Aktivität sich je nach ihrer Position unterschied. So wiesen Hautzellen der oberen Körperhälfte ein spezielles Expressionsmuster auf, Zellen der unteren Hälfte ein anderes, berichten die Forscher im Fachmagazin »Public Library of Science - Genetics« (Band 2, Seite e119) . Eine andere Gengruppe bestimmt, ob die Zellen dem Körperzentrum zu- oder abgewandt sind, und eine weitere Genfraktion legt fest, ob die Zellen in äußeren oder inneren Hautschichten liegen.

 

So entsteht ein Code, der ähnlich wie beim Global-positioning-System (GPS) in Fahrzeugen die Position anhand von drei Koordinaten (Breitengrad, Längengrad, Höhe) definiert. Allerdings ist dieser Dreifachcode der Zellen zu grob, um als einziges Positionierungssystem zu dienen, meinen die Forscher. Sie wollen jetzt nach spezifischeren Positionskennzeichen suchen. Die neuen Erkenntnisse könnten in der Transplantationsmedizin hilfreich sein. Die Forscher hoffen, mit Hilfe des Codes maßgeschneiderte Hauttransplantate zum Beispiel für Verbrennungsopfer herstellen zu können.

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