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Däinghaus will ins Generikageschäft

15.08.2006
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Däinghaus will ins Generikageschäft

Von Thomas Bellartz

 

Die Ankündigung kam nicht überraschend, ihre Wirkung dürfte sie nicht verfehlen. Ralf Däinghaus, Geschäftsführer von DocMorris, greift nun auch die Generikahersteller frontal an. Er wolle eine eigene Generikalinie auf den Markt bringen. Auf dem Weg zur Vertikalisierung dürfte der Gegenwind rauer werden.

 

Dem Chef des niederländischen Unternehmens wird gerne nachgesagt, er sei intelligent, smart und für jede Überraschung zu haben. Und so plauderte der Liebling der deutschen Wirtschaftspresse einmal mehr munter drauflos. Während sich Saarlands Minister Josef Hecken (CDU) die Unterstützung der Kanzlerin zurechtzimmerte, kündigte Däinghaus eine eigene Generikalinie an. Das kommt nicht überraschend, denn nicht wenige Branchenbeobachter gehen davon aus, dass Däinghaus den Coup in Saarbrücken nur aus zwei wesentlichen Beweggründen gemacht haben wird: Zum einen besorgt er dem Nischenbetrieb eine neue, ungeahnte PR- und damit Kundenwelle. Zum anderen bereitet er den Weg für Markenbildung und Börsenauftritt. Der Hinweis, Generika produzieren zu wollen, kommt allerdings weniger gut an als erhofft. Gegenüber der PZ ließ der Analyst einer Großbank wissen, Däinghaus drohe sich zu verzetteln, weiche auf Gebiete aus, die nicht zu seinen Kernkompetenzen zählen.

 

Und auch bei den großen deutschen Generikaherstellern beobachtet man aufmerksam, was im Saarland geschieht. Denn nur einen Steinwurf von Däinghaus entfernt bewegt sich mit Assist Pharma unter der Führung von Edwin Kohl ein Unternehmen, das nach Generika lechzt, um seine industrielle Verblisterung voranzutreiben - einzig die Unterstützung der Hersteller fehlt. Diese Lücke könnte mit der Marke DocMorris geschlossen werden. Bei den Herstellern jedenfalls wird das Modell eifrig diskutiert. Man gibt sich zurzeit noch zurückhaltend: »Mal sehen, was der wirklich vorhat.«

Kommentar: Mit Macht zur Markenbildung

Er will keine Kette, nur schauen, wie die Kunden reagieren, wie das mit dem Sortiment funktioniert und überhaupt - er will nur eine Apotheke betreiben und ein Lager eröffnen. Mehr will Ralf Däinghaus nicht. Sagt er.

 

Mag sein, dass Däinghaus genau das will. Aber das wird nicht alles sein. Seine Aussage, er könne sich noch eine ganze Reihe anderer Betätigungsfelder vorstellen, beispielsweise in den Segmenten Generika und Kuren, verdeutlicht, dass der Tausendsassa eher auf dem Weg als am Ziel ist. Das mag typisch für ihn sein. Eine Basis für den Börsengang ist das nicht. Denn Däinghaus hat viele selbst gesteckte Ziele nicht erreicht. Darüber berichtet wird freilich nicht. Stattdessen will er darüber berichten, dass er bald DocMorris-Medikamente an Mann und Frau bringt.

 

Däinghaus will den Wert seiner Marke steigern. Die Frage stellt sich, was in einem sensiblen Markt geht und was nicht. Werden DocMorris-Kunden, von Krankenkassen zum Bezug angestiftet, demnächst die zunächst unverdächtigen DocMorris-Produkte kaufen und schlucken; weil die angeblich so billig sind? Wird die Vertikalisierung des Marktes zunächst schnell und wenig heimlich über den in Deutschland gelandeten Versender laufen, der über seinen eigenen Großhandel und seine eigene Internetapotheke seine eigenen Arzneimittel verhökert?

 

Und nicht zuletzt: Wie funktioniert die Achse zwischen der saarländischen Landesregierung, Däinghaus und den Verblisterern von Assist?

 

Thomas Bellartz

Leiter der Hauptstadtredaktion

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