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Digitalisierung

»Partnerschaften werden wichtiger«

07.08.2018
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Von Daniel Rücker, Frankfurt am Main / Die öffentliche Apotheke steht unter Druck. Auslöser sind Konzerne wie Amazon oder Doc Morris. Der Wort & Bild Verlag will gemeinsam mit Marktpartnern eine digitale Plattform für Apotheken aufbauen. Ziel ist es, neue Angebote für Apotheker und deren Kunden zu kreieren. Geschäftsführer Andreas Arntzen lädt Marktpartner ein, sich an dem Projekt zu beteiligen, um so die Apotheken zu stärken.

PZ: Sie planen eine digitale Plattform für Apotheken. Für einen Verlag ist das eher ungewöhnlich. Was hat Sie dazu bewegt, Ihr Kerngeschäft auszuweiten?

Arntzen: Der Ansatz ist nicht so abwegig. Im Grundsatz tun wir das, was wir immer tun: Wir versuchen, partnerschaftlich Herausforderungen der Apotheker zu erkennen, und suchen nach Lösungen. Die Apothekenkunden fragen zunehmend nach digitalisierten Varianten klassischer Services und Dienstleistungen. Im Gesundheitsbereich wartet dieses aus nahezu allen Branchen bekannte Kundenbedürfnis noch auf eine attraktive Lösung. Neben dem gelernten Apothekenbesuch wünschen sich Kunden, auch von zu Hause, aus dem Büro oder von unterwegs Präparate vorzubestellen oder geliefert zu bekommen. Wenn der Apotheker in Zukunft neue, digitale Geschäftsfelder besetzen will, muss er sich auch mit digitalen Lösungen für den Endverbraucher beschäftigen und mit eigenen Stärken kombinieren.

 

Erfolgreich wird der Apotheker nur dann sein, wenn diese digitalen Angebote wirklich attraktiv sind. Die Vision einer gemeinsamen digitalen Plattform kann aus unserer Sicht – und diese Ansicht teilen sehr viele am Markt – diesen Herausforderungen am ehesten gerecht werden. Funktionieren wird dies allerdings nur dann, wenn sie bundesweit angenommen wird. Deshalb wollen wir mit den Apotheken zusammen die Plattform aufsetzen, damit sie eine Chance hat, sich gegen internationale Player durchzusetzen. Wir sind davon überzeugt, dass Insellösungen keinen Erfolg gegen Amazon und Co. haben werden. Wir müssen also Egoismen beiseitelegen und gemeinsam ein attraktives Angebot aufbauen.

 

PZ: Voraussetzung für Ihr Konzept ist dann, dass sich möglichst viele Apotheker daran beteiligen?

 

Arntzen: Das auch. Entscheidend wird zusätzlich sein, dass wir die beste Plattform für Endverbraucher kreieren. Dazu gehört auch, dass es eine bundesweite Abdeckung gibt. Dafür werden wir viele Partner, auch wichtige strategische, benötigen.

 

PZ: Wen haben Sie im Blick?

 

Arntzen: Dienstleister, Pharmagroßhändler, IT-Unternehmen, Softwarehäuser und möglicherweise auch Hersteller, wenn sie ein nachhaltiges Interesse am Überleben der Apotheke vor Ort haben. Diese Player müssen wir davon überzeugen, dass wir dafür eine einheitliche Plattformlösung brauchen. Diese Plattform muss eine Unterstützung sein, über attraktive Angebote die Beziehung zu den Kunden zu stärken.

 

PZ: Gibt es denn schon Interessenten, die sich beteiligen wollen?

 

Arntzen: Ja, es gibt bereits mehrere Marktteilnehmer, die uns angesprochen haben und nicht nur die Ansicht teilen, sondern auch aktiv mitmachen wollen. Wir können Einstellung, Erfahrung, Inhalte und Reichweite dazu beisteuern, aber das sind nur einige der notwendigen Puzzleteile, die es für ein perfektes Gesamtbild braucht.

 

PZ: Wie viele Apotheker müssten Sie für Ihre Plattform gewinnen, damit es ein Erfolg werden kann?

 

Arntzen: Erneut – es geht nicht um unsere Plattform. Es geht um einen Ansatz, der eine Chance für alle diejenigen sein kann, die am Erhalt und dem Erfolg der Apotheke vor Ort interessiert sind. Wir werden disruptive Prozesse nicht aufhalten können, aber wir können sie gemeinsam aktiv gestalten. Wir haben 25 Jahre digitalen Einfluss auf klassische Branchen hinter uns. Das sollte ausreichen, um zu erkennen, was andere gut oder schlecht gemacht haben. Davon kann und sollte man lernen und die für die Apotheke richtigen Erkenntnisse erlangen. Wichtig ist doch, dass wir den Wettbewerbsgedanken beiseiteschieben. Das gilt auch gleichermaßen für Ihr und unser Haus und eigentlich für alle.

 

PZ: Sie arbeiten schon einige Zeit an diesem Konzept. Gibt es einen Grund, warum Sie jetzt in die Öffentlichkeit gehen?

 

Arntzen: Wir arbeiten seit 2017 an dem Konzept. Unsere Philosophie ist, wir machen keinen Alleingang. Wir sind offen für jeden, der diese Sichtweise und Haltung teilt. Wir leben in einer Zeit, in der Partnerschaften immer wichtiger werden. Nehmen Sie nur BMW und Mercedes, die ihre Car-Sharing-Konzepte zusammenlegen. Wer hätte das vor ein paar Jahren für möglich gehalten?

 

PZ: Sie kommen immer wieder auf Amazon zu sprechen. Sehen Sie darin die größte Gefahr für die öffentliche Apotheke?

 

Arntzen: Amazon betitelt seinen Einstieg in den Gesundheitsmarkt mit »1492«. Ich bin mir aber sicher, dass Sie im Gegensatz zu Kolumbus genau wissen, wohin sie steuern. Deshalb sollte man sie ernst nehmen, aber zugleich an die eigenen Stärken glauben und Initiativen ergreifen. Wir haben jetzt eine historische Chance. /

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