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Mandel-OP

Eltern unterschätzen Schmerzen ihrer Kinder

07.08.2018
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Von Daniela Hüttemann / Nach einer Mandeloperation leiden Kinder häufig mehrere Tage unter starken Schmerzen. Eltern unterschätzen dabei häufig den Schmerzmittelbedarf ihrer Kinder – die kleinen Patienten bekommen in der Folge zu schwache Analgetika und leiden unnötig. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Katholischen Klinikum Bochum im Fachjournal »LRO Laryngo-Rhino-Otologie« (DOI: 10.1055/a-0596-7675).

 

Im Rahmen einer Studie wurden Kinder im Alter von zwei bis zwölf Jahren nach einer Mandel-OP dreimal ­täglich von einem Schmerzdienst ­besucht. Dieser erfasste die Schmerzen der Kinder je nach Alter mit der »Kind­lichen Unbehagens- und Schmerz­skala« (KUSS) oder der »Faces Pain Scale – Revised« (FPS-R).

Denn Kinder weinen nicht nur bei Schmerzen, sie verziehen auch das Gesicht, strampeln mit den Beinen, krümmen den Rumpf oder zeigen körperliche Unruhe, was die KUSS-Methode berücksichtigt. Ältere Kinder können auf eines von sechs Gesichtern der FPS-R-Skala zeigen, um selbst ihre Schmerzen einzustufen.

 

Zudem sollten die Eltern den Frage­bogen »Parents Postoperative Pain Measure« (PPPM) ausfüllen. Dabei erfassen 15 Ja-Nein-Fragen Verhaltensänderungen des Kindes und nonverbale Hinweise. Erst dort zeigte sich, dass die Schmerzen der Kinder wohl heftiger waren, als ursprünglich von den Eltern geschätzt, berichten die Forscher.

 

In Deutschland werden bei rund 100 000 Kindern pro Jahr die Mandeln entfernt. Der operierende Arzt verordnet dann in der Regel zunächst ein Nicht-Opioid-Analgetikum wie Par­acet­amol, Ibuprofen oder Diclo­fenac. In der Studie erhielten die Kinder zusätzlich das Opioid Piritramid, wenn die Schmerzen mit den herkömmlichen Analgetika in den zugelassenen Dosierungen nicht beherrschbar waren. Dies entschieden die Ärzte bei 212 von 854 Visiten. »In 121 Fällen hatten die Angaben der Eltern im PPPM-Fragebogen den Ausschlag gegeben, obwohl die Eltern zuvor der Ansicht waren, dass ihre Kinder nicht unter starken Schmerzen litten«, berichten die Forscher. Auch die parallel erhobenen Werte nach KUSS oder FPS-R hätten keinen zusätzlichen Schmerzmittelbedarf angezeigt.

 

Aufgrund dieser Erkenntnisse gehen die Forscher davon aus, dass der Einsatz des Elternfragebogens PPPM, der in ­Kanada entwickelt wurde und in Deutschland bislang kaum verwendet wird, die postoperative Schmerztherapie bei Kindern deutlich verbessern kann.  /

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