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Apotheken-Betriebsergebnisse

Große florieren, Kleine schwächeln

09.08.2017  09:45 Uhr
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Von Anna Pannen / Wie rentabel eine Offizin in Deutschland ist, hängt sehr stark von ihrem Standort ab. Das hat ein Gutachten zu Betriebsergebnissen von Apotheken ergeben. Die Grünen verlangen deshalb, gut verdienende Apotheker sollten Geld an Kollegen in schlechten Lagen abgeben.

Mit einer Apotheke kann man gut verdienen – wenn sie sich denn in guter Lage befindet. Liegt sie dagegen auf dem Land, lohnt sich der Betrieb oft kaum. Das ist eines der Ergebnisse eines Gutachtens, das der Deutsche Apotheker-Verlag und die Apotheker­genossenschaft Noweda in Auftrag gegeben haben. Offiziell wird die Studie erst Ende des Monats veröffentlicht. Das »Handelsblatt« berichtete vergangene Woche jedoch schon über einzelne Passagen. Demnach sind die Unterschiede in der Höhe des Gewinns, den einzelne Apotheken erzielen, hierzulande enorm.

 

Während es fast der Hälfte (48 Prozent) der deutschen Offizinen gut geht, da sie ein jährliches Betriebsergebnis von mehr als 149 000 Euro erwirtschaften, kommen knapp zehn Prozent kaum noch über die Runden. Das Betriebsergebnis dieser Apotheken unterschreitet 66 000 Euro im Jahr. Damit seien sie nicht mehr rentabel zu führen, heißt es im Gutachten. Sobald der Gewinn vor Steuern 62 000 Euro unterschreite, sei die Apotheke kaum zu halten.

 

Laut zitiertem Gutachten besteht diese Gefahr vor allem für die 1700 Apotheken, deren Besitzer nur eine einzige Apotheke führen und die so ländlich liegen, dass es im Umkreis von fünf Kilometern keine weiteren Apotheken gibt. 760 dieser Offizinen lägen unter der beschriebenen Gewinn-Schwelle, heißt es.

 

Die Grünen-Gesundheitsexpertin Kordula Schulz-Asche reagierte bereits auf die Zahlen. Ihr zufolge ist nicht die Konkurrenz aus dem Internet Grund für die schlechte finanzielle Situation der Landapotheken – diese These sei lediglich ein Ablenkungsmanöver der Großverdiener unter den Pharmazeuten. Tatsächlich sei die Misere das Ergebnis ungerechter Verteilung innerhalb des Berufsstands. »Wir haben offensichtlich ein massives Verteilungsproblem der Einkommen zwischen guten und schlechten Lagen sowie großen und kleinen Apotheken«, so Schulz-Asche.

 

Die Bezahlung der Pharmazeuten nach abgegebenen Packungen sei Quatsch, so die Politikerin. Sie verstärke nur die Schere zwischen armen und reichen Apothekern. Schulz-Asche schlägt deshalb vor, gut verdienende Apotheker sollten ihre Kollegen in weniger guten Lagen finanziell unterstützen. Kleine, versorgungsrelevante Apotheken sollten einen Sicherstellungszuschlag von der besser verdienenden Konkurrenz bekommen, so die Politikerin. »Die Zahlen zeigen, dass dafür genug Geld da ist.«

 

Schulz-Asche kritisierte, dass eine solche Umverteilung bisher nicht stattfindet, sondern alle Apotheker infolge des Arzneimittel-Versorgungsstärkungsgesetzes nun »per Gießkannensystem« mehr Honorar bekommen. Angesichts der vielen gut verdienenden Betriebe sei das schon fast eine Veruntreuung von Versichertengeldern, erklärte sie. /

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