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Morbus Parkinson

Bessere Motorik dank Diabetes-Spritze

09.08.2017  09:45 Uhr

Von Daniela Hüttemann / Die wöchentliche Injektion des Antidiabetikums Exenatid kann die Symptome von Parkinson-Patienten verbessern. Zudem greift das Inkretin-Mimetikum womöglich in das zugrundeliegende Krankheitsgeschehen ein – im Gegensatz zu herkömm­lichen Parkinson-Medikamenten, die das gestörte Dopamin-Acetylcholin-Gleichgewicht korrigieren sollen.

 

Das Potenzial des GLP-1-Rezeptoragonisten belegt eine im Fachjournal »The Lancet« veröffentlichte Studie (DOI: 10.1016/S0140-6736(17)31585-4). Darin ­injizierten sich 60 Patienten mit moderatem Morbus Parkinson einmal wöchentlich 2 mg Exenatid über 48 Wochen oder Placebo. 

Zusätzlich nahmen sie ihre reguläre Parkinson-Medikation ein, deren Wirkung bei den Patienten allerdings ­bereits nachließ. Am Ende des Behandlungszeitraums verfügten die Probanden der Exenatid-Gruppe über bessere motorische Funktionen als die Vergleichsgruppe. Die Motorik hatte sich sogar leicht gebessert im Vergleich zum Studien­beginn, während sie sich in der Placebo-Gruppe verschlechtert hatte. Der Effekt hielt auch zwölf Wochen nach Ende der Studie an. Der Unterschied war statistisch signifikant und betrug vier Punkte auf einer 132 Punkte-Skala zur Einschätzung von Parkinson-Symptomen wie Zittern, Beweglichkeit und Sprache.

 

Die Forscher um Professor Dr. Tom Foltynie vom National Hospital for Neurology and Neurosurgery in London vermuten, dass Exenatid dopaminerge Neuronen im Gehirn schützt. Der Wirkstoff wird bei Typ-2-Diabetes eingesetzt, weil er in der Bauchspeicheldrüse über GLP-1-Rezeptoren die Ausschüttung von Insulin stimuliert. GLP-1-Rezeptoren finden sich auch im Gehirn. Eine Aktivierung verbessere die Funktion dopa­minerger Verbindungen, wirke anti­inflammatorisch, verbessere den Energiehaushalt und aktiviere Signale für das Überleben der Zelle, heißt es in einer Pressemitteilung der Universität.

 

Das Ergebnis dieser ersten randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studie rechtfertigt weitere Prüfungen von Exenatid bei Parkinson-Patienten, doch bis mehr über die Sicherheit der Anwendung bekannt ist, sollten Ärzte und Patienten das Peptid nicht zur regulären Parkinson-Therapie hinzufügen, warnt Dr. Brian Fiske, Seniorvizepräsident der Forschungsprogramme der Michael-J.-Fox-Stiftung, die die Studie finanziert hat. Die Arbeitsgruppe will nun genauer untersuchen, ob Exena­tid tatsächlich das Krankheitsgeschehen bei Parkinson modulieren kann.

 

Lassen sich die positiven Ergebnisse bestätigen, wäre auch zu prüfen, ob es sich um einen Klasseneffekt handelt. Gut möglich, dass andere Inkretin-­Mimetika wie Liraglutid, Lixisenatid, Dulaglutid und Albiglutid dann auch einen Nutzen bei Parkinson-Patienten erzielen können. /

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