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Apotheken

Prävention oft nicht kostendeckend

06.08.2013
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Von Karin Schmiedel und Helmut Schlager, WIPIG, München / Viele Apotheken führen regelmäßig Aktionstage oder Gesundheitswochen durch. Dabei stehen oft Themen aus dem Bereich Prävention und Gesundheitsförderung im Mittelpunkt. Solche Leistungen sollten zukünftig ausreichend vergütet werden. Der Leika-Katalog bietet dabei Unterstützung.

Von der Bevölkerung werden solche Angebote gerne angenommen, auch weil die Apotheke eine beliebte, niederschwellig zu erreichende Anlaufstelle ist. Mit der am 12. Juni 2012 in Kraft getretenen Änderung der Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO) wurde die Beratung in Gesundheits- und Ernährungsfragen, im Bereich Gesundheitserziehung und -aufklärung, zu Vorsorgemaßnahmen sowie die Durchführung einfacher Gesundheitstests vom Gesetzgeber als apothekenübliche Dienstleistung definiert. Damit wurde die rechtliche Grundlage geschaffen für bundesweit von der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) grundsätzlich anzuerkennende Leistungen. Diese sollten künftig auch auf einer angemessenen betriebswirtschaftlichen Basis honoriert werden.

Als Basis für ein künftiges systematisches Präventionsengagement kann die vom Wissenschaftlichen Institut für Prävention im Gesundheitswesen (WIPIG) durchgeführte Bestands- und Bedarfsanalyse der Präven­tionsaktivitäten von Apotheken herange­zo­gen werden, die im »International Journal of Clinical Pharmacy« veröffentlicht wurde (doi: 10.1007/S 11096-012-9722-3. Mit ihr ist erstmals eine umfassende Übersicht über Präventionsaktivitäten in und aus der Apotheke geschaffen worden. Zudem wurde im Rahmen der Untersuchung der Bedarf an entsprechenden Angeboten in der Bevöl­ke­rung ermittelt. Erstmalig wurden auch die anfallenden Kosten dieser Akti­vitäten den tatsächlich erhobenen Gebühren für die Präventionsdienstleistungen gegenübergestellt.

 

Gegenstand der Untersuchung war unter anderem, inwiefern derartige Leistungen auch ohne Vergütung durch die Krankenkassen in den Apotheken kostendeckend angeboten werden. Hier verdeutlichte die 2010 durchgeführte Befragung von über 500 Apotheken, dass dies bei vielen Präventionsdienstleistungen nicht der Fall war. So betrug etwa der mittlere Preis für eine Blutdruckmessung nur 50 Cent.

 

Um zu untersuchen, welche Kosten bei der Durchführung einer Blutdruckmessung entstehen, wurden die Apotheker nach dem erforderlichen Zeitaufwand gefragt. Anhand der Rückmeldung – im Mittel waren es 5 Minuten für eine Blutdruckmessung – wurden dann die tatsächlichen Personalkosten berechnet. Um diesen Betrag zu ermitteln, erhielten die Apotheken mit dem »Leistungskatalog der Beratungs- und Serviceangebote in Apotheken« (LeiKa) 2010 ein Hilfsmittel zur Kostenermittlung, das unter anderem auch zahlreiche Präventions­dienst­leistungen vorstellt.

 

Im Folgenden wird die Berechnung mit den im LeiKa als Beispiel verwendeten Werten für eine Vollkostenkalkulation durchgeführt. Um die Personalkosten zu ermitteln, wurde ein Apotheker im 7. Berufsjahr, welcher in Vollzeit tätig ist und nach Tarifvertrag entlohnt wird, zugrunde gelegt. Nicht vergessen darf man zudem die Lohnnebenkosten des Arbeitgebers. Für 5 Minuten Blutdruckmessung entstehen für den Beispielapotheker 2,21 Euro an Personalkosten. Für die Vollkostenkalkulation sind jedoch auch die betriebswirtschaftlichen Kosten wie Strom, Telefon, und Heizung zu berücksichtigen.

 

Materialkosten bedenken

 

Geht man – wie im Beispiel des LeiKa – von 66,61 Euro betriebswirtschaftlichen Kosten pro Öffnungsstunde aus, sind daher 5,55 Euro hinzuzurechnen. Des Weiteren sollte man auch bei der Blutdruckmessung die Materialkosten bedenken: für die Anschaffung des Blutdruck­mess­gerätes sowie für die messtechnische Überprüfung, welche alle zwei Jahre fällig wird. Auch der Aufwand für Informationsmaterial ist in die Kalkulation einzubeziehen. So empfiehlt es sich, den gemessenen Wert auf dem »Informationsbogen Blutdruckcheck« von ABDA und Deutscher Hochdruckliga zu dokumentieren. Dem Kunden kann anhand des Informationsbogens unmittelbar die Einordnung seines Blutdruckwertes in »optimal«, »Überprüfung notwendig« beziehungsweise »Arztverweis« erläutert werden. Für die Materialkosten können somit circa 50 Cent veranschlagt werden. Schließlich ist zu bedenken, dass man laut SOP »Blutdruck­messung in der Apotheke« mindestens zwei Geräte zur Blutdruckmessung bereithalten und auch über verschiedene Manschettengrößen verfügen sollte. Insgesamt ergibt sich mit dieser Beispielsrechnung ein Aufwand in Höhe von 8,26Euro für eine Blutdruck­messung. Dem steht der in vielen Apotheken übliche Preis von lediglich 50Cent gegenüber.

 

Die Analyse hat jedoch nicht nur für Blutdruckmessungen ergeben, dass diese für eine typische Apotheke nicht kostendeckend angeboten werden. Aus der obigen Tabelle wird ersichtlich, dass die Kosten den Preis, welcher von den Kunden erhoben wird, meist um ein Vielfaches übersteigen.

 

Die beispielhaft für Vorträge errechneten Werte können als Orientierungsgröße für entsprechende Gespräche mit geeigneten Auftraggebern herangezogen werden. Auch hier kann in Abhängigkeit von den Personalkosten sowie der betriebswirtschaftlichen Auswertung der eigenen Apotheke, der Aufwand individuell mehr oder weniger stark von der Beispielkalkulation abweichen und sollte daher von jeder Apotheke selbst berechnet werden.

Tabelle: Beispielkalkulationen

Mittlerer Preis pro Kunde Beispielkalkulation der Vollkosten für eine typische Apotheke nach LeiKa (gerundet)* Zeitaufwand (Median)
Blutdruckmessung 50 Cent 8 Euro 5 Minuten
Blutzuckermessung 2 Euro 13 Euro 7,5 Minuten
Gesamtcholesterinmessung 3 Euro 19 Euro 10 Minuten
Vortrag des eigenen Apothekenpersonals – selbst erstellt 0 Euro 465 Euro 300 Minuten
Vortrag des eigenen Apothekenpersonals – übernommen (beispielsweise von WIPIG, ABDA) 0 Euro 279 Euro 180 Minuten
Individuelle Präventionsberatung (1 Stunde) 30 Euro 93 Euro 60 Minuten

*) ohne Gewinnaufschlag

 

Mehr Transparenz bei Kosten ärztlicher Leistungen

 

In der Apothekenpraxis ist es meist schwierig, kostendeckende Gebühren von den Kunden zu erheben. So empfinden viele gesetzlich Krankenversicherte ärztliche Leistungen als kostenlos und sind daher weniger bereit, in der Apotheke beispielsweise 13 Euro für eine Blutzuckermessung zu zahlen. Um dies zu ändern, ist es notwendig, auf mehreren Ebenen anzusetzen. Für gesetzlich Krankenversicherte muss transparenter werden, was die Kassen die in Anspruch genommenen ärztlichen Leistungen kosten. Gleichzeitig ist darauf hinzuwirken, dass das Bewusstsein für den Wert apothekerlicher Leistungen in der Bevölkerung steigt. Darüber hinaus müssen Apotheker in den Leitfaden Prävention der GKV aufgenommen werden. Entsprechende Gespräche mit Kassen und Politikern werden derzeit vom Deutschen Apothekerverband geführt.

 

Generell gilt: Um Kunden, Politikern und den Kostenträgern den Wert apothekerlicher Präventionsangebote zu vermitteln, ist es wichtig, zunächst den Wert der eigenen Leistung zu kennen. Mit dem LeiKa wurde den Apotheken hierfür ein geeignetes Instrument zur Verfügung gestellt. /

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