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Gute Zeichen

06.08.2013
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Die Signale aus der Politik sind derzeit für die Apotheker eher ermutigend. Der grüne Bundestagskandidat Bernhard Dierdorf aus Plön postete bereits vergangene Woche auf »Gesundheit-waehlen«, die Apotheker sollten mehr Aufgaben und eine angemessene Vergütung dafür bekommen. SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier sieht in seinem Post auf derselben Plattform die Apotheker angesichts drohender Lücken in der hausärztlichen Versorgung sogar »in einer Schlüsselrolle der medizinischen Versorgung« (lesen Sie dazu auch Gesundheit wählen: SPD steht zur Apotheke vor Ort). Im PZ-Interview bezeichnete der FDP-Gesundheitspolitiker Heinz Lanfermann die inhabergeführte Apotheke als »Garant für die wohnortnahe Versorgung« (lesen Sie dazu auch FDP: Apotheker können zufrieden sein).

 

Schöne Worte, aber sind sie auch so gemeint? Bislang galt die SPD bei Apothekern als Wackelkandidat. Die FDP hat sich in dieser Legislatur­periode auch nicht durchgängig als Freund der Apotheker gezeigt. Die Koalition war lange Zeit inert gegenüber Honorarforderungen. Erst zum Ende der Legislaturperiode erkannte man dann den Nachholbedarf.

 

Trotz freundlicher Worte ist das Renommé der Apotheker in der Politik nicht zwingend gestiegen. Und dennoch sind die Aussagen ein gutes Zeichen. Politiker sagen im Wahlkampf zwar nicht immer, was sie denken; sie sagen aber, was ihnen nützt. Und da ist es heute im Gegensatz zu früher deutlich weniger hilfreich, sich gegen die öffentliche Apotheke zu positionieren. Dass Steinmeier in seinem Internet-Post inhaltlich weit weg ist vom SPD-Leitantrag aus dem Jahr 2011, ist eindeutig. Damals wollte die SPD die Arzneimittelversorgung noch deregulieren. Davon ist derzeit keine Rede. Der Wind hat sich gedreht.

 

Ein aktuelles Beispiel, wie stark sich der Wind gedreht hat, kommt dieser Tage aus der Rechtsprechung. Das Oberlandesgericht Düsseldorf hat entschieden, dass zum Botendienst einer Apotheke auch eine qualifizierte Beratung gehört, entweder in der Apotheke oder vom Botendienst (lesen Sie dazu auch Urteil: Bote muss Beratung gewährleisten). Ob dieses Urteil vor dem Jahr 2009 so gefällt worden wäre, ist zweifelhaft. Das Ansehen der Apotheker ist heute besser als vor dem EuGH-Urteil. Das macht Hoffnung für die Zeit nach der Wahl, auch wenn es keine Lebensversicherung ist. Ein Unsicherheitsfaktor bleiben die Grünen. Deren Vorsitzender Jürgen Trittin und der hessische Landesverband der Partei finden weniger schöne Worte für die Apotheker als Dierdorf (lesen Sie dazu auch Hessische Grüne für Fremdbesitz).

 

Daniel Rücker

Chefredakteur

 

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