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Hepatitis-C-Therapie

Rash-Management

06.08.2012
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Von Maria Pues, Hannover / Systemische Antihistaminika helfen gegen Juckreiz. Doch nicht jedes darf angewendet werden, wenn der Patient mit Telaprevir behandelt wird.

Dass ein Patient in der Apotheke über Hautschlag und quälenden Juckreiz klagt, ist an sich kein ungewöhnliches Ereignis. Dass diesem jedoch auch weniger alltägliche Ursachen zugrunde liegen können, die insbesondere für die Empfehlung in der Beratung berücksichtigt werden müssen, erläuterten Dr. Kerstin Port und Dr. Benjamin Maasoumy in ihrem Vortrag anlässlich einer Fortbildungsveranstaltung der Deutschen Leberstiftung in Hannover.

Rash heißt ein Hautausschlag und Juckreiz, der unter anderem im Rahmen einer Hepatitis-C-Therapie mit Telaprevir (Incivo®), in unterschiedlicher Intensität auftreten kann. Der HCV-Prote­aseinhibitor wird üblicherweise als Tripeltherapie gemeinsam mit mit PEG-Interferon-alpha (Pegintron®) und Ribavirin gegeben wird. Einen leichten Rash (Grad I) erleben rund 50 Prozent der Patienten. Er kann sich auf einen begrenzten Hautausschlag beschränken, aber auch mit einem quälenden Juckreiz einhergehen. Die Schleimhäute sind hierbei nicht betroffen. Bei einem mittelgradigen Rash (Grad II), der bei rund 10 Prozent der Patienten auftritt, sind bis zu 50 Prozent der gesamten Hautoberfläche befallen. Die betroffenen Hautpartien sind geschwollen und wirken erhaben, es kann zu Abschälungen kommen, die Schleimhäute können mitbetroffen sein. Bei einem schweren Rash (Grad III), den rund 0,1 Prozent der Patienten erleiden, sind entweder mehr als 50 Prozent der Hautoberfläche betroffen oder es kommt unter anderem zu Bläschen- und Blasenbildung sowie oberflächlichen Ulzerationen der Mundschleimhaut.

 

Vor allem Patienten mit leichten Formen eines Rash, der sich zuweilen auch ohne Hautausschlag, aber mit trockener Haut und einem als äußerst quälend empfundenen Juckreiz zeigt, suchen Rat und Linderung in der Apotheke. Port und Maasoumy empfehlen hier die Anwendung fetthaltiger Cremes oder harnstoffhaltiger Produkte. Diese linderten die Beschwerden meist gut, ohne dass eine Gefahr für Wechselwirkungen besteht. Die Behandlung eines mittelgradigen Rashs kann den Einsatz von lokalen Glucocorticoiden und/oder juckreizstillenden Antihistaminika erforderlich machen. Hierbei sei zu beachten, dass nicht alle Substanzen aus dieser Gruppe mit Teleprevir kombiniert werden dürfen, betonten die Referenten. Eine Gabe von Dimetinden (Fenistil®) sei möglich, erläuterten sie weiter. Den sedierenden Nebeneffekt kann man vor allem bei einer Anwendung zur Nacht ausnützen.

Nützliche links

Auf www.hep-druginteractions.org kann man unter anderem einen Interaktions-Check zwischen Lebertherapeutika und verschiedenen Arzneistoffen durchführen. Die Seite der Universität Liverpool befindet sich noch im Aufbau.

 

Auf der Seite der Universität Indiana http://medicine.iupui.edu/clinpharm/ddis/table.aspx kann man nachschlagen, welcher Wirkstoff durch welches Enzym verstoffwechselt wird.

Tagsüber eignen sich Cetirizin (Zyrtec®) und das verschreibungspflichtige Levocetirizin (Xusal®) besser, da diese Wirkstoffe weniger stark sedieren. Wechselwirkungen mit Telaprevir sind kaum zu befürchten, da die beiden Wirkstoffe vorwiegend über die Nieren eliminiert werden. Ebenfalls angewendet werden darf das verschreibungspflichtige Desloratadin (Aerius®), keinesfalls hingegen sein apothekenpflichtiger Vorgänger Loratadin (ehemals Lisino®, inzwischen nur noch Generika). Der Grund liegt in der Pharmakokinetik: Loratadin wird unter anderem durch CYP3A4, dessen Aktivität durch Telaprevir gehemmt wird, abgebaut. Geschieht der Loratadin-Abbau langsamer, kann es zu einer Überdosierung durch Kumulation kommen. Desloratadin, ein wirksamer Loratadin-Metabolit, wird zu 3-Hydroxy-Desloratadin verstoffwechselt und anschließend glucuronidiert. CYP3A4 ist daran nicht beteiligt, sodass es hier zu keiner Interaktion kommen kann. Ebenfalls kontraindiziert sind Terfenadin (Terfenadin AL) und das ohnehin nicht mehr im Handel befindliche Astemizol (ehemals Hismanal®). Ihre Kombination mit Telaprevir erhöht das Risiko für Herzrhythmusstörungen.

 

Durch Antihistaminika nicht beeinflussen lässt sich ein ebenfalls häufig auftretender Juckreiz im Analbereich, da dieser auf mit dem Stuhl ausgeschiedene Telaprevir-Abbauprodukte zurückgeführt wird. Er lässt sich mit abdeckenden, reizlindernden Salben sowie mit topischen Glucocorticoiden lindern. /

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