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Sommerloch

03.08.2007  13:41 Uhr

Sommerloch

Für das diesjährige Sommerloch hat das Bundeskartellamt offensichtlich die Apotheker als mögliche Wettbewerbssünder ins Visier genommen. Vor einigen Wochen stellten die Wettbewerbshüter die Geschäftsstellen von fünf Landesapothekerverbänden auf den Kopf und suchten nach Beweisen für angebliche Boykottaufrufe gegen Celesio/Gehe. Ende vergangener Woche erhielten neben dem Bundesverband der Arzneimittelhersteller (BAH) neun Landesapothekerverbände Beschuldigungsschreiben wegen angeblicher Preisabsprachen für Selbstmedikationsarzneimittel. (Lesen Sie dazu hier weiter.)

 

Allein die Tatsache, dass die Vorwürfe auf das Jahr 2003 beschränkt sind, als die Preisbindung noch gar nicht aufgehoben war, zeigt, wie absurd der Vorwurf ist. Erst mit dem Inkrafttreten des GKV-Modernisierungsgesetzes wurde die Preisbindung für OTC-Arzneimittel aufgehoben. Ähnlich wie bei der Information über den Deal Celesio/Gehe mit DocMorris ist es eine der satzungsgemäßen Aufgaben der Apothekerverbände, ihre Mitglieder darüber zu informieren, wie mit Marktentwicklungen umgegangen werden kann. Das erwarten auch die Mitglieder. Deshalb sind sie Mitglieder der Verbände geworden. Darin ein Wettbewerbsvergehen zu sehen, erscheint mir weltfremd.

 

In Anbetracht dessen, dass die alten Preise für die Abrechnung mit den gesetzlichen Krankenkassen weiter Geltung haben, kann keinem ein Vorwurf gemacht werden, der sich an die von den Herstellern empfohlenen Preise hält. Absurd erscheint mir auch, dass sowohl die Wettbewerbshüter als auch die Politiker bei der Freigabe offensichtlich nur davon ausgegangen sind, dass die Preise sinken müssen. Auch das zeugt von Unkenntnis des Arzneimittelmarktes. Da inzwischen auch im OTC- Markt viele generische Produkte angeboten werden, die bis zum 31. Dezember 2003 zum Teil unter einem Euro verkauft werden mussten, wäre es betriebwirtschaftlich durchaus sinnvoll gewesen, wenn die Apothekerinnen und Apotheker ihre Deckungsbeiträge neu berechnet hätten. Das hätte automatisch zu höheren Preisen geführt. Auch das war Gegenstand der Informationsveranstaltungen vor dem 1. Januar 2004, hat aber nicht zu der flächendeckenden Preissteigerung in diesem Sektor geführt.

 

Aus meiner Sicht sind die Apothekerinnen und Apotheker mehrheitlich mit der neuen Freiheit vernünftig umgegangen. Zu mehr haben ihre Verbände sie auch nicht aufgefordert. Und Vernunft ist in unserem Rechtsstaat nicht strafbar.

 

 

Professor Dr. Hartmut Morck

Chefredakteur

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