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Valentin Rose

Analytiker und Arzneibuchautor

06.08.2007
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Valentin Rose

Analytiker und Arzneibuchautor

Von Christoph Friedrich

 

Am 9. August 1807, vor 200 Jahren, verstarb Valentin Rose, der Jüngere (1762 bis 1807), der als Besitzer der Berliner Apotheke »Zum weißen Schwan« und Assessor des »Obercollegium medicum« vor allem auf analytischem Gebiet forschte. Rose wies nach, dass der Schwefeläther weder Schwefel noch Säure enthält.

 

Der pharmazeutische Analytiker und Arzneibuchautor Rose gilt ferner als Entdecker des doppelkohlensauren Natrons sowie des Inulins und der Brenzweinsteinsäure. Besondere Verdienste erwarb er sich als Mitautor der Pharmacopoea Borussica von 1799, die als erstes deutsches Arzneibuch die neue Lavoisier‘sche Nomenklatur verwendete (1).

PZ-Originalia

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Valentin Rose entstammt einer alten, in der Mark Brandenburg ansässigen Familie. Als Stammvater gilt der als Probst in Mittenwalde in der Mark wirkende Simon Rose (1548 bis 1610). Sein Sohn Christian Rose (1609 bis 1667) war Rektor in Neuruppin und trat auch als Verfasser von Dramen hervor. Dessen gleichnamiger Sohn Christian Rose d. J. (1664 bis 1729) sowie dessen Enkel Johann Rose (1700 bis 1767), Großvater von Valentin Rose d. J., waren Kaufleute. Der Vater, Valentin Rose d. Ä. (1736 bis 1771), widmete sich dem Apothekerberuf. Als Schüler des bedeutenden Berliner Apothekers Andreas Sigismund Marggraf (1709 bis 1782) erwarb er 1761 die Apotheke »Zum weißen Schwan« für 9550 Taler, die unter seiner Leitung zu einer der angesehensten Offizinen Berlins wurde und bis 1845 im Besitz der Familie Rose blieb (2).

 

1761 hatte er Anna Magdalena Stäbchen (gestorben 1810), die Tochter des Regimentschirurgen Jonas Stäbchen und dessen Ehefrau Charlotte Luise, geborene Marggraf, geheiratet. 1770 übernahm er an der Bergschule Berlin den Chemieunterricht und entdeckte das nach ihm benannte »Rosesche Metall«, eine leicht schmelzbare Legierung von Blei, Zinn und Wismut. Zudem rezensierte er seit dem 5. Band die chemische Literatur für die von Friedrich Nicolai (1733 bis 1811) herausgegebene »Allgemeine Deutsche Bibliothek«.

 

Bereits 1771, mit nur 35 Jahren, verstarb Valentin Rose d. Ä. (2). Noch auf dem Sterbebett hatte er seinen ersten Gehilfen Martin Heinrich Klaproth (1743 bis 1817) zum Verwalter seiner Apotheke und zum Vormund seiner Kinder, zwei Töchter und zwei Knaben, bestimmt. Während sein Sohn Christian Chirurg wurde, wählte Valentin Rose d. J. den Apothekerberuf, weshalb Klaproth sich seiner Erziehung besonders intensiv angenommen haben dürfte. Obwohl Klaproth nur sieben Jahre älter als sein Mündel war, soll er sich dessen Erziehung »wie ein zweiter Vater« gewidmet haben (3).

 

Ausbildung und Wanderjahre

 

Auf Klaproths Veranlassung begann Valentin Rose d. J. Ostern 1778 seine Lehrzeit in der Apotheke bei Johann Jacob Salzwedel in Frankfurt am Main. Vier Jahre später kehrte er nach Berlin zurück, wo er Vorlesungen über Experimentalchemie bei Klaproth, über Botanik und Materia medica bei Johann Gottlieb Gleditsch (1714 bis 1786) und bei Gönner über Physiologie in den Räumen des »Collegium medico-chirurgicum« im Marstall hörte (5). Daneben befasste er sich mit alten und neuen Sprachen.

 

Von Ostern 1783 bis Michaelis 1784 war Rose als Gehilfe bei dem bekannten und wissenschaftlich überaus erfolgreichen Apotheker Johann Carl Friedrich Meyer (1739 bis 1811) in der Stettiner Hof-Apotheke tätig. Meyer, ein Schüler des schwedischen Botanikers Carl von Linné (1707 bis 1778), verfügte über ein vorzügliches Herbarium, beschäftigte sich indessen auch intensiv mit Chemie. Schwerpunkt seiner chemischen Analysen waren Mineralien, Mineralwässer sowie Geheimmittel. Seine Ergebnisse publizierte er in den Veröffentlichungen der Berliner naturforschenden Gesellschaft sowie in Crells Annalen (6).

 

Anschließend wirkte Rose in der berühmten Königsberger Hof-Apotheke bei Carl Gottfried Hagen (1749 bis 1829). Hagen, chemischer Berater des Königsberger Philosophen Immanuel Kant (1724 bis 1804) und Verfasser eines berühmten »Lehrbuches der Apothekerkunst«, das 1778 erschienen war und mehreren Apothekergenerationen zur wissenschaftlichen Bildung diente, galt schon zu Lebzeiten als »Schutzpatron der deutschen Pharmazie« (7). Wie Roses Biograf Adolf Ferdinand Gehlen (1775 bis 1815) berichtet, stellten ihm beide Prinzipale vorzügliche Zeugnisse aus (4). Da der damalige Verwalter der Roseschen Apotheke »Zum weißen Schwan«, Sigismund Friedrich Hermbstaedt (1760 bis 1833), seine Stelle aufgeben wollte, musste Rose vorzeitig wieder nach Berlin zurückkehren.

 

Apotheker in Berlin

 

Er übernahm zunächst als Provisor die Leitung der väterlichen Apotheke, die er 1792, nachdem er im gleichen Jahr das Apothekerexamen Erster Klasse vor dem »Obercollegium medicum« abgelegt hatte, erwerben konnte. Seiner Apotheke stand er von nun an mit »einer Vorsicht, Gewissenhaftigkeit und Berufstreue vor, die keine Beiworte haben« (4). 1802 wurde das Apothekengebäude unter Karl Friedrich Schinkel (1781 bis 1841) umgebaut.

 

Große Anerkennung fand Rose bei den Berliner Ärzten; sein ausgeprägtes Pflichtbewusstsein als Offizinapotheker hinderte ihn sogar daran, sich der Chemie in noch stärkerem Maße zu widmen. Anerkennung erwarb sich Rose mit der Ausbildung zahlreicher junger Apothekerlehrlinge und Gehilfen, »die bei ihm, oft mehrere Jahre durch, ihre weitere Ausbildung fanden und nachher überall hin zerstreut wurden«. Weiter bemerkte Gehlen: »Bei allem Ernst in der Geschäftsführung erwarb er sich durch sein humanes Betragen, durch seine liberale Gesinnung, durch den Antheil, den er an ihrer Ausbildung, an ihrem Wohl und Wehe nahm, durch die Bereitwilligkeit, mit welcher er durch Rath und Tath, oft mit Aufopferung, ersteres zu befördern suchte, ihre herzliche Liebe und Achtung« (4, S. 298 f.).

 

1797 wurde Rose zum zweiten Assessor am Obercollegium medicum ernannt. Zu seinen Aufgaben zählten neben Apothekenvisitationen auch die Prüfung der Apotheker Erster Klasse sowie forensische Untersuchungen. Ab 1802 wirkte er ferner als Mitdirektor der Berliner Pharmazeutischen Gesellschaft, für die er ab 1800 regelmäßig Vorlesungen über Experimentalchemie hielt (1).

 

1790 hatte Rose seine Cousine Maria, geb. Rose (1765 bis 1849), geheiratet, mit der er in »glücklichster Ehe« lebte. Von seinen fünf »gut gearteten und viel versprechenden Söhnen«  (zwei Töchter starben sehr früh) übernahm der älteste, Wilhelm Rose (1792 bis 1867), später die Leitung der Apotheke. Er absolvierte seine pharmazeutische Ausbildung in Straßburg bei Apotheker Hecht (4) und wurde später Theodor Fontanes (1819 bis 1898) Lehrherr, der ihn einen »Bourgeois mit Geldsackgesinnung« nannte (8). Die beiden Söhne Heinrich (1795 bis 1864) und Gustav Rose (1798 bis 1873) avancierten zu Professoren der Chemie beziehungsweise Mineralogie an der Berliner Universität.

 

Wissenschaftliches Werk

 

Bereits anlässlich seines Apothekerexamens trug Rose »mit ganz vorzüglicher Geschicklichkeit« seine ersten Analyseergebnisse über den grauen Amber und die Efeuwurzel, verglichen mit der Sasaparillwurzel vor, die 1797 im Berlinischen Jahrbuch für die Pharmazie erschien. In dieser Arbeit beschäftigte er sich mit dem »Vegetabilischen Seifenstoff«. Weitere Publikationen erschienen in Crells Chemischen Annalen, worin er sich mit der von van Mons behaupteten Löslichkeit von Talgerde in kaustischem Kali auseinandersetzte.

 

In Scherers Allgemeinem Journal der Chemie folgte 1800 eine Arbeit über den Schwefeläther, in der er nachwies, dass dieser weder Schwefel noch Schwefelsäure enthält. Weiterhin wies er nach, dass Natron »zwei bestimmte Sättigungsstufen mit Kohlensäure« eingehen könne. Rose analysierte den blass-fleischroten Feldspat von Lomnitz, ein neues Bleierz, in dem er Arseniksäure sowie Phosphorsäure fand, untersuchte die Fettsäure und fand schließlich einen »eigenthümlichen Pflanzenstoff« in der »Alandwurzel«. Er beschäftigte sich ferner mit dem Nachweis von Arsenik, analysierte Baryt sowie das Verhalten von Kalk und Baryt zur Kohlensäure (4). Seine letzte Publikation war der brenzlichen Weinsteinsäure gewidmet (9).

 

Zwischen 1798 und 1799 verfasste Rose den »naturhistorischen und chemischen und pharmaceutischen Theil« für Friedrich Carl Grens (1760 bis 1798) »Arzneimittellehre«, die nach dessen Tod neu aufgelegt wurde. 1803 übernahm er gemeinsam mit Adolf Ferdinand Gehlen die Herausgabe des »Berlinischen Jahrbuchs«. Dabei erwies sich Rose als idealer Berater, der Eigenschaften wie »ein gutes Auge, richtige und eindringende Urtheilskraft, eine seltene gründliche Kenntniß des Details der Chemie, Scharfsinn in der Wahl der Mittel, große Genauigkeit und Gewissenhaftigkeit, einfache und klare Darstellung der Untersuchungen und ihrer Resultate« einbringen konnte (4, S. 296).

 

Preußische Pharmakopöe

 

Große Verdienste erwarb sich Rose schließlich als Mitherausgeber der ersten Ausgabe der »Pharmacopoea Borussica«, die die moderne Arzneibuchsprache begründete, da sie erstmals die neue, aus Frankreich kommende antiphlogistische Nomenklatur verwendete, für deren Durchsetzung sich Hermbstaedt in Deutschland besonders eingesetzt hatte (10). Roses genaue Kenntnis der Arbeiten französischer Chemiker wie Claude-Louis Berthollet (1748 bis 1822), Antoine François de Fourcroy (1755 bis 1809) und Louis Nicolas Vauquelin (1763 bis 1829) ermöglichten ihm eine sachkundige Mitarbeit.

 

Die Pharmakopöe markiert den Beginn einer neuen Etappe in der Geschichte der Arzneibücher. Waren die früheren überwiegend von Medizinern erarbeitet worden, so gehörten der siebenköpfigen Kommission für die »Pharmacopoea Borussica« von 1799 mit Klaproth, Hermbstaedt und Rose bereits drei Apotheker an. Die Kommission hatte 1797 vom preußischen König den Auftrag zur Erarbeitung eines neuen Arzneibuches erhalten. Im Vorwort stellte die Kommission fest, »daß unser im Jahre 1781 herausgegebenes Dispensatorium noch viele, unserem Zeitalter unangemessene völlig überflüssige, sowohl einfache als zusammengesetzte Arzneimittel, enthalte. Deshalb haben wir beschlossen, die überflüssigen Arzneimittel soweit wie möglich auszuschließen, durch chemische und pharmazeutische Versuche genug erprobte Heilmittel dagegen an ihre Stelle zu setzen und zugleich den Apothekern leichtere und sichere Bereitungs-Methoden an die Hand zu geben« (11).

 

Während ihre Vorgängerin, das »Dispensatorium Regium Electorale Borusso-Brandenburgicum« von 1781, noch über 1000 Arzneimittel enthielt, zeigt die preußische Pharmakopöe von 1799 erste Ergebnisse der Arzneistoffverringerung, da über 300 Arzneimittel wegfielen. Der erste Teil, der den »Simplicia« gewidmet war, enthielt 321, der zweite Teil mit den »Praeparata et Composita« 384 Monografien.

 

Die »Pharmacopoea Borussica« hatte einen prägenden Einfluss auf alle späteren preußischen und deutschen Arzneibücher. Die Anwendung der modernen Nomenklatur setzte freilich voraus, dass Klarheit über die chemische Zusammensetzung der Arzneistoffe bestand, was wiederum der pharmazeutischen Analytik wichtige Impulse gab (12). Die »Pharmacopoea Borussica« von 1799 gab für einige »Simplicia« Prüfverfahren an beziehungsweise erläuterte die chemische Zusammensetzung. Ingesamt zeigt die Pharmakopöe von 1799 eine prägnante Kürze, die den Gesetzescharakter unterstreicht.

 

Resümee

 

Roses Biografen betonen immer wieder dessen »Anspruchslosigkeit und Bescheidenheit, die umso aechter waren, da sie nicht aus dem Gefühl einer Schwäche entstanden, sondern aus dem Streben nach dem Ideale.« Sie erwähnen ferner seine »Offenheit, unabweichliche Wahrheitsliebe und Festigkeit in Behauptung und Ausführung dessen, was er als wahr und recht erkannt hatte, solange er nicht durch Gründe vom Gegentheil überzeugt wurde« (4).

 

Gehlen bemerkte in seinem Nachruf über ihn: »Dienstfertig und gefällig überhaupt, wo er es seyn konnte, war er es besonders gegen seine Freunde bis zur Selbstverleugnung. Innig nahm er an allem Theil was sie betraf, suchte gerne zu ihrem Wohl beizutragen, wartete, wo Rath und Hülfe nöthig war, nicht erst auf Anforderung, sie selbst mit Aufopferung zu leisten. Ueberall seine Freunde, von deren Rechtschaffenheit er sich überzeugt hatte, vertheidigend und vertretend, sah er ihnen aber auch in nichts nach, wo er sie tadelnswerth hielt. Herzlich und heiter im Umgange wirkte er viel auf sie durch die Richtigkeit und den Scharfsinn in seinen Urtheilen und Betrachtungen, und durch liberale Mittheilung seiner Kenntnisse und Erfahrungen« (4, S. 301 f).

 

Rose war ein praktischer Apotheker mit stark wissenschaftlichen Ambitionen und somit ein typischer Vertreter der großen Epoche der Pharmazie an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert, in der Pharmazeuten neben ihrer Tätigkeit für ihre Patienten der Entwicklung der Naturwissenschaften wichtige Impulse gaben.

Quellen und Literatur

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[Bucholz, Ch. F.], Todesanzeige, in: Almanach oder Taschenbuch für Scheidekünstler und Apotheker auf das Jahr 1809, S. 249-256.

Dann, G. E., Deutsche Apothekerfamilien. II. Die Familie Rose, in: Pharm. Ztg. 71 (1926), S. 629-631.

Dann, G. E., Martin Heinrich Klaproth (1743-1817). Ein deutscher Apotheker und Chemiker. Sein Weg und seine Leistungen, Berlin 1958, S.32.

[Gehlen, A. F.], Nekrolog Valentin Rose, in: Journal für die Chemie, Physik und Mineralogie 5 (1808), S. 291-302.

Friedrich, Ch., Die pharmazeutische Ausbildung in Preußen. In: Friedrich, Ch. u. W.-D. Müller-Jahncke [Hrsg.], Preußen und die Pharmazie. Die Vorträge der Pharmazeutischen Biennale in Potsdam vom 23. bis 25. April 2004. Stuttgart 2005 (Veröffentlichungen zur Pharmaziegeschichte, 5), S. 35-52.

Habrich, Ch., Johann Carl Friedrich Meyer (1739-1811) - Naturwissenschaftler und pharmazeutischer Standespolitiker, in: Dressendörfer, W., R. Löw u. A. Zimmermann (Hrsg.), Pharmazie und Geschichte. Festschrift für Günter Kallinich zum 65. Geburtstag, München 1978, S. 85-93.

Schneider, W., Carl Gottfried Hagen, in: Pharm. Industrie 16 (1954), S. 111-114.

Friedrich, Ch., »Denn wie er zuletzt war, so war er eigentlich«. In: Pharmazeutische Zeitung 143 (1998), 3093-3100.

Rose, V., Beiträge zur Kenntniß verschiedener Säuren. I. Ueber die brenzliche Weinsteinsäure, in: Journal für die Chemie, Physik und Mineralogie 3 (1807), S. 598-614.

Friedrich, Ch. u. Ch. Schümann, Der Apotheker Sigismund Friedrich Hermbstaedt (1760-1833). 2 Teile, in: Pharmazeutische Zeitung Wissenschaft 135 (1990), 259-266 und 136 (1991), 41-48.

Schneider, W., Geschichte der pharmazeutischen Chemie, Weinheim 1972, S. 164.

Hickel, E., Arzneimittel-Standardisierung im 19. Jahrhundert in den Pharmakopöen Deutschlands, Frankreichs, Großbritanniens und der Vereinigten Staaten von Amerika, Stuttgart 1973.

 

Anschrift des Verfassers:

Professor Dr. Christoph Friedrich

Institut für Geschichte der Pharmazie

Roter Graben 10

35032 Marburg

Telefon: (0 64 21) 2 82 28 28

Fax: (0 64 21) 2 82 28 78

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