Pharmazeutische Zeitung online

Skandale in Reihe

25.07.2018  09:42 Uhr

Ein Medikamenten-Skandal folgt im Augenblick auf den nächsten. Erst der Fall des Bottroper Apothekers Peter S., der Zytostatika streckte und deshalb inzwischen zu zwölf Jahren Haft verurteilt wurde. Dann mutmaßlich gestohlene Krebsmedikamente aus Griechenland, deren Wirkung nicht einzuschätzen ist. Und zwischendurch der Rückruf von Valsartan-Präparaten wegen der möglichen Verunreinigung mit der krebserregenden Substanz NDMA.

 

Dieser Skandal sorgt in den Apotheken immer noch für den meisten Wirbel, denn viele Patienten sind nachhaltig verunsichert. Ob und in welchem Ausmaß die betroffenen Präparate tatsächlich NDMA enthalten, war bislang unklar. Das Zentrallaboratorium Deutscher Apotheker (ZL) hat daher eine Untersuchung gestartet und die Blutdrucksenker stichprobenartig getestet. Das Ergebnis: Die untersuchten Präparate der Pharma­unternehmen, die den Wirkstoff des chinesischen Zulieferers Zhejiang Huahai verwendeten, enthielten alle NDMA in durchaus relevanten Mengen (lesen Sie dazu Valsartan: ZL findet NDMA in Tabletten).

 

Ob Valsartan, die Krebsmedikamente aus Griechenland (lesen Sie dazu Pharmaskandal: Licht ins Dunkel) oder der Zytoskandal: Sie alle haben gemeinsam, dass sie Vertrauen zerstören. Sie zeigen ein Versagen des Systems auf, was im besten Fall aber auch dazu genutzt werden kann, Schwachstellen und Fehler zu identifizieren und diese für die Zukunft zu beseitigen.

 

Dies gilt auch für einen weiteren Skandal – den um unseriöse Publika­tionswege, der nicht speziell den Pharmabereich, sondern die gesamte Forschung betrifft. Pseudofachverlage bieten Publikationen gegen Bezahlung an und verdienen damit Millionen (lesen Sie dazu Raub-Journals: Geschäftsmacherei statt Wissenschaft). Auch dieser Skandal zerstört Vertrauen, er untergräbt die Glaubwürdigkeit der Wissenschaft. Das ist gefährlich in Zeiten, in denen einzelne Politiker ungeliebte Nachrichten schlicht als »Fake News« deklarieren und wissenschaftliche Fakten, die ihnen nicht passen, negieren.

 

Dass solche Publikationswege existieren, ist aus zwei Gründen desas­trös. Zum einen, weil auch unstrittige wissenschaftliche Fakten jetzt leichter angreifbar sind, und zum anderen, weil wissenschaftlicher Nonsens durch eine entsprechende Publikation zur vermeintlichen Wahrheit erhoben werden kann. Daher ist es auch in diesem Fall höchste Zeit, die Schwachstellen im System zu suchen und auszumerzen. Davon werden am Ende nicht zuletzt die Forscher selbst profitieren, denn der allergrößte Teil von ihnen arbeitet und publiziert seriös.

Christina Hohmann-Jeddi

Ressortleitung Medizin

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