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Jetzt erst recht

23.07.2014
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Die Welt-Aids-Konferenz in Melbourne steht dieses Jahr unter keinem guten Stern. Noch bevor es überhaupt losging, starben sechs Delegierte beim Flugzeugabschuss in der Ukraine, darunter der Niederländer Joep Lange. Er beschäftigte sich vor allem mit der Weiterentwicklung der medikamen­tösen Therapiemöglichkeiten und galt als einer der renommiertesten Aids-Forscher der Welt.

 

Eines der zentralen Themen der Konferenz, die nun von diesem Verlust überschattet wird, sind Strategien zur Heilung von HIV. Und auch hier gab es zuletzt Hiobsbotschaften: Bei dem als Mississippi-Baby bekannt geworde­nen, als funktionell geheilt geltenden Kind ist das HI-Virus zurück­gekehrt. Dasselbe gilt für zwei erwachsene HIV-Infizierte, die nach einer Stammzelltransplantation ohne Medikamente virusfrei waren (lesen Sie dazu HIV: Rückschläge nach funktioneller Heilung). Das ist nicht nur für die Betroffenen schrecklich, die nun doch wieder lebenslang Medikamente einnehmen müssen, nachdem sie kurzzeitig hoffen durften, darauf verzichten zu können. Auch für die Forschung sind diese Fälle ein Rückschritt. Sie machen deutlich, dass es vermutlich nicht möglich sein wird, HIV bei Infizierten komplett aus dem Körper zu eliminieren. Eine dauerhafte Remission bleibt weiter das Ziel, doch muss die Suche nach Wegen dorthin nun teilweise wieder neu beginnen.

 

Vom Zeitpunkt seiner Entdeckung an war HIV kein rein wissenschaft­liches Thema, sondern hatte immer auch eine gesellschaftlich-politische Komponente. Es ist traurig, dass die Diskriminierung HIV-Infizierter, vor allem Homosexueller, in letzter Zeit in einigen Ländern sogar noch zu­genommen hat. Francoise Barré-Sinoussi, Nobelpreisträgerin und Präsidentin der internationalen Aids-Gesellschaft, beklagte aktuell in einem Interview mit der »Frankfurter Allgemeinen«, dass in vielen Ländern der politische Wille fehle, mehr für Menschen mit HIV zu tun. Viele Infizierte wüssten nichts von ihrer Infektion, weil sie sich aus Angst vor Diskriminierung gar nicht erst testen ließen. Auch das trägt zur weiteren Verbreitung von HIV bei.

 

Ein Ende der HIV-Epidemie wäre möglich, wenn nur die bereits verfügbaren Möglichkeiten des Infektionsschutzes und der antiretroviralen Pharmakotherapie überall auf der Welt konsequent genutzt würden. Es ist eine bittere Enttäuschung, dass das bislang offenbar nicht möglich ist. Ein Satz Joep Langes, den dieser bereits vor zwölf Jahren sagte, sollte allen ein Ansporn sein, im Bestreben danach nicht nachzulassen: »Wenn wir kalte Coca-Cola und Bier in die entlegensten Regionen Afrikas bringen können, sollte es nicht unmöglich sein, dasselbe mit Medikamenten zu tun.«

Annette Mende

Redakteurin Pharmazie

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