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Cocain-Sucht Schnee von gestern dank Topiramat?

26.07.2013
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Von Sven Siebenand /  Das Antiepileptikum Topiramat hilft möglicherweise Menschen, die sowohl Alkohol- als auch Cocain-abhängig sind, zumindest weniger zu koksen.

In einer 13-wöchigen placebokontrollierten Doppelblindstudie profitierten vor allem Probanden mit einem hohen Cocain-Konsum von einer Topiramat-Einnahme. Das melden Wissenschaftler um Professor Dr. Kyle M. Kampman von der University of Pennsylvania in Philadelphia. Sie veröffentlichten ihre Ergebnisse in »Drug and Alcohol Dependence« (doi: 10.1016/j.drugalcdep.2013.05.026).

Demnach verzichteten in den letzten drei Wochen der Studie 20 Prozent der Teilnehmer auf Cocain, wenn sie Topiramat einnahmen; unter Placebo waren es nur 7 Prozent. Insgesamt verblieben 65 Prozent der Teilnehmer aus der Topiramat-Gruppe in der Studie gegenüber 59 Prozent unter Placebo. Topiramat könnte in Kombination mit einer kognitiven Verhaltenstherapie eine gute Option für jene Patienten sein, die Alkohol- und Cocain-abhängig sind, so Kampman in einer Pressemitteilung. In weiteren Studien soll Topiramat nun mit anderen Wirkstoffen zur Behandlung der Cocain-Abhängigkeit kombiniert werden, um noch bessere Effekte zu erzielen.

 

Topiramat erhöht die Aktivität des inhibitorischen Neurotransmitters GABA. Man vermutet, dass dies bei Alkohol- und Cocain-Sucht dazu führt, dass die durch die Drogen verursachte Dopamin-Ausschüttung und infolgedessen euphorisierende Effekte gedrosselt werden. Etwas überraschend – und im Gegensatz zu früheren Untersuchungen – half Topiramat in der aktuellen Studie nicht, die Alkohol- Abhängigkeit zu reduzieren. Möglicherweise kann das damit erklärt werden, dass die in die Studie eingeschlossenen Probanden deutlich weniger Alkohol-abhängig waren als jene in früheren Untersuchungen. Wie bei Cocain könnte der Effekt von Topiramat bei Schwerabhängigen größer sein. /

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