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Großbritannien

Neue Verantwortung für Hausärzte

27.07.2010
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Von Arndt Striegler, London / Kurz vor der Sommerpause zeichnen sich in Großbritannien wichtige Gesundheitsreformen ab. Hausärzte in Großbritannien sollen künftig zu den wichtigsten Entscheidern im staatlichen britischen Gesundheitsdienst (National Health Service, NHS) gehören.

Das ist das Ziel einer radikalen Gesundheitsreform der neuen Koalitionsregierung um Premierminister David Cameron. Die Reform ist beispiellos in der 62-jährigen NHS-Geschichte, und sie wird von britischen Apothekern mit großem Interesse beobachtet.

 

Wie Gesundheitsminister Andrew Lansley in London ankündigte, sollen rund 150 lokale Gesundheitsverwaltungen (Primary Care Trusts, PCT) abgeschafft werden. Diese Stellen verwalten derzeit umgerechnet rund 100 Milliarden Euro an Etatgeldern. Sie entscheiden außerdem mit, an welches Krankenhaus oder zu welchem Facharzt Primärarzt-Patienten überwiesen werden.

 

Der erst seit wenigen Wochen im Amt befindliche Gesundheitsminister erhofft sich von der Abschaffung der PCT’s Einsparungen bei den NHS-Verwaltungskosten in mehrstelliger Millionenhöhe. Tausende Verwaltungsstellen sollen dem Rotstift zum Opfer fallen. Stattdessen werden künftig den NHS-Hausärzten die bisher von den PCT’s verwalteten Milliardenbeträge anvertraut, um damit direkt bei den Krankenhäusern Operationen und fachärztliche Konsultationen einkaufen zu können. »Hausärzte kennen ihre Patienten und deren Bedürfnisse am besten«, sagte ein Sprecher des Londoner Gesundheitsministeriums zur Begründung.

 

Keine Pläne für Zahnmedizin

 

Die Reformpläne sind in einem gesundheitspolitischen Weißbuch der Regierung Cameron enthalten. Andere Vorhaben sind die Wiedereinführung von Rund-um-die-Uhr-Notfalldiensten für staatliche Hausärzte sowie weitere drastische Maßnahmen, um gegen die Bürokratie im NHS-System vorzugehen. Im Zahnarztwesen plant die Regierung hingegen offenbar zunächst keine Veränderungen, obwohl die staatliche Zahnmedizin seit Jahren unterfinanziert und im Vergleich zu anderen europäischen Ländern qualitativ schlecht ist. / 

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