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Wie Übergewicht Darmkrebs fördern kann

18.07.2018
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Von Christina Hohmann-Jeddi / Einen Mechanismus, wie Übergewicht die Entstehung von kolorektalen Karzinomen fördert, hat ein Wissenschaftlerteam vom Max-Planck-Institut für Stoffwechselforschung in Köln entschlüsselt: Im Darm werden statt Krebszellen bekämpfender Immunzellen solche ausgebildet, die das Tumorwachstum unterstützen. Das fanden die Forscher um Dr. Claudia Wunderlich in Untersuchungen mit Mäusen heraus und berichten darüber im Fachjournal »Nature Communications« (DOI: 10.1038/s41467-018-03773-0).

 

Übergewicht und ungünstige Ernährungsgewohnheiten sind bekannte Risikofaktoren für die Entstehung von Darmkrebs. Die detaillierten Zusammenhänge dieses Phänomens untersuchten die Forscher um Wunderlich nun in einem Mausmodel für Colitis, wobei die Tiere entweder normales Futter erhielten oder durch eine fettreiche Ernährung dick gefüttert wurden. 

 

Letzteres verstärkte im Dickdarm die Entzündung und schwächte die Barrierefunktion des Darms. Vor allem das Zytokin IL-6 wurde vermehrt ausgeschüttet. Im Darm führte dies letztlich zu einer Umprogrammierung von Makrophagen. Diese Immunzellen können zwei verschiedene Phänotypen mit unterschiedlichen Eigenschaften annehmen: M1-Makrophagen wirken zytotoxisch und proinflammatorisch und sind in der Lage, Krebszellen zu bekämpfen. Der zweite Phänotyp M2 wirkt eher pro­regenerativ und hat angiogene, wachstumsfördernde und immunmodulierende Eigenschaften, die ein Tumor ausnutzen kann.

 

Durch IL-6-Signale entstanden in dem Versuch vermehrt M2-Makrophagen. Diese wiederum lockten über den Botenstoff CCl-20 spezielle B- und T-Zellen in das Kolongewebe, die ein Tumorwachstum weiter unterstützen, berichten die Forscher. Damit konnte das Team mit dem IL-6-Signalweg und der durch CCL-20 bedingten Immunzell-Rekrutierung neue Angriffspunkte für mögliche Therapieansätze bei Menschen identifizieren. /

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