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Augen

Von wegen keimfrei

18.07.2017  13:29 Uhr

Von Annette Mende / Die Oberfläche des Auges, die bislang als keimfrei angesehen wurde, ist in Wirklichkeit zumindest von einer Bakterienart dauerhaft besiedelt: Corynebacterium mastitidis.

 

Wissenschaftler um Dr. Anthony St. Leger vom US-amerikanischen Forschungszentrum NIH, die im Fachjournal »Immunity« über diesen Fund berichten, gehen sogar davon aus, dass das Auge wie andere Körperoberflächen ein eigenes Mikrobiom hat, das aus mehreren verschiedenen Bakterienarten besteht (DOI: 10.1016/j.immuni.2017.06.014). Das dürfte erklären, warum die Empfind­lichkeit für Pilzinfektionen des Auges nach Anwendung Antibiotika-haltiger Augentropfen steigt.

Die Oberfläche des Auges ist eine der bakterienfeindlichsten Umgebungen im Säugetierkörper, da sie ständig von Tränenflüssigkeit gespült wird, die eine Reihe von antimikrobiell wirksamen Substanzen enthält. Obwohl in der Vergangenheit einzelne Erreger von der Bindehaut isoliert werden konnten, war bisher unklar, ob diese sich dort dauerhaft ansiedeln können. Das haben die Forscher um St. Leger nun geändert: Sie konnten zeigen, dass C. mastitidis dauerhaft das Auge kolonisiert und zwar als friedlicher und nützlicher Mitbewohner.

 

Dieser Kommensale regt Immun­zellen der Bindehaut zur Produktion von IL-17 an, was wiederum bei einer Besiedelung mit schädlichen Keimen die Immunantwort ankurbelt. Das konnten die Forscher in Zelluntersuchungen und Tests mit einer Mäuselinie zeigen, die zu bakteriellen Bindehautentzündungen neigt. Bei diesen Tieren stieg die IL-17- Produktion, wenn die Forscher C. mastitidis in ihre Augen gaben, und sie widerstanden anschließend auch Candida- und Pseudomonas-Infektionen.

 

Da beim Menschen in gesunden Augen sehr viel C.-mastitidis-DNA gefunden wird, liegt die Vermutung nahe, dass es sich bei dem Bakterium auch um einen menschlichen Kommensalen handelt. Die Forscher wollen nun nach weiteren Bakterien suchen, die das Mikro­biom des Auges ausmachen. /

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