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Pilotstudie

Neue Indikation für Ipilimumab

19.07.2016  16:15 Uhr

Von Kerstin A. Gräfe / Das Hautkrebs­medikament Ipilimumab, das die Immunabwehr gegen Tumorzellen wiederherstellt, ist womöglich eine Behandlungsoption für Patienten mit Lymphomen und Leukämien, die nach einer Stammzelltherapie ein Rezidiv erlitten haben.

 

Das Immuntherapeutikum erzielte in einer Phase-I/Ib-Studie mit 22 Probanden bei immerhin 59 Prozent der Patienten Erfolge. Darüber berichtet eine Forschergruppe um Dr. Matthew Davids vom Dana-Farber-Cancer-Institut in Boston im »New England Journal of Medicine« (DOI: 10.1056/NEJMoa1601202).

 

Ipilimumab zählt zu den Checkpoint-Inhibitoren. Vertreter dieser Wirkstoffklasse sind nicht direkt gegen die Krebszellen gerichtet, sondern greifen vielmehr an sogenannten Checkpoints in die Steuerung der Immunantwort gegen Tumoren ein. Eine dieser wichtigen Schaltstellen im Immunsystem ist das Eiweiß CTLA4 (cytotoxic T-lymphocyte-associated protein). Der Antikörper Ipilimumab blockiert den Rezeptor CTLA-4, löst dadurch eine Bremse im Immunsystem und die Krebszellen können so wieder verstärkt attackiert werden. Beim malignen Melanom, zu dessen Behandlung Ipilimumab (Yervoy®) seit 2011 zugelassen ist, wird dieses Wirkprinzip bereits erfolgreich angewendet.

 

Das Forscherteam um Davids zeigte nun, dass Ipilimumab womöglich auch in einer anderen Indikation punkten kann. Die Wissenschaftler verabreichten 28 Krebspatienten mit verschiedenen Lymphomen und Leukämien, die nach einer Stammzelltransplantation ein Rezidiv erlitten hatten, den CTLA-4-Antikörper in einer Dosierung von entweder 3 mg oder 10 mg pro Kilogramm Körpergewicht. Von 22 Patienten, die mit der 10-mg-Dosis behandelt wurden, erzielten fünf eine vollständige Remission. Zwei Patienten erreichten eine partielle Remission und bei sechs kam es zu einem Rückgang der Tumorlast. Damit war die Ipilimumab-Therapie bei insgesamt 59 Prozent der Patienten zumindest teilweise erfolgreich. Die Forscher planen nun größere Studien und wollen zudem untersuchen, ob Checkpoint-Inhibitoren bei diesem Patientenkollektiv einen Rückfall verhindern können. /

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