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Apothekenmuseum Langensalza

Auf den Spuren der Pharmazie

08.07.2014
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Von Achim Klosa / Das Entstehen einer Einrichtung, die sich der Pflege der Pharmaziegeschichte verschrieben hat, ist in unseren Tagen mehr als nur eine Randnotiz wert. Die Eröffnung eines neuen Apothekenmuseums in Bad Langensalza, das erste seiner Art in Thüringen, darf getrost als ein Meilenstein bezeichnet werden.

Lange Zeit war nur einem kleinen Kreis Interessierter das thüringische Bad Langensalza als eine bedeutende Keimzelle der modernen Pharmazie bekannt. Dies änderte sich zur Jahrtausendwende. Ein von Professor Dr. Klaus Möckel im Jahre 2000 verantwortetes wissenschaftliches Symposium brachte mit Johann Christian Wiegleb (1732 bis 1800) einen der wichtigsten Wegbereiter der wissenschaftlichen Pharmazie einer breiteren Öffentlichkeit zur Kenntnis und wirkte als Impulsgeber für die weitere Forschung über Wieglebs Leben und Werk.

In der Folge erschienen nicht nur einige grundlegende wissenschaftliche Arbeiten, auch die Stadt besann sich ihres bedeutenden Sohnes, der mit Ausnahme seiner Lehrzeit in Dresden nahezu sein gesamtes Leben in seinem Geburtsort verbrachte. Das Stadtmuseum im Augustinerkloster richtete eine Dauerausstellung ein, deren Prunkstück die Nachbildung des Wieglebschen Labors war, von dem eine zeitgenössische Abbildung überliefert ist. Daneben etablierte sich in loser Folge die Veranstaltungsreihe »Auf Wieglebs Spuren«, die einem interessierten Publikum die Pharmazie und Chemie des 18. und 19. Jahrhunderts näherbringt.

 

Die erwähnte Ausstellung gefiel auch dem Apothekerehepaar Gotlind und Dr. Alexander Dörries. Als Besitzer der 1598 gegründeten Löwenapotheke in Eschwege hatten sie eine umfangreiche Sammlung mit mehr als 10 000 pharmaziehistorisch interessanten Gegenständen aufgebaut, die vom Handverkaufstisch über zahlreiche Apothekengefäße aus unterschiedlichsten Materialien sowie Rezepturgerätschaften bis zu Labor-Utensilien reicht. Da die Suche nach einer Unterbringungsmöglichkeit der Sammlung in Eschwege viele Jahre erfolglos blieb, entstand die Idee, sie der Stadt Bad Langensalza zu übereignen, wenn sich hier geeignete Räumlichkeiten finden ließen. Bürgermeister Bernhard Schönau setzte sich dafür ein, dass mit dem fast 500 Jahre alten Haus Rosenthal, einem der ältesten Gebäude der Stadt, das aufwendig restauriert worden war, ein geeigneter Ort zur Verfügung gestellt werden konnte und damit die Voraussetzung zur Entstehung des ersten Apothekenmuseums in Thüringen geschaffen wurde. Seit dem diesjährigen Internationalen Museumstag am 18. Mai 2014 ist das Museum der Öffentlichkeit zugänglich.

 

Auf circa 280 Quadratmetern Fläche finden sich Exponate vom 18. bis zum 20. Jahrhundert. Originale Handverkaufstische, Regale und Schränke zur Aufbewahrung von Arzneimitteln, Rezeptursubstanzen und Drogen sind, wo erforderlich, sehr gelungen durch Neuanfertigungen ergänzt worden. Zahlreiche Gerätschaften zur Herstellung der unterschiedlichsten Rezepturen und Defekturen werden gezeigt. Ältere Fachbesucher werden sich hierbei erinnern, dass nicht nur das Pillendrehen, sondern auch die Handhabung eines Dreiwalzenstuhles spezielle Kunstfertigkeiten erforderten. Besonders umfangreich sind die Sammlungen von Standgefäßen aus Porzellan, Glas und anderen Materialien, sowohl für Arznei- und Hilfsstoffe, Drogen als auch für Laborsubstanzen. Diese werden ergänzt durch zahlreiche Sekundärverpackungen von Arzneispezialitäten, insbesondere aus DDR-Produktion, zur Verfügung gestellt von ortansässigen Apotheken. Ein separater Raum ist als Apothekenlabor eingerichtet, umfangreich ausgestattet mit Geräten vor allem aus dem 20. Jahrhundert. Ein weiteres Highlight ist die neu konzipierte Ausstellung zu Johann Christian Wiegleb. Auf zahlreichen Infotafeln und -bannern werden Leben und Werk dieses bedeutenden Apothekers nachvollziehbar.

Eine Vitrine enthält einige der zahlreichen von Wiegleb verfassten Bücher, Meilensteine der Pharmazie- und Chemiegeschichte. Natürlich ist hier auch die Rekonstruktion des Wieglebschen Labors zu bestaunen, zum Teil mit Gerätschaften aus dem späten 18. Jahrhundert bestückt, die durch originalgetreue Repliken ergänzt werden. Immer wieder finden sich in den Ausstellungsräumen Exponate, bei denen der Besucher ausdrücklich zum Ausprobieren aufgefordert wird.

 

In einer kleinen Kammer mit Nachbildungen von Darren zur Drogentrocknung wird die anhaltende Bedeutung des Pflanzenreiches als Herkunft von Arzneien dokumentiert. Dies gilt auch für den hinter dem Haus Rosenthal neu eingerichteten Apothekergarten. Über 100 Arzneipflanzen sind zehn Indikationsgebieten zugeordnet, denen jeweils ein Beet beziehungsweise ein separater Beetteil gewidmet ist. Nicht nur die einzelnen Pflanzen sind mit volkstümlichen und botanischen Namen benannt, eine Schautafel nennt darüber hinaus für jede Pflanze zusätzlich die arzneilich verwendeten Teile sowie ihr Einsatzgebiet. Ob Apothekergarten, Ausstellungsräume oder das beherbergende Haus Rosenthal selbst – überall fällt dem Besucher die liebevolle Gestaltung auf. Ergänzt wird das Museum durch einen kleinen Museumsladen. Für die kommende Zeit ist ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm mit Führungen, Vorträgen und Kursen geplant, mit dem Besuchern aller Altersklassen die Facetten der Pharmaziegeschichte nähergebracht werden soll. /

Anschrift

Apothekenmuseum im Haus Rosen­thal
Bergstraße 15a
99947 Bad ­Langensalza
Telefon: 03603 813654
Fax: 03603 813657
E-Mail: apothekenmuseum(at)bad-langensalza.de

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