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Tamoxifen

Menopause wird für Nebenwirkung gehalten

05.07.2017
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Von Daniela Hüttemann / Frauen mit ­hohem Brustkrebs-Risiko, die präventiv Tamoxifen einnehmen sollen, halten womöglich natürliche Beschwerden der Wechseljahre für Nebenwirkungen des Medikaments – und beenden die Einnahme.

 

Das ist das Ergebnis einer im »Journal of Clinical Oncology« veröffentlichten Studie (DOI: 10.1200/JCO.2016.71.7439). Forscher der Queen Mary University in London werteten dafür die Daten von fast 4000 Frauen aus, die an der International Breast Intervention Study (IBIS-1) teilgenommen hatten. Die Autoren um Dr. Samuel George Smith betonen, wie wichtig eine gute Aufklärung der Frauen ist, um die Adhärenz zu verbessern und das Risiko einer Brustkrebs-Erkrankung zu reduzieren.

Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass der selektive Estrogen-­Rezeptormodulator Tamoxifen das ­Erkrankungsrisiko bei Frauen mit einem hohen Risiko für Estrogen-abhängige Mammakarzinome um 30 Prozent ­reduzieren kann, wenn er präventiv ­gegeben wird. Doch nur eine von sechs Frauen mit hohem Risiko will das Mittel auch einnehmen, wenn sie es angeboten bekommt. Bei den Anwenderinnen der IBIS-1-Studie lag die Adhärenzrate über einen Zeitraum von fünf Jahren bei 65,1 Prozent im Vergleich zu 74 Prozent bei Frauen, die unwissentlich ein Placebo einnahmen.

 

Als unerwünschte Wirkungen meldeten die Teilnehmerinnen sowohl unter Tamoxifen als auch unter Placebo Übelkeit und Erbrechen, Kopfschmerzen, Hitzewallungen und gynäkologische Symptome, wie sie für die Menopause typisch sind: unregelmäßige Blutungen, Scheidentrockenheit und vaginalen Ausfluss. Je schwerer die Nebenwirkungen waren, desto wahrscheinlicher brach eine Probandin die Einnahme ihrer Tablette ab. Dabei fanden die Forscher keinen Unterschied zwischen Tamoxifen und Placebo. Aufgrund von Kopfschmerzen brachen sogar mehr Frauen die Placebo-Behandlung ab.

 

»Das weist darauf hin, dass die Frauen die normalen, altersbedingten Symptome, wie sie in den Wechseljahren auftreten, ihrer Medikation zuordnen«, folgern die Autoren. Bei der Beratung der Frauen sei es daher wichtig zu betonen, dass vermeintliche Nebenwirkungen ganz natürliche Symptome sein können, die zur Menopause dazu­gehören und während der Tamoxifen-­Einnahme auftreten können. /

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