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Iran

Drehkreuz für den Handel

05.07.2017
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Von Jennifer Evans / Der Golfstaat Iran wird als Handelspartner für den Pharmamarkt immer attraktiver. Grund genug für Logistikunternehmen, sich in dem Land zu engagieren oder vor Ort eine Niederlassung zu gründen. Eine Studie belegt: Die Investition lohnt sich.

Nach dem Atomabkommen 2015 und der Lockerung der Sanktionen durch die Europäische Union ab 2016 zieht der bevölkerungsreiche Iran (rund 80 Millionen Einwohner) zunehmend Handelspartner aus der europäischen Wirtschaft an. So ist beispielsweise das Unternehmen Transco Berlin Brandenburg früh auf den Zug aufgesprungen und hat kürzlich eine Tochterfirma in der Hauptstadt Teheran gegründet.

Die neue Zweigstelle des auf Pharma­transporte spezialisierten Unternehmens ist Ausgangspunkt, um Lieferungen aus Deutschland und Westeuropa in den Iran zu organisieren. Auch das Gelsenkirchener Speditions- und Logistikunternehmen Loxx Holding erklärte auf Anfrage der PZ, seit Lockerung der Sanktionen Pharmaprodukte in den Iran zu liefern. Die Pharmazeutika gelangen auf Basis der sogenannten Good Distribution Practice (GDP) dorthin. Die Richtlinie der Europä­ischen Kommission zur guten Vertriebspraxis von Humanarzneimitteln verpflichtet seit 2013 unter anderem zu strengen Temperaturkontrollen bei der Auslieferung.

 

Regelmäßige Verbindungen

 

»Mit der Neugründung nutzen wir bewusst die Wirtschaftspotenziale, die sich durch die Lockerung der Sanktionen gegen den Iran ergeben haben«, sagte Transco-Geschäftsführer Thomas Schleife. Das Unternehmen wolle zum einen regelmäßige Verbindungen aus Deutschland in den vorderasiatischen Staat anbieten und sich zum anderen als nationaler Logistikdienstleister vor Ort etablieren. Nach Angaben von Schleife wird der iranische Speditionsmarkt derzeit von lokalen Dienstleistern beherrscht.

 

Bislang mischen nur wenige große Player mit. Eine Lieferung zeitkritischer Produkte wie etwa Medikamente kann aber auch das Unternehmen DHL innerhalb des Golfstaats über seinen Expressversand vor Ort leisten, so eine Sprecherin des Paketdiensts.

 

Wegen der langen Abschottung vom Weltmarkt herrscht Schleife zufolge ein großer Bedarf an Pharmazeutika zur Versorgung der Bevölkerung. Auch die steigende Lebenserwartung, die anwachsende Einwohnerzahl und der Kampf gegen Wohlstandskrankheiten gelten als Ursachen für die wachsende Arzneimittel-Nachfrage. Allerdings handele es sich beim Iran auch um einen anspruchsvollen Markt, so Schleife. »Ohne lokale Präsenz mit Mitarbeitern und Partnern vor Ort geht gar nichts.« Einheimisches Personal, das örtliche Gegebenheiten kennt und neben Englisch auch die Landessprache spricht, sei unabdingbar.

 

Fest steht: Wer früh einsteigt, sichert sich im Pharmamarkt des Golfstaats einen Vorsprung. Das belegt auch eine Studie der Unternehmensberatung Rolan­d Berger in Zusammenarbeit mit der iranischen Beratungsfirma ILIA Corporation von Anfang des Jahres. Demnach umfasst der Pharmamarkt derzeit rund 2 Milliarden Dollar (rund 1,8 Milliarden Euro) und wächst jährlich um rund 6 Prozent. Den Auswertungen zufolge sollen die Gesundheitsausgaben im Jahr 2020 bei rund 40 Milliarden Dollar (35,7 Milliarden Euro) liegen.

 

Außerdem pflege der Iran die guten Beziehungen zu seinen Nachbarn, heißt es in der Studie. Entsprechende Handelsabkommen und Sonderwirtschaftszonen machten das Land zu einem Drehkreuz für etwa 400 Millionen Konsumenten in 15 Nachbarländern. Zudem böten rund 100 iranische Pharmafirmen Potenzial für Partnerschaften. Die Studienautoren halten auch die politischen Rahmenbedingungen für positiv. Demnach bemüht sich die iranische Regierung seit dem Ende der Sanktionen aktiv um einen stabilen und offenen Markt und wirbt um ausländische Investoren. /

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