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Apothekerhaus

ABDA sucht neue Bleibe

02.07.2014
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Von Stephanie Schersch und Ev Tebroke, Berlin / Der Ausbau des Apothekerhauses in der Berliner Jägerstraße ist vom Tisch. In der vergangenen Woche stimmte die ABDA-Mitgliederversammlung gegen die Erweiterungspläne. Die Apotheker wollen sich nun nach einer alternativen Bleibe umschauen. Darüber hinaus segneten Kammern und Verbände das Perspektivpapier zur Weiterentwicklung des Apothekerberufs ab.

Die Mitgliederversammlung stimmte geschlossen gegen die Pläne, das Apothekerhaus um zwei Stockwerke zu erweitern. Mit ihrem Votum folgten Kammern und Verbände dabei der Empfehlung des geschäftsführenden Vorstands der ABDA. Dieser hatte sich im Vorfeld der Abstimmung dafür ausgesprochen, von den ursprünglichen Erweiterungsplänen für die Jägerstraße 49/50 Abstand zu nehmen.

 

Zu wenig Platz

 

Hintergrund des Bauvorhabens waren fehlende Büroräume, denn nicht alle Mitarbeiter kommen derzeit im Apothekerhaus unter. 64 Personen arbeiten dort für die ABDA und die Verwaltungsgesellschaft Deutscher Apotheker. Für 20 weitere Mitarbeiter wurden Büros in der Jägerstraße 41 angemietet. Eine Erweiterung hätte zusätzliche 1500 Quadratmeter für das Apothekerhaus bedeutet – und Kosten in Höhe von rund 15 Millionen Euro. Nicht geklärt war bis zum Schluss, ob ein Ausbau mit Blick auf den Denkmalschutz überhaupt möglich gewesen wäre.

Auf Wunsch der Mitgliederversammlung soll die ABDA nun nach alternativen Räumlichkeiten für die Standesvertretung suchen. Infrage kommt ein Mietobjekt ebenso wie eine Immobilie zum Kauf oder die Errichtung eines Neubaus. Unter Umständen könnten sich die Apotheker dann auch von ihrem Gebäude in der Jägerstraße 49/50 trennen, sofern eine Alternative gefunden wird, die den räumlichen Ansprüchen besser gerecht wird. ABDA-Präsident Friedemann Schmidt freute sich über das einstimmige Votum. Es sei ein gutes Signal, dass die Mitgliedsorganisationen in dieser Sache geschlossen aufträten, sagte er. Zuletzt hatte es aus einzelnen Kammern und Verbänden deutliche Kritik an den Erweiterungsplänen gegeben.

 

Unabhängig vom Ende der Umbaupläne müssen die Apotheker allerdings Geld in die Sanierung des Gebäudes in der Nähe des Gendarmenmarkts stecken. So sind etwa 6 Millionen Euro nötig, um Brandschutz-Vorgaben zu erfüllen. Weitere 2,5 Millionen Euro fallen für die Sanierung der Haustechnik an. Die Bebauung des Nachbargrundstücks hat darüber hinaus zu Rissen im Apothekerhaus geführt, die für etwa 3 Millionen Euro saniert werden müssen. Aus Sicht der ABDA muss der Nachbar diese Kosten tragen. Unklar ist bislang jedoch, ob diese Forderung durchkommt.

 

Natürlich beschäftigte sich die ABDA-Mitgliederversammlung aber nicht nur mit dem Apothekerhaus. Kammern und Verbände stimmten auch für das Perspektivpapier »Apotheke 2030«. Nun soll es beim Deutschen Apothekertag im September in München den Delegierten zur Abstimmung vorgelegt werden.

 

ABDA-Präsident Schmidt zeigte sich zufrieden mit der aktuellen Version, die der geschäftsführende Vorstand Ende Mai einvernehmlich angenommen hatte. »Ich persönlich denke zwar, an manchen Stellen des Papiers hätte man in der Formulierung noch weiter gehen können«, sagte er bei einer Pressekonferenz. Aber dass sowohl die Traditionalisten als auch die Reformer unter den Apothekern gleichermaßen unzufrieden mit dem Ergebnis seien, sehe er als gutes Signal. »Das ist ein Zeichen, dass der Entwurf genau richtig liegt.«

 

Beruf weiterentwickeln

 

Das achtseitige politische Papier formuliert Ziele für die Weiterentwicklung des Apothekerberufs. An der Entstehung des Perspektivpapiers, das ursprünglich unter dem irreführenden Namen Leitbild kommuniziert worden war, haben sich die Gremien der ABDA, die Landesapothekerverbände und -kammern sowie einige Tausend Apotheker beteiligt. Sollten auch die Delegierten beim Deutschen Apothekertag dem Papier zustimmen, soll anschließend über die strategische Umsetzung der Ziele beraten werden, so Schmidt. Dabei wird es laut ABDA um die drei Themenschwerpunkte Qualifikation, Medikationsmanagement und Versorgungstruktur gehen.

 

Das Perspektivpapier soll vor allem die Beratung in der Apotheke stärken. Schmidt betonte im Gespräch mit der Tageszeitung »Die Welt«, in der Folge müsse sich auch die Honorierung der Apotheker verändern. »Neben der bisherigen Grundvergütung, die sich an der abgegebenen Packung orientiert, brauchen wir eine zweite Vergütungssäule.« /

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