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Nächtliche Hypoglykämien

Insulinpumpe denkt mit

26.07.2013
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Von Ulrike Viegener / Beim diesjährigen Jahresmeeting der US-amerikanischen Diabetesgesellschaft wurde eine Insulinpumpe vorgestellt, die mitdenkt und sich nachts bei einem programmierten Blutzucker-Schwellenwert automatisch abschaltet. So können nächtliche Hypoglykämien reduziert werden.

Als Schritt in Richtung automatisierter künstlicher Pankreas wird die Insulinpumpe bewertet, die sich selbsttätig abschaltet, wenn Unterzuckerung droht. Auch in Deutschland steht die von Medtronic entwicklete Pumpe MiniMed Paradigm VeoTM bereits seit einiger Zeit zur Verfügung. Erst jetzt allerdings wurde das System in einer größeren kontrollierten Multicenter-Studie validiert (doi: 10.1056/NEJMoa1303576).

In der ASPIRE-Studie (Automation to Simulate Pancreatic Insulin Response) wurde die Insulinpumpe von insgesamt 247 Typ-1-Diabetikern über drei Monate hinweg im Alltag getestet. Alle Patienten hatten Erfahrung mit konventionellen Insulinpumpen und alle litten nachweislich an nächtlichen Hypoglykämien. Für die Studie wurden die Patienten randomisiert zwei Gruppen zugeteilt, die beide mit der innovativen Insulinpumpe behandelt wurden. Bei 121 Patienten wurde der nächtliche Abschaltmechanismus aktiviert, bei den 126 Kontrollen dagegen nicht. Die Pumpe ist mit einem Sensor zum kontinuierlichen Glucose-Monitoring kombiniert, wobei alle erfassten Werte gespeichert werden.

 

In der Studie schaltete sich die Pumpe bei einem Blutzuckerwert von 70 mg/dl für zwei Stunden aus und sprang danach selbsttätig wieder an. Durch den Schwellenwert-getriggerten Stoppmechanismus konnten nächtliche hypo­glykämische Episoden um 37,5 Prozent reduziert werden. Diese Zahl bezieht sich auf die AUC, die Fläche unter einer Kurve, die alle nächtlichen Hypoglyk­ämien abbildet. Betrachtet man einzelne Episoden, reduzierte sich deren Zahl um 31,8 Prozent: Mit dem innovativen System erlitten die Patienten im Schnitt pro Woche 1,5 nächtliche Hypoglykämien, ohne waren es dagegen 2,2. Die Blutzuckerkontrolle, gemessen am HbA1c-Wert, wurde durch den Abschaltautomatismus nicht beeinträchtigt.

 

Schritt für Schritt zum künstlichen Pankreas

 

Wie der Hersteller mitteilt, wird derzeit daran gearbeitet, die Programmierung weiter zu verfeinern. Ein noch ungelöstes Problem ist die Tatsache, dass die Sensoren die Zuckerkonzentration im interstitiellen Gewebe und nicht im Blut messen, woraus eine Zeitverzögerung resultiert. Die Harmonisierung des nächtlichen Blutzuckers wurde als erster Schritt der Automatisierung gewählt, weil die nächtlichen Werte eine geringere Schwankungsbreite besitzen. Ziel ist es, sukzessive weitere Automatisierungsschritte zu installieren und so einem künstlichen Pankreas immer näher zu kommen. /

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