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TK-Gesundheitsreport

Studenten leiden häufig psychisch

05.07.2011
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Von Stephanie Schersch, Berlin / Immer mehr Studenten leiden unter einer psychischen Störung. Das geht aus dem jüngsten Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse (TK) hervor. Psychopharmaka sind demnach die am häufigsten an Hochschüler verschriebenen Arzneimittel.

Allein in den vergangenen vier Jahren hat sich der Verordnungsanteil von Präparaten zur Behandlung des Nervensystems bei Studierenden damit mehr als verdoppelt. Ähnlich sieht es bei den Diagnoseraten aus. Bei fast jeder dritten Studentin zwischen 20 und 34 Jahren wurde 2009 mindestens einmal die Diagnose einer psychischen Erkrankung gestellt, bei den Männern war es immerhin jeder achte Student.

»Die Vermutung liegt nahe, dass die jüngsten Reformen in der akademischen Ausbildung nicht spurlos an den jungen Menschen vorbeigegangen sind«, sagte TK-Chef Norbert Klusen bei der Vorstellung des Reports in Berlin. Einen kausalen Zusammenhang zwischen den Studienbedingungen und den gesundheitlichen Belastungen der Studenten belegten die Zahlen zwar nicht, so Klusen. Mit Blick auf den sogenannten Bologna-Prozess, bei dem Studiengänge europaweit in das Bachelor-/Mastersystem überführt wurden, sagte TK-Psychologe Heiko Schulz aber: »Bologna macht krank.« Das Studium sei heute deutlich verschulter und der Karrieredruck groß. Die Universitäten müssten Angebote zur Unterstützung der Hochschüler schaffen.

 

Von Studierenden werde inzwischen sehr viel verlangt, sagte Klusen. »Wir erwarten, dass sie ihr Studium schnellstmöglich absolvieren und währenddessen möglichst viel Auslands- und Praxiserfahrungen machen. Wenn sie ihr Studium beendet haben, wird ebenfalls größtmögliche Flexibilität hinsichtlich Arbeitsort und Leistungsbereitschaft verlangt.« Die Situation der Hochschüler zu verbessern, sei Aufgabe von Bildungseinrichtungen, der Politik und Arbeitgebern, so Klusen.

 

Probleme bei älteren Studierenden

 

Für den Gesundheitsreport hat die Techniker Krankenkasse Daten von 135 000 TK-versicherten Studenten zwischen 20 und 35 Jahren ausgewertet. Auffallend ist, dass die Diagnoseraten für seelische Leiden bei den angehenden Akademikern zwischen 20 und 25 Jahren leicht unter denen gleichaltriger Beschäftigter liegen. Junge Erwerbstätige in diesem Alter leiden demnach etwas häufiger unter psychischen Störungen als Studenten. Ab dem 26. Lebensjahr kehrt sich das Verhältnis jedoch um. »In diesem Alter wächst der Druck, das Studium zu beenden«, vermutet Schulz. Zudem müssten viele Studierende in dieser Altersgruppe bereits Uni, Job und Familie miteinander vereinen.

 

Auch Thomas Grobe vom Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitssystemforschung in Hannover sagte, ab einem Alter von 25 Jahren steige die Einnahme von Antidepressiva deutlich an. Insgesamt hätte sich der Anteil der Hochschüler, die Antidepressiva bekommen, in den vergangenen vier Jahren um mehr als 40 Prozent erhöht. Neben Depressionen zählten Angst- und Belastungsstörungen zu den häufigsten psychischen Leiden unter Studierenden. / 

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