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Behandlungsfehler

Statistik für 2009 liegt vor

06.07.2010  14:45 Uhr

Von Martina Janning, Berlin / Die Zahl der Behandlungsfehler bewegte sich 2009 auf dem Niveau des Vorjahres, berichtet die Bundesärztekammer. Bei der Pharmakotherapie profitieren Kliniken und Patienten davon, dass Krankenhausapotheker mehr einbezogen werden als früher.

Die Zahl der Ärztefehler in Deutschland ist im Jahr 2009 konstant geblieben. In 1771 (29,4 Prozent) der insgesamt 7424 zu prüfenden Fälle, die die Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Ärzteschaft im vorigen Jahr bearbeiteten, lag tatsächlich ein Behandlungsfehler vor. Bei 654 Fällen (36,4 Prozent) resultierte daraus ein dauerhafter Gesundheitsschaden. Weitere 91 Patienten (5,1 Prozent) starben durch Behandlungsfehler. Das ergibt sich aus der Statistik, die die Bundesärztekammer (BÄK) im Juni in Berlin vorstellte.

Die meisten Fehlbehandlungen gab es demnach bei Hüft- und Kniegelenk­arthro­sen sowie Brüchen von Armen, Beinen und Sprunggelenken. Das war in den Vorjahren genauso. Am häufigs­ten passieren Fehler in der Unfall­chirur­gie, aber auch in der Allge­meinmedizin kommen sie vor. Hier liege das vor allem daran, dass »Hausärzte zu lange selbst herumdoktern, bevor sie Patien­ten an einen Facharzt überweisen«, erklärte Johann Neu, Geschäftsführer der Schlichtungsstelle für Arzthaft­pflicht­fragen der norddeutschen Ärztekammer.

 

Fehler bei der Pharmakotherapie lagen 2009 an sechster Stelle der Beanstandungen von Patienten; ihre Zahl sank von 648 im Jahr 2008 auf 605. Wie viele davon berechtigt waren und zu Schadensersatz führten, sagte die BÄK nicht. Sie stellte aber eine Auswertung der Medikationsfehler im Zeitraum von 2000 bis 2009 für ihre norddeutsche Schlichtungsstelle vor. Demnach kam es in 2610 von 26 473 Beanstandungen zu einem Schaden. In 311 Fällen (11,9 Prozent) war er das Ergebnis einer Fehlbehandlung.

 

Um die Medikamentengabe in der risikoreichen Intensivmedizin sicherer zu machen, sprach sich Professor Dr. Walter Schaffartzik, Ärztlicher Leiter des Unfallkrankenhauses Berlin, für eine einheitliche Farbkodierung von Arzneimitteln aus. Er plädierte zudem für den Einsatz der elek­tronischen Datenverarbeitung, um Unverträglichkeiten beim Verabreichen mehrerer Arzneien zu überprüfen. Ferner könnten Computersysteme Fehler minimieren, die durch die bisher gängigen Handschriftnotizen in den Krankenakten entstehen. Schaffartzik betonte, dass die Pharmako-Therapie in Kliniken deutlich sicherer geworden sei, weil Krankenhausapotheker heute besser eingebunden würden. /

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