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Lebensstil verändert Genexpression

01.07.2008
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Lebensstil verändert Genexpression

Von Christina Hohmann

 

Ernährung und körperliche Aktivität beeinflussen die Aktivität von Genen. So reguliert eine gesunde Lebensweise Gene hoch, die vor Krebs schützen. Übergewicht und Bewegungsmangel dagegen senken die Expression von Genen der Energiegewinnung und können so eine Insulinresistenz hervorrufen.

 

Der Lebensstil scheint mehr als die genetische Ausstattung dafür verantwortlich zu sein, dass Menschen eine Insulinresistenz entwickeln. Dies ergab zumindest eine finnische Studie mit 24 eineiigen Zwillingspärchen. Linda Mustelin und ihre Kollegen von der Klinik der Universität Helsinki hatten für ihre Untersuchung 14 Zwillingspaare gewonnen, die sich vom Gewicht her deutlich unterschieden (ein Zwilling war adipös, der andere nicht), sowie zehn Paare, die in etwa gleiches Gewicht aufwiesen. Bei den ungleichen Paaren zeigte sich, dass der adipöse Zwilling eine signifikant niedrigere körperliche Fitness und Insulinsensitivität aufwies als der schlanke Zwilling. Zudem zeigten sie deutlich niedrigere Transkriptionslevel der Gene der mitochondrialen oxidativen Phosphorylierung, die Zellen für die Energiegewinnung benötigen. Bei den gleichgewichtigen Zwillingspaaren waren solche Unterschiede nicht festzustellen, berichten die Forscher im »American Journal of Physiology-Endocrinology and Metabolism« (Doi: 10.1152/ajpendo.00580.2007).

 

Die Daten legen nahe, dass Übergewicht und die daraus resultierende körperliche Inaktivität zu den Defekten in der mitochondrialen oxidativen Phosphorylierung beigetragen haben, die von Typ-2-Diabetikern bekannt sind, schreiben die Forscher. Als nächsten Schritt wollen sie in einer klinischen Studie testen, ob eine Veränderung des Lebensstils die Genexpression beeinflussen kann. Genau dies ist einer US-amerikanischen Gruppe bereits gelungen - allerdings für Krebsgene. Forscher um Dean Ornish von der University of California hatten in einer Pilotstudie 30 Männer mit einer frühen Form von Prostatakrebs rekrutiert. Diese mussten ihren Lebensstil für die Untersuchung radikal umstellen: Sie ernährten sich gesund, trieben Sport, machten Stress-Management-Kurse und unterwarfen sich einer Psychotherapie. Die Mediziner entnahmen den Probanden sowohl vor, als auch drei Monate nach dieser Intervention Biopsien der Prostata. In diesen konnten die Forscher Veränderungen der Expression für mehrere Hundert Gene nachweisen, berichten Ornish und seine Kollegen im Fachjournal »PNAS« (Doi: 10.1073/pnas.0803080105). Einige für die Tumorbildung essenzielle Gene waren herunterreguliert worden, dagegen waren einige krebsbekämpfende Gene aktiver als vor der Lebensstilumstellung.

 

Diese Ergebnisse könnten auch für andere Tumorarten gelten, vermuten die Forscher. Zwei der Gene, die durch die Lebensstilveränderungen herunterreguliert wurden, RAN und Shoc2, sind auch in vielen anderen Tumoren wie Brust- und Darmkrebs zu finden. Noch sei es zu früh, um den Antitumoreffekt zu bewerten. Größere Langzeitstudien würden benötigt, um zu bestimmen, ob die genetischen Veränderungen wirklich Krebs verhindern können.

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