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ARMIN läuft

29.06.2016
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Die Bundesregierung wird gerade von Ärzten und Apothekern rechts überholt. Während sich das Bundesgesundheitsministerium mit dem digitalen Medikationsplan Zeit lässt, machen die Heilberufler aus Thüringen und Sachsen gemeinsam mit der AOK plus Nägel mit Köpfen. Ab dem 1. Juli können sich die ersten AOK-plus-Patienten bei ihrem Arzt und ihrem Apotheker für die Arzneimittelinitiative ARMIN einschreiben, vorausgesetzt, sie nehmen regelmäßig mindestens fünf Medikamente ein. Sechs Jahre nach dem Startschuss im Jahr 2010 wird das von Apothekern, Ärzten und AOK plus unter dem Namen ABDA-KBV-Modell entwickelte Modellprojekt Teil der ambulanten Versorgung. Das ist ein großer Erfolg für die Initiatoren.

 

Sechs Jahre bis zum ersten eingeschriebenen Patienten ist eine lange Zeit. Tatsächlich mussten Apotheker und Ärzte bei ARMIN Ausdauer, Dickfelligkeit und Zuversicht beweisen. Vor allem die Zweifler in den eigenen Reihen machten es den Heilberuflern nicht leicht. Ärzte und Apotheker sehen den jeweils anderen Berufsstand nicht ausschließlich als Partner. Großen Anteil am bisherigen Erfolg haben die Ärzte und Apotheker in Sachsen und Thüringen. Dort ist das gegenseitige Verständnis größer als in vielen anderen Bundesländern.

 

Der aktuelle Stand von ARMIN lässt die Bundesregierung schlecht aussehen. Ärzte und Apotheker haben sich intensiv mit digitalisierter Kommunikation auseinandergesetzt. Deshalb können Apotheken- und Praxis-EDV nun miteinander kommunizieren. Minister Gröhes Medikationsplan kommt im Herbst und vorerst nur auf Papier. Das E-Health-Gesetz wurde vor seinem Start bereits überholt. ARMIN läuft, und zwar schnell.

 

Für den ganz großen Jubel ist es allerdings noch zu früh. Mit dem Start der Einschreibephase hat das Projekt zwar seinen Platz in der ambulanten Versorgung eingenommen. Ein wirklicher Erfolg ist ARMIN aber erst, wenn andere Krankenkassen ab 2017 in das Modellprojekt einsteigen und dieses ein paar Jahre später Teil der Regelversorgung wird. Die Chancen dafür stehen gut. Apotheker, Ärzte und AOK haben einen maximalen ­Beitrag dazu geleistet, dass ARMIN die ambulante Versorgung und die Zusammenarbeit der Akteure verändert.

 

Daniel Rücker

Chefredakteur

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