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Gesundheitswirtschaft

Deutsche Medizintechnik für die Welt

29.06.2011
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Von Martina Janning, Berlin / Medizintechnische Geräte aus Deutschland sind international gefragt. Um das Exportgeschäft weiter anzukurbeln, will die Bundesregierung die MedTech-Branche mit verschiedenen Programmen fördern. Auch der Marktzugang in Deutschland soll leichter werden.

Der Auftakt war groß: Gleich drei Bundesministerien hatten Staatssekretäre zur Eröffnung der »Zukunftskonferenz Medizintechnik« geschickt. Das unterstrich die Absicht der Veranstaltung, die vorige Woche in Berlin stattfand. Sie sollte der Startschuss sein für einen Strategieprozess, an dem sich die Ressorts Wirtschaft, Forschung und Gesundheit gleichermaßen beteiligen, um der Medizintechnik in Deutschland einen Schub zu geben.

Bereits heute ist Medizintechnik ein großer Wirtschaftsfaktor hierzulande. Die Branche bringt es auf rund 20 Milliarden Euro Gesamtumsatz in Deutschland. Sie beschäftigt 170 000 Menschen. Und jeder Job sichert 0,75 Arbeitsplätze in anderen Bereichen, hat eine vom Bundeswirtschafsministerium beauftragte Untersuchung ergeben.

 

Wachstum durch Medizintechnik

 

»Medizintechnik kann ein Wachstumstreiber der Gesellschaft sein«, sagte der parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Helge Braun (CDU). Gesundheitsleistungen seien relativ unabhängig von der Konjunktur. Der demografische Wandel, durch den der Anteil alter Menschen in der Bevölkerung wächst, lasse die Nachfrage nach medizintechnischen Angeboten wahrscheinlich noch steigen. »Deshalb sollten wir die Branche mit allen Chancen ausstatten.«

 

Der Bund wolle deshalb die Forschung in kleinen und mittleren Medizintechnik-Firmen stärken. Sie sollen einen besseren Zugang zur Forschungsförderung erhalten. Dafür stelle die Bundesregierung jährlich zehn Millionen Euro im Programm »KMU-innovativ Medizintechnik« zur Verfügung, erklärte Braun in Berlin. Denn kleinen und mittleren Unternehmen falle es oft schwer, die mit Forschungen verbundenen wirtschaftlichen Risiken zu schultern.

 

Das Programm »KMU-innovativ Medizintechnik« vereinfache das Beantragen und Bewilligen von Fördermitteln. Es ist der achte Zukunftsbereich, den das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert. »Wir wollen Innovationsprozesse beschleunigen, die Medizintechnik-Industrie stärken und die Patientenversorgung verbessern«, sagte Braun.

 

Entwicklungschancen für die Medizintechnikbranche sieht Ernst Burgbacher (FDP), parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi), vor allem im Export – obwohl die Quote schon bei knapp 65 Prozent liegt. »Wir denken, dass es hier noch mehr Potenzial gibt. Viele Länder suchen komplexe Produkte wie ein ganzes Krankenhaus.« Um die Medtech-Hersteller zu unterstützen, will das BMWi über die »Exportinitiative Gesundheitswirtschaft« umfangreiche und detaillierte Informationen über die Zielmärkte sammeln und zur Verfügung stellen. Im Anschluss sollen zum Beispiel Zulassungsregeln und zollrechtliche Vorschriften zusammengetragen werden.

 

Deutsche Fachkräfte zurückholen

 

Als Wachstumsbremse bezeichnete Burgbacher den Mangel an Fachkräften. Ein Schritt, um den Bedarf an Personal zu decken, sei es, ins Ausland abgewan- derte Deutsche zurückzugewinnen. Schätzungen zufolge arbeiten mindestens 200 000 hoch qualifizierte Deutsche derzeit in den USA, der Schweiz und Europa.

 

Allzu optimistischen Zukunftsprognosen für die Medizintechnikbranche erteilte der parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit, Thomas Ilka, jedoch einen Dämpfer. »Das Gesundheitssystem kann nicht alles Neue wahllos finanzieren«, sagte er. Ilka betonte, dass die Gesetzliche Krankenversicherung 70 Prozent der medizintechnischen Leistungen finanziere.

 

Der Marktzugang für Medizintechnik sei gut in Deutschland, sagte Ilka. »Trotzdem möchten wir die Rahmenbedingungen verbessern.« Das soll mit dem geplanten Versorgungsgesetz geschehen. Demnach hat der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) künftig die Möglichkeit, vielversprechende neuartige Untersuchungs- und Behandlungsmethoden in der Versorgungspraxis zu erproben. Der Test soll zeitlich begrenzt sein und unter strukturierten Bedingungen erfolgen. »Damit erhält der Gemeinsame Bundesausschuss ein neues Instrument für die Bewertung von Methoden, deren Nutzen nicht oder noch nicht ausreichend belegt ist«, erklärte Ilka.

 

Hersteller von Medizintechnik bemängelten auf den Kongress vor allem, dass die Bewertung von medizintechnischen Neuheiten durch den GBA zu lange dauere. »Wir wollen eine Entscheidung innerhalb von zwei Jahren«, sagte Matthias Borst, Vorstandvorsitzender des Verbands der Diagnostica-Industrie (VDGH).

 

Einsparpotenziale berücksichtigen

 

Borst forderte klare Rahmenbedingungen. »Der GBA muss aufzeigen, wann und wie bewertet wird.« Ansonsten sei es für Unternehmen unmöglich zu planen und ihr Überleben zu sichern.

 

Bei der Bewertung, ob Krankenkassen die Kosten für ein neues medizintechnisches Verfahren übernehmen, müssten langfristige Einsparpotenziale eine Rolle spielen, sagte Dr. Meinrad Lugan, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Medizintechnik. Aber auch eine Verbesserung der Versorgung sollte nach seiner Ansicht Berücksichtigung finden.  /

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