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Arzneimittelausgaben

Unsichere Datenlage

26.06.2007
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Arzneimittelausgaben

Unsichere Datenlage

Von Thomas Bellartz

 

Der Bundesverband der Betriebskrankenkassen (BKK) geht für das laufende Jahr von Kostensteigerungen im Arzneimittelsektor von rund 8,4 Prozent aus. Einzig bei den Apotheken werde im Vergleich zum Vorjahr gespart, hieß es. Der Regierung sind die Schätzungen allerdings noch zu vage.

 

Der BKK-Prognose zufolge müssen sich die gesetzlichen Krankenkassen in diesem Jahr wieder auf deutlich steigende Arzneimittelausgaben einstellen. Es sei mit einem Anstieg um 2,1 Milliarden auf rund 27,1 Milliarden Euro zu rechnen, sagte der Vorstandschef des BKK-Bundesverbandes, Wolfgang Schmeinck, am vergangenen Mittwoch in Berlin. Das entspreche einem Plus von 8,4 Prozent. Das Bundesgesundheitsministerium wies die Prognose als »reine Spekulation« zurück.

 

Im vergangenen Jahr waren die Ausgaben nachBKK- Angaben nur um 1,6 Prozent angestiegen. Die Strukturkomponente schlägt nun erneut ins Kontor. Denn die Ursachen seien unter anderem der Trend zur Verschreibung neuer und teurer Medikamente sowie die Mehrwertsteuererhöhung zu Jahresbeginn, hieß es. Patienten müssten allerdings nicht mit höheren Zuzahlungen rechnen. Auch höhere Krankenkassenbeiträge seien nicht zu befürchten, da diese Entwicklung bereits zu Jahresbeginn eingepreist worden sei. Die 2,1 Milliarden Euro Mehrkosten entsprechen rein rechnerisch rund 0,2 Beitragssatzpunkten. Es sei allerdings kein »Beitragssatzdruck im Kessel«, sagte Schmeinck.

 

Die Erhöhung der Mehrwertsteuer zum 1. Januar 2007 schlägt nach den Berechnungen des BKK-Bundesverbandes in diesem Jahr mit rund 750 Millionen Euro zu Buche, die Verordnung neuer und teurer Arzneimittel mit 1,2 Milliarden Euro. Hinzu kommt ein Plus von 630 Millionen Euro, das der Verband mit einer Mengenausweitung erklärt. Allerdings waren auch die BKK-Sachverständigen in Erklärungsnot, wie diese Mehrkosten tatsächlich zustande kommen. Erneute Kritik wurde daher sicherheitshalber am Pharmamarketing bei den Ärzten geübt.

 

Den Ausgabenzuwächsen stünden indes Einsparungen von rund 280 Millionen Euro in Folge der Gesundheitsreform entgegen. Dies reiche aber nicht aus, um den Ausgabenanstieg wirksam zu bremsen, sagte Schmeinck.

 

Für kräftige Einsparungen sorgte laut BKK auch das 2006 in Kraft getretene Arzneimittelsparpaket. Zulassungsbefreiungen hätten allein die Patienten innerhalb von acht Monaten um 78 Millionen Euro entlastet. Die Kassen selbst sparten deshalb rund 55 Millionen Euro.

 

Die ABDA - Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände bestätigte weitgehend die Einschätzung des BKK-Bundesverbandes. Danach »leisten die rund 21.500 unabhängigen Apotheken einen wesentlichen Beitrag zur Stabilisierung der Arzneimittelausgaben im Jahr 2007«.

 

»Mit dem erhöhten Rabatt der Apotheken an die Krankenkassen steuern wir unseren Anteil dazu bei, dass die Ausgabensteigerung im Gesundheitswesen begrenzt wird«, sagte ABDA-Präsident Heinz-Günter Wolf. Auf die ausgabentreibenden Faktoren Strukturkomponente und Mehrwertsteuer hatte die ABDA im Mai bereits in ihrem Apothekenwirtschaftsbericht 2006 hingewiesen. Nach den zuletzt am 31. Mai veröffentlichten Monatszahlen der ABDA trug die erhöhte Mehrwertsteuer fast die Hälfte zur Ausgabensteigerung bei.

 

Vor wenigen Tagen hatte der Sozialverband VdK in Berlin seine Forderung nach Abschaffung der Mehrwertsteuer auf Arzneimittel erneuert. Mehr als zwei Millionen Unterschriften waren dafür gesammelt worden.

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