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Studie

Freigabe von Medizinalhanf erhöht nicht den illegalen Konsum

17.06.2015  10:18 Uhr

Von Daniela Hüttemann / Die Legalisierung von medizinischem Marihuana erhöht den Gebrauch unter Heranwachsenden nicht. Das ist das Ergebnis einer Langzeitstudie aus den USA, die jetzt im Fachjournal »The Lancet Psychiatry« erschien (DOI: 10.1016/S2215-0366(15)00217-5).

 

In der aktuellen Diskussion in Deutschland um die Legalisierung von Cannabis zu medizinischen Zwecken dürfte es den Befürwortern als Argument dienen. Denn die Kritiker hatten stets davor gewarnt, dass die Freigabe zu einem erhöhten Konsum von Cannabis als Sucht- oder Genussmittel führen könnte, gerade bei Jugendlichen.

Diesen Effekt konnten die Epidemiologen der Columbia-Universität in New York nicht belegen. Sie analysierten für die Studie die Daten von mehr als 1 Million Schülern im Alter von 13 bis 18 Jahren aus den Jahren 1991 bis 2014. In dieser Zeit hatten 21 US-Bundesstaaten die Nutzung von Marihuana für medizinische Zwecke legalisiert. Ein Konsumanstieg bei den jugendlichen Einwohnern war dabei nicht festzustellen. Allerdings bemerkten die Forscher, dass die Teenager bereits vor der Legalisierung mehr Marihuana konsumierten als in restriktiveren Bundesstaaten (Prävalenz 15,9 versus 13,3 Prozent).

 

Für diesen Unterschied hatten die Studienautoren keine Erklärung. Sie mahnen weitere Forschung zu der Frage an, welche Faktoren zum Konsum bei Jugendlichen führen. Es gilt als Konsens, dass ein erhöhter Cannabis-Konsum während der Hirnreifungsphase zu Langzeitschäden führen kann. Aus wissenschaftlicher Sicht ist das jedoch kein Argument, chronisch Kranken Cannabis-Produkte zu therapeutischen Zwecken vorzuenthalten. /

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