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Eisen

Der Stoff für Leistungskraft

17.06.2015
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Von Nicole Schuster / Der Körper braucht das Spurenelement Eisen zur Sauerstoffversorgung. Eine unzureichende Zufuhr oder erhöhte Verluste können zur Anämie führen. Leitsymptome sind Blässe, Müdigkeit und Schwäche. Von einer Substitution ohne ärztliche Kontrolle ist abzuraten.

Eisen ist erforderlich, um Sauerstoff im Blut zu binden und in die Gewebe zu transportieren. Als Zentralatom im Porphyringerüst ist es der Grundbaustein des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin, des Muskelfarbstoffs Myoglobin und verschiedener Enzyme. Mehr als 70 Prozent des Bedarfs dienen allein der Bildung von Hämoglobin.

 

Nur ein Zehntel wird resorbiert


Täglich benötigt ein Erwachsener 1 bis 1,5 mg Eisen. Bei Schwangeren sind es sogar etwa 3 mg, bei Stillenden circa 2 mg. Da aber nur etwa ein Zehntel der aufgenommenen Menge im Darm tatsächlich resorbiert wird, muss die Zufuhr deutlich höher sein. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät gesunden Erwachsenen, täglich mindestens 10 mg des Spurenelements zuzuführen.

In der Nahrung ist Eisen vor allem in Fleisch und Innereien, Vollkornprodukten, Gemüse und Hülsenfrüchten enthalten. Allgemein gilt, dass der Körper Eisen aus tierischen Quellen besser aufnehmen kann als aus pflanzlichen. Eine gleichzeitige Zufuhr von Vitamin C verbessert die Resorption, während Gerbstoffe, etwa aus Kaffee oder schwarzem Tee, Calcium, beispielsweise aus Milch, oder Oxalsäure in Rhabarber oder Spinat sie verringern.

 

Eisenmangel ist die weltweit am weitesten verbreitete Mangelerkrankung. In Deutschland leiden etwa 8 Prozent der Bevölkerung darunter; vor allem Frauen im gebärfähigen Alter sind betroffen. Es kommen grundsätzlich drei Auslöser infrage.

 

Oft ist der Grund eine im Verhältnis zum Bedarf zu geringe Zufuhr. Das trifft zum Beispiel häufig in Schwangerschaft und Stillzeit zu. Auch Sportler brauchen mehr Eisen. Ihr Energie- und Sauerstoffumsatz ist erhöht und lässt den Körper mehr Hämoglobin und Blut produzieren. Zudem geht bei Menschen, die viel Sport treiben oder körperlich hart arbeiten, Eisen durch vermehrte Schweißbildung verloren: 1,2 mg sind in jedem Liter Schweiß enthalten. Auch Vegetarier und Veganer sind oft unterversorgt. Bei ihnen kann der Mangel zum einen darauf zurückgehen, dass sie zu wenig Eisenquellen aufnehmen, zum anderen darauf, dass der Körper den Mineralstoff aus pflanzlichen Nahrungsmitteln nicht so gut aufnehmen kann.

 

Eine andere mögliche Ursache ist ein erhöhter Verlust, von dem vor allem Frauen mit starker Menstruations­blutung bedroht sind. Aber auch bei chronischen Blutungen im Magen-Darm-Trakt, Blutspenden, Unfällen oder Operationen geht Eisen verloren. Schließlich kann auch eine gestörte Aufnahme einen Mangel verursachen. Darunter leiden etwa Menschen, die eine Darmoperation hinter sich haben, zu wenig Magensäure bilden oder mit chronischen Durchfällen oder chronisch-entzündlichen Darmkrankheiten. Weiterhin können bestimmte Medikamente wie etwa Acetylsalicylsäure, Antazida oder Lipidsenker die Eisen­resorption behindern.

 

Stille Reserven

 

Eine gewisse Menge Eisen – etwa 3 bis 5 g – kann der Körper speichern. Es wird gebunden an die Eiweiße Hämosiderin und Ferritin in Leber, Knochenmark, Milz und Muskulatur eingelagert. Sind solche Reserven vorhanden, kann der Körper einen kurzzeitigen Mangel ausgleichen. Wenn die Reserven aufgebraucht sind, wird zunächst die Neubildung der roten Blutkörperchen zurückgefahren.

 

Symptome einer schleichend entstehenden Eisenmangelanämie sind Erschöpfung, Müdigkeit, Vergesslichkeit, Nervosität, aber auch Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Kälteempfindlichkeit und ein allgemeiner Leistungsabfall. Zu den äußerlich sichtbaren Anzeichen gehören blasse Haut, rissige Lippen, Haarausfall und brüchige Fingernägel. Viele Betroffene leiden zudem unter Kurz­atmigkeit, Magen-Darm-Beschwerden, erhöhter Infektanfälligkeit und Schwächeanfällen. Eine schwere Blutarmut äußert sich mit Sehproblemen, Atemnot, Benommenheit, Herzrasen und Herzschwäche sowie bei Frauen auch einem Ausbleiben der Menstruation.

 

Niedrige Hämoglobin- und Hämatokrit-Werte geben lediglich Hinweise auf einen Eisenmangel. »Aussagekräftig ist vor allem die Transferrinsättigung, ein Maß für die Eisenbeladung der Transporteiweiße im Blut«, sagte Dr. Wolfgang Abenhardt vom MVZ Onkologie im Elisenhof in München der PZ. Das Glykoprotein Transferrin hat zwei Bindungsstellen für Eisen-Ionen und transportiert das Metall im Blut. Als Normalwert gilt eine Transferrinsättigung von etwa 25 bis 30 Prozent.

 

Der Serum-Ferritin-Wert, der das organgebundene Depot-Eisen beschreibt, sollte nicht als Bezugsgröße dienen, da er bei chronischen Leberkrankheiten oder systemischen Entzündungen normal oder erhöht ist. Die dann angezeigte Eisenreserve kann der Körper aber nicht zur Blutbildung nutzen. Mediziner sprechen von einem funktionellen Eisenmangel.

 

Nicht selbstständig substituieren

 

Zur Diagnose ist es laut Abenhardt erforderlich, die Anamnese einzubeziehen. Wichtig ist unter anderem der Ausschluss von Krankheitsbildern, die ähnliche Symptome verursachen können. In vereinzelten Fällen muss der Arzt sogar eine Knochenmarkprobe entnehmen und diese gezielt untersuchen.

 

»Ein kurzfristiger Eisenmangel ist an sich nicht gefährlich und auch nicht zwingend behandlungsbedürftig«, weiß der Internist. Kritisch sei aber, wenn ständig zu wenig Eisen zur Verfügung stehe. »Gewisse Reserven sollten vorhanden sein. Das ist bei einem Ferritin-Wert von 200 µg/l aufwärts beziehungsweise mindestens 20 Prozent Eisensättigung im Blut der Fall.«

 

Für die Behandlung ist die Ursache entscheidend. Frauen mit einer ständig zu starken Regelblutung könnten die Einnahme der Pille erwägen. Liegen Blutverluste bei Geschwüren, Entzündungen oder Karzinomen des Magens oder Darms vor, müssen diese diagnostiziert und behandelt werden. »Bei einer Eisenaufnahmestörung im Darm, einer sogenannten Maldigestion, und bei regelmäßig stark reduzierter Eisenreserve sind Injektionen als parenterale Substitution erforderlich«, sagte Abenhardt. Der Arzt sollte hier darauf achten, dass das Element in Form eines lang verfügbaren (dextranfreien) Eisen-Kohlenhydrat-Komplexes gegeben werde. Bei anderen Präparaten seien längere Infusionszeiten erforderlich, zudem bestehe das Risiko allergischer Reaktionen.

 

Um leicht erniedrigte Eisenspiegel anzuheben, kann neben einer ausgewogenen Ernährung die Einnahme entsprechender Präparate helfen. Wichtig ist hier, dass der Arzt mehrfach die Blutwerte kontrolliert und zur Einnahme der Medikamente rät. Mittel der Wahl ist Eisen(II)-Sulfat. Dragees, Kapseln oder Tabletten sind jedoch nicht immer gut verträglich und können zu Verdauungsproblemen führen. Zudem sollte der Apotheker darauf hinweisen, dass sich der Stuhl dunkel bis schwarz färben kann.

 

Vorsicht bei angereicherten Lebensmitteln

 

Einige Patienten könnten alternativ auch zu Lebensmitteln mit künstlicher Eisenanreicherung wie Frühstücksflocken, Säften oder Müsliriegeln greifen wollen. Das Referat Lebensmittel und Ernährung der Verbraucherzentrale Bayern warnt jedoch gegenüber der PZ: »Akut hohe Eisendosen aus angereicherten Lebensmitteln wirken sich negativ auf den Stoffwechsel anderer Spurenelemente wie Zink aus und können die Magen- und Darmschleimhaut verändern. Das hat häufig Erbrechen, Durchfall und Fieber zur Folge.«

 

Bei einer anhaltenden Überdosierung nähmen zudem Nieren und Leber Schaden und das Risiko für Herz- oder Krebserkrankungen erhöhe sich. Zudem bestehe die Gefahr, dass möglicherweise vorliegende innere Blutungen unbemerkt blieben und Krankheiten wie Geschwüre oder Krebs nicht oder erst spät zu einem Arztbesuch führen. /

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