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Ausstellung

Blick hinter die Fassade

26.07.2013
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Von Ulrike Abel-Wanek / Anlässlich des ABDA-Sommerfestes am kommenden Dienstag in Berlin wird eine Skulpturen- Ausstellung der Apothekerin und Künstlerin Kristin Kolb eröffnet. Die faszinierend lebensechten und anatomisch genauen Plastiken werden zwei Monate im Deutschen Apothekerhaus zu sehen sein.

Es sind die alten Meister, die Kristin Kolb inspirieren. Vor allem biblische Motive und Themen der antiken Mythologie greift sie auf und überträgt sie in die heutige Zeit. Ästhetisch schön sind die Figuren, die die Berliner Künstlerin modelliert. Bei näherer Betrachtung entdeckt man jedoch auch die weniger schönen Seiten der menschlichen Existenz. »Ich will Skulpturen schaffen, die durch genaues Hinschauen leben und dem Betrachter auch den Blick auf die Spuren innerer mensch­licher Konflikte gewähren«, so die Künstlerin. Oberflächlichkeit und die Reduktion auf äußeren Schein und Status­symbole sind nicht ihre Sache.

Kolb arbeitet spontan, »aus dem Bauch heraus«, ihre Ideen werden nicht über Monate oder Jahre durch Skizzen oder Zeichnungen vorbereitet. Anregungen für ihre Arbeiten findet sie in Stillleben der klassischen holländischen Malerei ebenso wie in Goethes Faust oder an den Gebäudefassaden des Straßburger Münsters. Zur Umsetzung ihrer Idee holt sie sich meistens ein »Modellkind« hinzu. »Jedes Kind bringt seinen eigenen Typ und Charakter mit. Durch die Kombination meiner Idee und der Natur des Kindes entwickeln sich authentische Skulpturen, die Spielraum bieten für eigene Interpretationen«, sagt Kolb. So könne man in der Skulptur »Die Verführung« die klassische Eva sehen, die Verführerin mit der Schlange, die Verführung der törichten Jungfrau, aber genauso gut die schöne Helena aus der griechischen Mythologie. Als große Gotik-Bewunderin hat die Künstlerin bei dieser Skulptur den gotischen Faltenwurf modelliert. Immer wieder ordnet Kolbe ihren Skulpturen auch Vögel und andere Tiere als Symbolfiguren bei. So steht das erlegte Wild auf dem Rücken des »Jägers« für Besitz und Macht, aber auch für den Stolz des Jägers auf seine Beute.

 

Die 1962 in Braunschweig geborene Kolb studierte in ihrer Heimatstadt Pharmazie und arbeitete von der Approbation 1989 bis 2010 in Braunschweig und Berlin als Apothekerin. Seit 2010 ist sie auschließlich Bildhauerin. Aber es gibt Parallelen zwischen ihrem erlernten Beruf und ihrer Art zu modellieren: »Als Apothekerin bin ich es gewohnt, sehr exakt zu arbeiten und auf die vierte Stelle hinter dem Komma abzuwiegen. Präzision im erlernten Beruf und Präzision in der Bildhauerei, anders könnte ich gar nicht arbeiten«. /

 

Insgesamt 12 Skulpturen sind im Deutschen Apothekerhaus ab Dienstag, den 25. Juni 2013 für zwei Monate zu sehen. Weitere Informationen unter www.kristinkolb.de.

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