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Metformin

Warnung vor Laktatazidose berechtigt

21.06.2011
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Von Daniela Biermann / Das Antidiabetikum Metformin löst zwar nur selten eine Laktat­azidose aus, diese endet jedoch oft tödlich. Daher hält das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) an den bestehenden Warnhinweisen und Kontraindikationen fest, heißt es im aktuellen »Bulletin für Arzneimittelsicherheit«.

Die potenziell tödliche Nebenwirkung trat in den vergangenen zehn Jahren vermehrt auf, allerdings stiegen auch die Verordnungszahlen. Von 2002 bis 2008 wurden in der EU 37 Todesfälle unter Metformin gemeldet, von denen 29 durch eine Laktatazidose bedingt waren – trotz intensivierter Warnhinweise. Das BfArM geht davon aus, dass Ärzte bei der Verschreibung die Kontraindikationen nicht beachtet haben.

 

Der genaue Wirkmechanismus von Metformin ist auch nach fast 40 Jahren in der Therapie noch nicht geklärt. Vermutlich hemmt es die Gluconeogenese in der Leber. Als Baustein für Glucose verwendet diese Laktat, das bei anaerober Verstoffwechslung anfällt. So könnte Metformin indirekt bewirken, dass Laktat nicht abgebaut wird. Gefährdet für eine Laktatazidose sind daher vor allem Patienten mit eingeschränkter Leber- und Nierenfunktion. Ein Risiko sind auch Krankheiten, bei denen es zu einer Gewebe­hypoxie kommt, wie Herzinsuffizienz oder Lungenembolie, Infarkte und Schockzustände. Werden diese Kontra­indikationen beachtet, gilt Metformin weiterhin als sicheres Arzneimittel.

 

Problematisch bei der Laktatazidose ist, dass sie unspezifisch beginnt. Der Patient verspürt Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, Müdigkeit, Unruhe, Atemnot sowie Fieber und Kreislaufstörungen. Rund die Hälfte der Fälle verläuft tödlich, da intensivmedizinische Betreuung oft zu spät einsetzt. Metformin ist das letzte Biguanid auf dem Markt. Andere Wirkstoffe dieser Klasse gingen bereits in den 1970er- und 1980er-Jahren aufgrund von Todesfällen durch Laktatazidose vom Markt. / 

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