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Pädiatrie

Kinderärzte fordern neues Vorsorgeprogramm

21.06.2011
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Von Stephanie Schersch, Berlin / Kinder und Jugendliche leiden immer häufiger unter Übergewicht, Sprachproblemen und Depressionen. Ärzte fordern eine Reform der Vorsorgeuntersuchungen, um diese Probleme in den Griff zu bekommen.

»Das heutige Vorsorgeprogramm reicht nicht mehr aus, um Krankheiten rechzeitig zu verhindern«, sagte Dr. Wolfram Hartmann, Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), in Berlin.

Die Probleme der Kinder sind heute andere als noch vor einigen Jahren. Studien zufolge haben rund 15 Prozent Übergewicht, 6 Prozent sind sogar krankhaft dick. Aber auch psychische Erkrankungen spielen eine immer größere Rolle. Bis zu 7 Prozent der Kinder unter sechs Jahre leiden nach Angaben der Ärzte unter Depressionen. Angststörungen, Aufmerksamkeitsdefizite und Sprachprobleme bei Kindern und Jugendlichen nehmen ebenfalls zu.

 

Die heutigen Vorsorgeuntersuchungen wurden bereits 1971 eingeführt. Dabei geht es vor allem um die körperliche Entwicklung des Kindes und Impfungen. Zwar loben die Kinderärzte das deutsche Programm als weltweit vorbildlich. Rund 90 Prozent der Kinder nehmen daran teil. Aber: »Wir brauchen andere Beratungen, nicht nur organischer, sondern auch sozialer Natur«, sagte der Berliner Kinderarzt und BVKJ-Sprecher Dr. Ulrich Fegeler.

 

Mit Sorge sehen die Ärzte auch die Vorsorgelücke im Grundschulalter. Nicht alle Krankenkassen übernehmen die Untersuchungen zwischen dem sechsten und dem zehnten Lebensjahr. Bei diesen Checks stehen unter anderem die soziale Kompetenz und das Medienverhalten der Kinder auf dem Prüfstand. Auch auf Lese-, Rechtschreib- und Rechenschwächen wird getestet.

 

Kritik übte Verbandschef Hartmann in diesem Zusammenhang an Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP). Dieser kümmere sich zu wenig um die gesundheitliche Prävention im Kindesalter. »Die FDP setzt auf die Selbstverantwortung der Eltern und nicht auf Hilfe von außen.«

 

Die Kinder- und Jugendärzte sprachen sich zudem für eine Impfpflicht aus. In Deutschland entscheiden die Eltern selbst, ob sie ihr Kind impfen lassen wollen. In diesem Jahr seien bereits zwei Kinder an Masern gestorben, sagte Hartmann. »Es kann nicht sein, dass Kinder hierzulande an Krankheiten sterben müssen, gegen die es einen Impfstoff gibt.« / 

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