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Sanacorp

Renner übergibt intaktes Unternehmen

22.06.2010  14:20 Uhr

Von Daniel Rücker, Düsseldorf / Zum letzten Mal trug Dr. Manfred Renner in einer Vertreterversammlung den Geschäftsbericht des genossenschaftlichen Pharmagroßhändlers Sanacorp vor. Seine Botschaften dürften den Vertretern gefallen haben. Das Unternehmen steht ziemlich gut da.

Bei der Vertreterversammlung am 18. Juni in Düsseldorf konnte der Vorstandsvorsitzende Renner für das Geschäftsjahr von einem deutlichen Anstieg der Umsatzerlöse in allen drei Ländern berichten, in denen Sanacorp aktiv ist. In Deutschland stieg der Umsatz von 2,7 Milliarden auf 3,5 Milliarden Euro, in Frankreich von 2,95 Milliarden auf 3,11 Milliarden Euro und in Belgien von 278 Millionen auf 280 Millionen Euro. In Frankreich und Belgien agiert Sanacorp über seine Partner Cerp Rouen SAS und Cerp SA. Gemeinsam firmieren sie unter dem Dach Sanastera (vormals Millennium), an der Sanacorp eG und Sanacorp AG mit insgesamt 50 Prozent beteiligt sind.

 

Umsatz steigt dank von der Linde

 

Deshalb liegt der konsolidierte Umsatz für die Sanacorp bei der Hälfte des Gesamtumsatzes, also bei knapp 3,5 Milliarden Euro. Grund für den deutlichen Anstieg in Deutschland ist laut Renner vor allem die Übernahme des nordrhein-westfälischen Großhändlers von der Linde, er steuerte rund 700 Millionen Euro zum Gesamtergebnis bei.

 

Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit der Sanacorp sank von 31,7 Millionen Euro auf 30,8 Millionen Euro. Daraus ergibt sich eine Umsatzrendite von 0,9 Prozent. Gründe für die geringere Rendite sind steigende Personalkosten nach der Integration von von der Linde in den Konzern und höhere Investitionen. Renner bezeichnete das Ergebnis »mit Blick auf die Wettbewerbssituation« als »vertretbar und befriedigend«. Befriedigend dürfte auch das Ergebnis für die 7820 Apotheker sein, die bei Sanacorp Mitglied sind. Für die Pflichtanteile erhalten sie eine Dividende von 7 Prozent, zuzüglich 2,5 Prozent Bonus, für die freiwilligen gibt es 5 Prozent plus Bonus. Intern wurde das abgelaufene Geschäftsjahr laut Renner von der Integration des Großhändlers von der Linde geprägt. Dieser sehr komplexe Vorgang habe alle Bereiche des Konzerns von der Technik bis zum Einkauf betroffen. Formal ist der Prozess seit dem 23. März abgeschlossen.

 

An diesem Tag wurde die Verschmelzung der beiden Unternehmen rückwirkend zum 1. Januar 2010 unterzeichnet. Wegen des Zusammenschlusses fand unmittelbar vor der Vertreterversammlung bereits eine außerordentliche Vertreterversammlung statt, bei der der einstimmige Beschluss gefasst wurde, die neu gewählten nordrhein-westfälischen Vertreter in die Vertreterversammlung aufzunehmen. Natürlich ging Renner in seinem Geschäftsbericht auch auf das politische Umfeld ein. Wenig erfreut zeigte er sich von dem Fortschreiten der Gesundheitsreform. Die Umstellung der GKV-Finanzierung auf eine Prämie sei »überlegenswert«, sagte der Sanacorp-Chef. Der Systemwechsel werde aber nicht kommen. Nun bleibe es bei reiner Kostendämpfung. Dazu gehöre auch das von der Bundesregierung geplante Arzneimittelsparpaket mit Kosten-Nutzen-Bewertung und höherem Herstellerabschlag.

 

Teil dieses Gesetzes könnte auch eine Umstellung der Großhandelsvergütung sein. Die geplante Einführung einer Pauschale pro Arzneimittelpackung würde den Großhandel davon befreien, besonders preiswerte Arzneimittel mit Verlust zu distribuieren. Für den Großhandel wäre dies sicher erfreulich. Viele Apotheker fürchten jedoch, dass die Politik eine Umstellung dazu nutzen würde, die Spannen auf Kosten der Einkaufsvorteile für Apotheker zu kürzen. Renner hofft auf eine Umstellung im kommenden Jahr, die die Apothekerschaft nicht zusätzlich belastet.

Zum Ende seiner Rede bedankte sich Renner, der zum 1. Juli auf eigenen Wunsch in den Ruhe­stand geht, bei Kollegen, Mitar­beitern und Aufsichtsrat für die gute Zusammenarbeit der vergan­genen Jahre. Gemeinsam sei es gelungen, Herausforderungen zu bewältigen und Sanacorp nach vorne zu bringen. Renners Nach­fol­ger wird Dr. Herbert Lang, der bereits seit vielen Jahren im Un­ternehmen arbeitet. Eine wichti­ge Aufgabe für die Zukunft sieht Ren­ner im Aufbau eines europäi­schen genossenschaftlichen Großhan­dels als Gegengewicht zu den in­ternational agierenden Aktiengesellschaften in der Branche.

 

Lobreden auf den scheidenden Chef

 

Die Vertreterversammlung endete mit Laudationes auf Renner. Für den Deutschen Apothekerverband (DAV) dankte ihm Vorstandsmitglied Monika Koch für sein Engagement. Renner habe sich immer an den genossenschaftlichen Werten »offen, demokratisch und unabhängig« orientiert. An diesen Prinzipien habe er auch festgehalten, als es darum ging, die Sanacorp zu modernisieren. Renner hatte zuvor im Geschäftsbericht darauf verwiesen, in seiner Amtszeit keine einzige betriebsbedingte Kündigung ausgesprochen zu haben. Der Aufsichtsratsvorsitzende der Sanacorp, Jürgen Funke, lobte Renner für seine Tatkraft, seinen präzisen Führungsstil und seine Weitsicht. Funke: »Die heutige Position der Sanacorp am Markt ist das Ergebnis kluger Strategien.« Die verantwortungsvolle Kultur der Sanacorp sei unter Renner ebenso ein Qualitätsmerkmal des Unternehmens gewesen wie die konsequente Unterstützung der unabhängigen Apotheken in Deutschland und Frankreich. Weitere Laudatoren waren der Vorsitzende des Hamburger Apothekervereins Dr. Jörn Graue, der Vorsitzende des Pharmazeutischen Großhandels, Dr. Thomas Trümper, und Renners Nachfolger Lang. /

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